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Sammelleidenschaft und Sammelwut- Was wir wie warum anhäufen

Marion Dr. Diwo M.A. -HP
13.03.2014, 05:41 Uhr

Kürzlich wurde von einem Sammler berichtet, der 200.000 Streichholzbriefchen aus aller Herren Länder zusammengetragen hatte und nun in seinem Keller, wo er sie in Sichtschränken aufbewahrte, nicht mehr treten konnte. Die etwas „verschnupfte“ Ehefrau berichtete in demselben Beitrag, dass sie es aufgegeben hätte, das Thema anzusprechen und ihren Keller für eine anderweitige Nutzung abgeschrieben habe. Man fragt sich, was führt dazu, dass sich Menschen eines solchen Themas annehmen und sich diesem so ausliefern. Dass die Menschheit sich unterscheidet in Jäger und Sammler, weiß man (wobei die kulturell höhere Stufe der seßhafte Sammler war), aber dass Menschen sich so einschränken, um sich einem Thema zu widmen, erstaunt dann doch.

Der Ursprung
Das Sammeln - allerdings eher von Wertgegenständen und kostbaren Preziosen- und damit der Ursprung aller unserer Museen- waren die Schatzkammern der Fürsten. Hier wurde eingelagert, was Beutezüge bei den Feinden oder Geschenke befreundeter Völker hergaben, auch Skurriles oder Unbekanntes, was Staunen auslöste. Sammeln bedeutete immer den Luxus, Dinge zu erhalten, auf die auch andere ein Augenmerk richteten.

Werte anhäufen
Das Sammeln von singulären Dingen, von denen es nicht unbegrenzt verfügbare Ressourcen gibt, bedeutet letztlich Wertsteigerung. Bei Kunst ist das am ehesten klar: Wer von einem Künstler, der später en vogue ist, früh Werke an sich bindet, erhöht bei einer späteren Berühmtheit den materiellen Wert seiner eigenen Sammlung, denn der Künstler stellt nicht unbegrenzt Werke her. Bei industriellen Dingen ist das schon anders: Das Streichholzbriefchen, das Porzellan, das Möbelstück, ist prinzipiell immer verfügbar, es sei denn, das Design ändert sich, die Zeit, der Geschmack. Darauf kommt es an, und so sind Sammlungen egal von was, immer Ausdruck einer Epoche, eines Stils und einer Tendenz, wie mit Funktion und Form über einen Zeitraum hinweg (meist mehrere Generationen) umgegangen wurde.

Sammeln bedeutet: Zeit festhalten
Und so ist im Prinzip jede Sammlung wertvoll oder bemerkenswert-und zwar als Ausdruck einer
Zeit, die voranschreitet und deren Ausdrucksformen sich ändern. Historiker können hieraus schöpfen und große Entwicklungslinien von Gesellschaften nachziehen, die sie sonst mühsam zusammensuchen müssten. Zeit festhalten ist das Zauberwort, das jeden Sammler umtreibt. In der Zeit leben und ihren Entwicklungen aus anderen Zeiten nachspüren, den! Ausdruck einer ganz bestimmten Zeit finden.

Tauschgeschäfte
Letztendlich gehört zum Sammeln auch implizit das Tauschgeschäft, also eine Vereinbarung einer Gruppe über den Wert eines Sammlungsbereiches. Dann lässt sich das Tauschgeschäft beginnen, zunächst läuft das noch immateriell ab. Wir kennen das von Kindern die aus einer Serie, beispielsweise von Sammelbildern das tauschen, was der eine hat, der andere aber vermeintlich noch braucht. In elaborierter Form wird dann Geld eingesetzt, es ist damit nicht mehr nötig, selbst etwas zu beschaffen, was einen Anreiz für den Anderen darstellt, sondern das Geld füllt diesen Mangel aus. Und je dringender der Wunsch ist, das Eigentum des Anderen zu erhalten, desto wertvoller wird das Objekt der Begierde.

Sind wir alle Sammler?
Nun ja, vielleicht sammelt nicht jeder Streichholzbriefchen. Aber wer einmal genau überlegt, von was er mehr als drei ähnliche Dinge hat, der ist im Prinzip schon ein Sammler, denn er kann immer nur eines benutzen. Daher lässt sich fragen, ob wir nicht alle schon einmal einer Sammelleidenschaft nachgegangen sind. Es ist ein ganz besonderer Reiz, die eigenen Sammelobjekte zu betrachten, sich an ihnen zu erfreuen und sie für die Nachwelt -wie immer die aussehen mag - zu erhalten. Allerdings gibt es beim Sammeln noch einen anderen Begriff, der die Kehrseite der Leidenschaft aufzeigt: Die Sammelwut. Bei ihr ist der Sammler dem Sammeln ausgeliefert, nicht mehr Herr seiner Entscheidungen. Das führt dann häufig dazu, dass wahllos gesammelt wird und Einschränkungen der freien Auswahl zuvorkommen, die dann letztlich schädlich sind, weil sie eher einen Suchtcharakter besitzen als eine kulturelle Leistung definieren. Schliesslich kann die Sammelwut im psychologischen Sinne eine Übersprungshandlung sein, also Kompensationsausdruck für tiefer liegende Probleme. Der "Messie" ist hierfür ein Beispiel.

Was sammeln Sie? Wie unterscheiden Sie die Sammelleidenschaft von einer Sammelwut?

13 Kommentare

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.....ja-ich gestehe..Ich sammel alles,was ich gratis in die Hände bekomme...Gratis Aufkleber,Postkarten,kleine Gratisproben von irgendwelchen Firmen oder Hotels....einfach alles...
Bei den ganzen Proben,spar ich mir jede Menge Geld,hab immer ne Überraschung oder eben eine "Pröbchen"von dem was meine Freunde oder Bekannten suchen und so testen können,bevor sie es kaufen.....
  • 27.04.2015, 16:21 Uhr
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Mein Hauptsammelgebiet sind Autogramme.http://www.autogrammbuch.de/
  • 22.01.2015, 20:24 Uhr
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Habe in den 70zigern Bierkrüge mi Zinndeckel der Fa.Gerz und Seltmann Weiden gesammelt ca. 30Stück habe ich noch Hat jemand Interesse wenn ja würdr sie zu einem fairen Preis abgeben. Tel. 017692452594 oder über Sb Vielen Dank.
  • 22.03.2014, 17:39 Uhr
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Dieses Sammeln und Horten ist wohl in den Genen des Menschen eingeschlossen. Wir dürfen nicht vergessen, dass der Mensch, als er vom Baume stieg, mal erst zum Sammler und Jäger wurde. Das hat sich in Jahrhunderttausenden zwar kultiviert, aber noch bis in die Moderne in seinen Grundlagen erhalten. Erst mit der Erfindung des Kühlschrankes und der Konserven aber wurde das "Horten für Monate" überflüssig. Da nun aber mal die Gene die Taktik des Menschen weiter bestimmen, sammelt er eben heute so nutzlose Dinge wie Hüte, Vasen, Briefmarken, Bierdeckel und Münzen.

Übrigens: Ich habe herausgefunden, dass Banknoten leichter zu horten sind als Münzen!
  • 21.03.2014, 09:17 Uhr
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Sammeln war für mich auch eine Leidenschaft. Es gab bald nichts, was ich nicht sammelte.
Von vielem habe ich mich aus räumlichen Gründen schon getrennt, aber es gibt Dinge, von denen man sich nicht trennen kann.
Dazu gehört meine Briefmarkensammlung, meine Euro-Münzensammlung aller Länder und meine Fotoalben, die ich trotz der digitalen Fotografie weiter führe.
  • 20.03.2014, 22:29 Uhr
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Habe - Buddhas gesammelt - an die 100 Stück - bis das Regal voll war.
Jedes Material vorhanden - Gips/ Holz/ Porzellan/ Stein/ Jade - und 1 aus Irland - aus Kohle !

100 ruhige stille gemütliche Männer um mich rum - lächel.
  • 15.03.2014, 08:24 Uhr
Marion Dr. Diwo M.A. -HP
Dann fehlt Dir nur noch der Gold-Buddha aus Shanghai....7 m hoch und 4 m breit
  • 15.03.2014, 16:27 Uhr
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Marion Dr. Diwo M.A. -HP
Marlies, das! glaube ich Dir! Dass das Abschaffen von Etwas befreiend sein kann. Allerdings: Meist stecken Werte hinter den Dingen- und das macht es so schwer.
  • 13.03.2014, 18:17 Uhr
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Bin 64 J. (verw.) und habe mein Haus mit Garten verkauft ......... Nun lebe ich in einer 40 Quadratm. ETW mit Balkon (Studentenbude f. Rentner) und fühle mich sehr wohl. Früher habe ich auch vieles gesammelt u. nun habe ich mich von viel Ballast befreit ...... Natürlich ist mir das nicht leicht gefallen, aber es mußte sein. Fazit : Auch mit wenig Sachen kann man zufrieden u. befreit leben !!!
  • 13.03.2014, 13:36 Uhr
Genauso geht es mir auch und habe die Erfahrung gemacht,dass es sehr befreiend ist Ballast (und das ist es ja letztendlich) abzuwerfen. Kann Dir in allem 100%ig zustimmen.
  • 19.03.2014, 08:29 Uhr
Danke Gica u. Heidrun. Freue mich über die Zustimmung. Einen schönen Tag noch. LG Marlies
  • 19.03.2014, 10:42 Uhr
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Zeit festhalten, das ist wohl der Grund warum ich Kalender sammle, mein ältester von 1955 " Der Wandervogel".
  • 13.03.2014, 13:12 Uhr
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oft ist es auch das finden oder erhalten eines sammel-objekts , das "erbeuten" , ein nicht zu unterschätzender reiz ! ich sammle sofakissen nach themen : rosenkissen , maritime kissen , weihnachten , ostern usw. und immer wenn ich umdekoriere , fallen mir die geschichten des erbeutens dazu ein und ist ein grosser teil der freude ! sammelwütig bin ich , glaube ich zumindestens , nicht !das objekt meiner begierde muss immer ein entzücken in mir hervorrufen und ich kaufe immer wohlüberlegt ! nichts desto trotz habe ich mir eine bank zu meinem essplatz gekauft , damit ich möglichst viele kissen " ausstellen " kann ! sieht besser aus als auf stühlem.............
  • 13.03.2014, 11:36 Uhr
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