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Wie der Wein sich weiterentwickelt

Beitrag von wize.life-Nutzer

Viele empfinden Wein als traditionslastig, urig, fast zeitlos. Dabei wird die enorme Dynamik übersehen, die in der Weinwirtschaft seit dreißig Jahren herrscht
Viele Weintrinker sehen heute zwar die modern gestalteten laschen in den Regalen aller möglichen Geschäfte und Lokale, sie halten aber trotzdem an der Vorstellung vom Wein als einem urigen Getränk fest, unberührt von den Umwälzungen und Veränderungen in anderen Lebensbereichen.

Zweifelsohne sind die Kernpunkte – Traubensaft wird von Hefen zu Wein vergoren, um Rotwein zu erzeugen, braucht man rotschalige Trauben und so fort – unverändert. Wie sie aber umgesetzt werden und wie das Ergebnis schmeckt, hat sich vor allem in den vergangenen Jahrzehnten massiv gewandelt.

Ein eindrückliches Beispiel dafür sind die trockenen Weißweine aus der Sauvignon-Blanc-Traube
Bis Mitte der achtziger Jahre teilten sie sich in zwei Gruppen auf: einerseits und vor allem in schlanken, dezent aromatischen Sancerre und Pouilly-Fumé von der Loire, der Heimat der Traubensorte, andererseits aber auch in üppigere Weine aus Bordeaux und Übersee, oft mit Röstaromen vom Ausbau im neuen Eichenfass. Beiden gemeinsam war eine mehr oder weniger ausgeprägte Grüne-Paprika- Note.

Inzwischen ist der Markt für Sauvignon-Blanc-Weine auf der ganzen Welt jedoch immens gewachsen, und das ist einem ganz neuen Typ von Sauvignon Blanc zu verdanken, der nach Maracuja, Grapefruit und Melone duftet.

Entwickelt wurde dieser neue Weintypus von Kevin Judd, Weinmacher des Weinguts Cloudy Bay in Marlborough/Neuseeland. 1985 gelang es ihm mit viel Geschick und ein wenig neuer Technik, dieses neue Register an Aromen zum Klingen zu bringen. Das Ergebnis stieß sofort auf enormen Zuspruch und war schnell ausverkauft.

Wer diesen legendären Geschmack heute kennenlernen möchte, muss dafür einiges zahlen und wird wahrscheinlich nicht gerade vom Hocker gerissen. Der Wein ist nicht gerade subtil, und in manchen Jahrgängen wird die betonte Säure durch etwas Traubensüße kaschiert. Doch der Hintergrund der Story ist immer noch interessant.

Cloudy Bay hätte vielleicht gar nicht auf Sauvignon Blanc gesetzt, wenn die Firma de Ladoucette an der Loire damals nicht überall in Europas Gastronomie großen Erfolg mit einem Wein namens „Baron de L“ gehabt hätte. Der ist inzwischen weitgehend in Vergessenheit geraten und ziemlich teuer, aber die hohe Qualität ist geblieben.

Der 2009er „Baron de L“ ist noch überraschend lebendig für sein Alter, zeigt feine Würze und viel Eleganz; ein wahrer Klassiker. Doch die Geschichte geht noch weiter: Ein guter Weinmacher ist in der Lage, die Grundidee eines Weins auf andere zu übertragen.

Laurenz Moser hat vor zehn Jahren die Marke „Laurenz V.“ für trockene Weißweine aus der Sorte Grüner Veltliner aus seiner Heimat in Niederösterreich kreiert.

Trotz eindeutiger Unterschiede in den Aromen (wo grüner Apfel und Birne dominieren) ist der schlanke, verspielte Grüne Veltliner „Friendly“ sicherlich auch von Cloudy Bay inspiriert worden. Der Wein entwickelt sich immer weiter.

Der Sauvignon Blanc von Cloudy Bay ist breitflächig distribuiert. Der 2013er zum Beispiel kostet bei www.gourmondo.de 21,90 Euro.

Der 2009er „Baron de L“ von de Ladoucette kostet 54,90 Euro bei www.belvini.de , wo man auch den 2013er „Friendly“ Grünen Veltliner von Laurenz V. für 10,50 Euro bekommt.

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