Tuck-Tuck, das Huhn
Tuck-Tuck, das HuhnFoto-Quelle: Zeitgut Verlag GmbH

Landleben anno dazumal - eine Kindheit im Dorf

Christine Kammerer
Beitrag von Christine Kammerer

Das Landleben hatte für uns Kinder viele wunderbare Seiten - glücklich, wer auf dem Land aufgewachsen ist oder wenigstens seine Ferien dort verbringen durfte! Wir genossen große Freiheiten, konnten nach der Schule unbeschwert durch Wiesen und Felder strolchen und der riesengroße Abenteuerspielplatz Natur lag direkt vor der Haustür. Die Eltern mussten sich kaum Sorgen machen, denn das Leben im Dorf war gut behütet. Doch die unmittelbare Nähe zu den Nachbarn hatte nicht nur Vorteile.

Der gut funktionierende Buschfunk trug die peinlichsten Geschichten in Windeseile durch das Dorf. Oft wussten die Eltern schon, welchen Streich wir dem zänkischen Nachbarn gespielt hatten oder all die anderen Dingen, die wir heimlich hinter verborgenen Hecken angestellt hatte. Die erste Zigarette, der erste Kuss – kaum etwas blieb den neugierigen Augen im Dorf verborgen.

Leben mit der Natur

Doch wir erinnern uns ohnehin lieber an die schönen und lustigen Dinge. An kunstvoll zurechtgezimmerte Baumhäuser, abenteuerliche Wild-West-Spiele, an Pferde und Hunde, mit denen wir viele glückliche Stunden verbrachten und dabei unsere kleinen Sorgen und nicht selten auch die Zeit vollkommen vergaßen. Wir durften erleben, wie die Kälber zur Welt kamen und sie sogar mit der Flasche aufziehen. Wir amüsierten uns über bockige Schäfchen und lachten über die hungrigen Schweinchen, die sich aufgeregt in ihrer Box drängelten, pufften und schubsten, bis sie laut schmatzend einen Platz am Trog ergattert hatten. Wir staunten über die kleinen, blinden Wollknäuel aus dem Wurf der gutmütigen, alten Hofkatze und bekamen nie genug davon, die putzigen Küken immer und immer wieder mit Körnern zu locken.

Süße Früchtchen aus Nachbars Garten

Wie waren immer die ersten, die wussten, in welchem Garten die süßesten Früchtchen reiften und kein noch so hoher Gartenzaun konnte uns davon abhalten, auch wenn das manchmal arges Magengrimmen bedeutete, weil wir uns den Bauch allzu vollgeschlagen hatten. Und wir fanden immer irgendwo eine Leiter und bestachen nötigenfalls den Hofhund des Dorfnachbarn mit Leckereien.

Harte Feldarbeit und herzhafte Küche

Selbst die Arbeit im Garten, auf dem Feld oder bei den Tieren erschien uns nicht allzu hart, auch wenn sie das mitunter wirklich war. Wir wühlten gerne in der Erde, freuten uns an den ersten Frühjahrsblümchen, gruben Karotten aus, halfen beim Schnippeln und Einkochen oder jäteten eifrig Unkraut, auch wenn wir mitunter nicht so recht unterscheiden konnten, was genau die Erwachsenen nun eigentlich darunter verstanden. Und selten schmeckte das Essen so lecker wie nach einem Tag an der frischen Luft. Es gab Butter und Eier vom Bauern, im Sommer sonnengereifte Tomaten und im Winter Eingelegtes - alles aus dem eigenen Garten. Dazu knuspriges Landbrot vom Bäcker und Wurst ganz frisch vom Metzger im Dorf und manchmal sogar aus eigener Zubereitung - und wir hatten selbst dabei geholfen!

Literaturtipp: Wo morgens der Hahn kräht, Unvergessene Dorfgeschichten 1912 -1968. 55 Geschichten und Berichte von Zeitzeugen.