Heute vor 50 Jahren: „Papas Kino ist tot“
Heute vor 50 Jahren: „Papas Kino ist tot“

Heute vor 50 Jahren: „Papas Kino ist tot“

Beitrag von wize.life-Nutzer

Der 28. Februar 1962 gilt heute als die Geburtsstunde des „Neuen Deutschen Kinos". Damals lud eine Gruppe von 26 Filmschaffenden zu einer Pressekonferenz mit dem Motto „Papas Kino ist tot". Während der Veranstaltung wurde eine Schrift verlesen, die als „Oberhausener Manifest" bekannt wurde und finanzielle Unterstützung von kulturell hochwertigen Filmprojekten forderten, die sich von den herkömmlichen Unterhaltungsfilmen unterscheiden sollten.

In der Presse wurde dieses Manifest äußerst negativ aufgenommen. Die Forderung, man solle den jungen Filmemachern eine Summe von 5 Millionen D-Mark zur Verfügung stellen, wurde von der Öffentlichkeit als überzogen und größenwahnsinnig angesehen. Die Oberhausener Gruppe war bald als „Obermünchhausener" verschrien, ihre Ideen als „Bubis Kino" verunglimpft.

 

Aufstieg des Autorenfilms

Doch die jungen Filmemacher waren besser aufgestellt, als die Kritiker vermutet hatten. Besonders Alexander Kluge, ein ausgebildeter Rechtsanwalt, zog die Fäden, als man sich daran machte, eine Stiftung zur Filmförderung aufzubauen. Folgerichtig war sein Debüt-Film „Abschied von Gestern" der erste, der aus Stiftungsmitteln unterstützt worden war. In den folgenden Jahren entstanden weitere Filme, darunter so bekannte Werke, wie „Liebe ist kälter als der Tod" von Rainer Werner Fassbinder oder „Zur Sache, Schätzchen" von May Spils.

Weil die Filmschaffenden trotz der Förderungen mit sehr bescheidenen Budgets umsetzen mussten, übernahmen sie oft mehrere Aufgaben bei der Produktion, wie Drehbuchautor, Regisseur und Produzent, und kontrollierten dadurch auch die gesamte künstlerische Konzeption. Es war die Geburtsstunde des „Autorenfilms" in Deutschland, der so bekannte Namen wie Volker Schlöndorff, Werner Herzog oder Wim Wenders hervorbrachte. Seit 1968 begann schließlich auch der Staat mit einer koordinierten Filmförderung.

Das Jahr 1982 besiegelte dann das Ende des Neuen Deutschen Films. Zum einen hatten sich die erfolgreichen Vertreter in internationale Karrieren verabschiedet. Mit Rainer Werner Fassbinder war zudem einer der wichtigsten Künstler gestorben. Zum anderen begann mit dem Regierungsantritt Helmut Kohls, eine neue politische Ära, die sich wieder mehr dem Unterhaltungsfilm zuwandte.

" In meiner Generation kann man sich fragen, ob es uns ohne Alexander Kluge überhaupt gäbe?"

(Volker Schlöndorf)

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