Gedanken über Essen ohne dick zu werden
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Gedanken über Essen ohne dick zu werden

Beitrag von wize.life-Nutzer

Essen ist heute weit mehr als Mittel zum Zweck, den Hunger zu besiegen. Die bunte Welt der Kulinarik verführt mit Gerüchen und Aromen und macht Lust auf immer neue Geschmäcker.

Meiden Sie Nahrungsprodukte, die Zutaten enthalten, die kein normaler Mensch im Küchenschrank hat.

Ethoxylierte Diglyceride? Zellulose? Xanthan? Calciumpropionat? Ammoniumsulfat? Warum sollten Sie, wenn Sie selbst nicht mit solchen Substanzen kochen würden, anderen erlauben, mit ihnen für Sie zu kochen? Der Chemiebaukasten der Lebensmittelwissenschaftler ist darauf ausgelegt, die Haltbarkeit zu verlängern, alte Lebensmittel frischer und appetitlicher aussehen zu lassen, als sie tatsächlich sind, und Sie dazu zu bringen, mehr von ihnen zu essen. Ob einer dieser Zusatzstoffe Ihre Gesundheit nun erwiesenermaßen gefährdet oder nicht – viele von ihnen werden noch nicht lange von Menschen verzehrt, und deshalb machen Sie am besten einen weiten Bogen um sie.

Essen Sie wie die Franzosen

Das »französische Paradox« etwa lässt sich so erklären, dass die Franzosen ihre generell gute Gesundheit nicht den Nährstoffen im Essen (reichlich gesättigtes Fett und Weißmehl!) verdanken, sondern ihren Essgewohnheiten: kleine Portionen, die bei gemächlichen Gemeinschaftsmahlzeiten verzehrt werden; kein Nachschlag und keine Snacks zwischendurch.

Trinken Sie zum Abendessen ein Glas Wein.

Vielleicht ist der Wein nicht gerade das Wundermittel der französischen oder mediterranen Kost, aber er scheint doch ein wesentlicher Bestandteil dieser Ernährungsmuster zu sein. Es gibt heute zahlreiche wissenschaftliche Beweise für den gesundheitlichen Nutzen von Alkohol, die jahrhundertealte traditionelle Überzeugungen und anekdotische Einzelbelege bestätigen. Eingedenk der gesellschaftlichen und gesundheitlichen Folgen des Alkoholismus empfehlen Gesundheitsbehörden das Trinken nur ungern, aber Fakt ist, dass Menschen, die maßvoll und regelmäßig trinken, länger leben und wesentlich weniger unter Herzkrankheiten leiden als Abstinenzler. Alkohol aller Art scheint das Risiko für Herzkrankheiten zu verringern, aber die Polyphenole in Rotwein (insbesondere Resveratrol) besitzen offenbar einzigartige Schutzfunktionen. Die meisten Experten empfehlen maximal zwei Glas pro Tag für Männer und eins für Frauen. Der gesundheitliche Nutzen von Alkohol hängt möglicherweise genauso sehr mit dem Trinkschema wie mit der Menge zusammen: Jeden Tag ein bisschen zu trinken ist besser, als am Wochenende viel zu trinken, und das Trinken in Verbindung mit Essen ist besser als ohne Essen. Irgendwann wird die Wissenschaft vielleicht all die komplexen Synergien verstehen, die in traditionellen Ernährungsformen am Werk sind, zu denen auch der Wein gehört. Bis es so weit ist, können wir über ihre angesammelte Weisheit nur staunen – und auf dieses Paradox unser Glas erheben.

Essen Sie, wenn Sie Hunger haben, nicht wenn Sie sich langweilen.

Bei vielen von uns hat das Essen überraschend wenig mit Hunger zu tun. Wir essen aus Langeweile, aus Frust, um beschäftigt zu sein oder uns zu belohnen. Versuchen Sie sich bewusst zu machen, warum Sie essen, und fragen Sie sich, ob Sie wirklich Hunger haben – bevor Sie essen und auch zwischendurch immer wieder etwas zu sich nehmen. (Hier ein altüberlieferter Test: Wenn Sie nicht hungrig genug sind, um einen Apfel zu essen, haben Sie keinen Hunger.) Essen ist ein teures Antidepressivum.

Essen Sie langsam.

Nicht nur so langsam, dass Sie wissen, wann Sie aufhören sollten. Sondern so langsam, dass Sie Ihr Essen wirklich genießen; Sie brauchen dann weniger, bis Sie sich satt fühlen. Wenn Sie auf ein Esserlebnis und nicht nur auf Kalorien aus sind, wird das Erlebnis um so stärker sein, je langsamer Sie essen. Ein indisches Sprichwort sagt. »Trink deine Speisen, kau deine Getränke.« Anders gesagt: Essen Sie so langsam und kauen Sie so gründlich, bis die feste Nahrung flüssig geworden ist, und bewegen Sie die Getränke so lange im Mund herum, bis Sie sie intensiv schmecken, bevor Sie sie schlucken. Dieser Rat mag nach einem klinischen Test klingen, aber versuchen Sie einmal, ihn zumindest so lange zu befolgen, bis Sie umfassend würdigen können, was da in Ihrem Mund ist und geschieht. Hier eine weitere Strategie, die eine fast vergessene Essgewohnheit aufgreift: »Legen Sie zwischen zwei Bissen die Gabel auf den Tisch.«

»Der erste Bissen schmeckt am besten.«

Wenn Sie sich diesen Spruch zu Herzen nehmen, werden Sie Ihr Essen mehr genießen und langsamer essen. Kein anderer Bissen schmeckt so gut wie der erste, und jeden folgenden Bissen genießen wir ein bisschen weniger. Ökonomen bezeichnen dies als »Gesetz des abnehmenden Grenznutzens« (auch Sättigungsgesetz). Es fordert dazu auf, die ersten Bissen zu genießen und nach kürzerer Zeit aufzuhören, als Sie es sonst vielleicht getan hätten. Denn wenn Sie weiteressen, schaufeln Sie zwar mehr Kalorien in sich hinein, erleben aber nicht zwangsläufig mehr Genuss.

Verbringen Sie genauso viel Zeit mit dem Genießen einer Mahlzeit wie mit ihrer Zubereitung.

Dieses schöne Verhältnis würdigt den Koch (oder die Köchin) für die Sorgfalt, mit der er (oder sie) die Mahlzeit zubereitet hat. Es sorgt gleichzeitig dafür, dass Sie langsamer machen und Ihr Essen mehr genießen.

Essen Sie möglichst nicht allein.

Amerikaner essen zunehmend allein. Obwohl Forschungen darauf hindeuten, dass schlechte Esser mehr essen, wenn sie ihre Mahlzeiten zusammen mit anderen einnehmen (vielleicht weil sie mehr Zeit am Tisch verbringen), schränken gemeinsame Mahlzeiten bei Menschen, die tendenziell zu viel essen, den Verzehr eher ein – und sei es auch nur, weil sie es nicht gerne haben, wenn andere zusehen, wie sie sich vollstopfen. Wenn wir nicht allein essen, neigen wir auch dazu, langsamer zu essen, denn dann passiert am Tisch gewöhnlich mehr als die bloße Nahrungsaufnahme. Genau deshalb ist das Lebensmittelmarketing überwiegend so konzipiert, dass es uns dazu ermuntert, vor dem Fernseher oder im Auto zu essen: Wenn wir allein essen, essen wir mehr. Die Regulierung des Appetits ist indes nur ein Teil der Geschichte: Die gemeinsame Mahlzeit erhebt das Essen von dem biologischen Vorgang, den Körper mit Brennstoff zu versorgen, zu einem Ritual im Familien-oder Freundeskreis.

Lassen Sie etwas übrig.

Als Kinder haben viele von uns von ihren Eltern gehört, wir sollten immer unseren Teller leer essen – eine Anweisung, die wir uns später vielleicht ein bisschen zu sehr zu Herzen genommen haben. Einer älteren und gesünderen Tradition zufolge ist es kultivierter, den Teller nicht ratzekahl leer zu essen. »Lass ein bisschen für Frau Manieren übrig«, wurde manchen Kindern früher gesagt, oder auch: »Besser auf den Kompost als auf die Hüften.« Gewöhnen Sie sich an, Ihren Teller nicht ganz leer zu essen. Kurzfristig trägt es dazu bei, dass Sie weniger essen, und langfristig trainiert es Ihre Selbstbeherrschung.

Kochen Sie.

Theoretisch sollte es für Ihre Gesundheit egal sein, ob Sie Ihr Essen selbst zubereiten oder diese Arbeit von anderen erledigen lassen. Aber solange Sie es sich nicht leisten können, einen eigenen Koch einzustellen, der die Mahlzeiten exakt nach Ihren Wünschen zubereitet, verlieren Sie die Kontrolle über Ihr Leben als Esser, wenn Sie andere für sich kochen lassen, und das betrifft die Portionsgrößen genauso wie die Zutaten. Nur wenn Du selbst kochst, gewinnst Du die Kontrolle über Dein Essen von den Lebensmittelwissenschaftlern und -verarbeitern zurück und hast eine Garantie dafür, dass Du echte Lebens-Mittel isst und nicht essbare nahrungsmittelähnliche Substanzen mit ihren ungesunden Ölen, ihrem fructosereichen Maissirup und ihrem vielen Salz. Es überrascht nicht, dass zwischen der Abnahme des häuslichen Kochens und der Zunahme der Fettleibigkeit ein enger Zusammenhang besteht. Aus Forschungsergebnissen kann man außerdem schließen, dass Leute, die ihr Essen selbst zubereiten, sich mit größerer Wahrscheinlichkeit gesund ernähren.
Dickes Deutschland

  • 36,2 Millionen Menschen hierzulande sind derzeit übergewichtig. Das sind 52 Prozent der erwachsenen Bevölkerung: 62 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen.
  • 37 Millionen werden es in zehn Jahren sein, sollte der Trend anhalten.
  • 2,61 Millionen Deutsche gelten als schwer übergewichtig (adipös). Das sind 16 Prozent der erwachsenen Bevölkerung: 17 Prozent der Männer und 14 Prozent der Frauen.
  • 3,25 Millionen, also ein Viertel mehr, werden es im Jahr 2025 sein, sollte der Trend anhalten.
  • Bei der Verbreitung von krankhaften Übergewicht liegt Deutschland auf Platz 9 unter 34 Industrieländern.
  • Der Verzehr zuckergesüßter Erfrischungsgetränke stieg innerhalb der vergangenen zehn Jahre um zehn Prozent. Der Verbrauch an Glucose hat sich innerhalb von 20 Jahren verdoppelt.
  • 16,8 Milliarden Euro jährlich kosten die Folgen ungesunder Ernährung das Gesundheitssystem. Pro Kopf sind das Ausgaben von 205 Euro im Jahr.
  • Drei Viertel der Bevölkerung lebt in städtischen Gebieten, deren Lebensstil überwiegend durch Bewegungsmangel gekennzeichnet ist.
  • 56 Prozent glauben nicht, dass Adipositas ebenso gefährlich ist wie Rauchen.

Quellen: Wond Obesity Federation; Statistisches Bundesamt; OECD; Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG), Techniker-Krankenkasse