Bayerische Ernährungstage
Bayerische ErnährungstageFoto-Quelle: djd/KErn

Richtig gut essen - Nachhaltige Ernährung im 21. Jahrhundert

Deutscher Evangelischer Frauenbund Bayern

Lebensmittelverschwendung


Zu jeder Tages- und Nachtzeit können wir auf ein vielfältiges Angebot an Lebensmitteln zugreifen. Wir haben keinen Mangel an guten und gesunden Lebensmitteln. Der Lebensmittelhandel bietet mehr als 170.000 Produkte an.
Unser Überfluss hat aber auch die Schattenseite, dass pro Jahr 11 Millionen Tonnen Lebensmittel von Industrie, Handel, Großverbrauchern und Privathaushalten entsorgt werden. Der größte Teil davon, nämlich knapp 6,7 Millionen Tonnen, entsteht in den 40 Mio Privathaushalten. Das sind 60 Prozent der Gesamtmenge.
Mindestens 30 Prozent der weltweiten Lebensmittelproduktion wird nicht verzehrt, sie werden verschwendet. Damit könnten alle Hungernden der Welt gesättigt werden. Experten sehen als Hauptursache das Verbraucherverhalten und haben somit eine bequeme Entschuldigung für die Lebensmittelindustrie und die Politik. Diese Lebensmittelverschwendung wird inzwischen europa- und weltweit wirtschafts- und gesellschaftspolitisch diskutiert.

Gemeinsames Handeln notwendig


Die Referenten bei diesem Fachsymposium waren namhafte Vertreter aus Produktion, Handel, staatlichen Einrichtungen und der Politik. Alle waren sich einig, dass ein gemeinsames Handeln notwendig ist und der Wert des Lebensmittels in den Blickpunkt gerückt werden muss.

Der Weg zu einem veränderten Lebensstil

Die Herausforderung besteht darin, die Tabus zu brechen, die mit Lebensmittelverschwendung verbunden sind. Fehlendes Bewusstsein, Verdrängung oder Schuld- gefühl sollen einer neuen Sensibilität, einem neuen verantwortungsbewussten Lebensstil und der Zugehörigkeit zu einer neuen Wertegemeinschaft weichen. Die eigene Zubereitung der Speisen und das Wissen über die Herkunft der Lebensmittel sollten wieder mehr im Vordergrund stehen.
Am Beispiel Fleisch bedeutet das: Die Wertschätzung der Tiere fängt schon im Stall an und hört bei der Schlachtung auf. Ein Engagement um mehr Tierwohl müssen wir aufbauen, damit Fleisch nicht nur als köstlich, sondern auch als kostbar geschätzt wird.
Die Land- und Ernährungswirtschaft steht vor einer großen Aufgabe, sich für echte Nachhaltigkeit zu profilieren. Jeder einzelne Verbraucher kann sich für wertgebende Faktoren wie „Regional“, „Fairer Handel“, „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ usw. entscheiden.
Daneben ist es natürlich wichtig, dass wir uns als VerbraucherInnen nicht von den Discountern und ihrer „Kampfpreismentalität“ zu stark beeinflussen lassen. Denn hochpreisigere Lebensmittel landen weniger im Müll.
Das Ziel ist, die Halbierung der augenblicklichen Menge bei den Lebensmittelabfällen zu erreichen. Die Expertenkommission war sich einig, dass dies einen langen Weg bedeutet, der angegangen werden muss.

Den Mitgliedern der AEH ist seit jeher die enorme Lebensmittelverschwendung ein Dorn im Auge. So unterstützen sie aktuell die bayerische Infokampagne essens- Wert, die für das Thema Lebensmittelabfall sensibilisiert und Ursachen für den verschwenderischen Umgang mit Lebensmitteln benennt.

Vielleicht macht dieses Zitat von Jacques Lacan nach- denklich:

„Am Umgang mit dem Abfall lässt sich der Stand einer Zivilisation ablesen“.


Christa Gampl, 2. Vorsitzende AEH-Förderkreis
Bericht über die 3. Bayerischen Ernährungtage in Kulmbach
def aktuell 3/2014
zum download auch bei www.def-bayern.de