Fortschritt - die Evolution des Menschen
Fortschritt - die Evolution des MenschenFoto-Quelle: Tkgd2007, http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Human_evolution.svg

Fortschritt ist nur eine Illusion! Was ist wirklich besser als früher?

Christine Kammerer
Beitrag von Christine Kammerer

Fortschritt wird allgemein mit einer Verbesserung der Lebensumstände gleichgesetzt. Aber haben sich diese Umstände in den letzten 100 Jahren wirklich verbessert? Haben wir Menschen uns und unsere technischen und sozialen Errungenschaften tatsächlich so viel weiter entwickelt, wie es die Fortschrittsgläubigen predigen? Und welchen Preis bezahlen wir für diese Entwicklung?

Macht Fortschritt glücklich?
Wenn mit dem Fortschritt tatsächlich eine Verbesserung der Lebensumstände einhergeht, so sollte man doch annehmen, dass diese die Menschen auch zufriedener macht. In den USA wird die Bevölkerung seit 1958 nach ihrer Lebenszufriedenheit befragt. Das überraschende Ergebnis: Es gibt keine nennenswerten Änderungen in den letzten 50 Jahren! Nach wie vor bezeichnen sich bis heute nur ungefähr 30 Prozent als „very happy“. Weder die Pille und die damit verbundene Liberalisierung, noch eine verbesserte medizinische Versorgung, oder die Zunahme des materiellen Wohlstands haben die Menschen „glücklicher“ gemacht. Nun kann man sich fragen: Ist das nun trotz oder wegen des Fortschritts so? Denn Verbesserungen hat es durchaus gegeben.

Fluch und Segen des Fortschritts

Zum Beispiel in der Medizin. Wir leben länger denn je zuvor und es hat bei der Behandlung einiger Krankheiten erhebliche Fortschritte gegeben, zum Beispiel bei der Implantation künstlicher Hüftgelenke. Aber ist es tatsächlich eine Verbesserung, wenn wir Menschen ewig am Leben erhalten, auch auf Kosten der Lebensqualität - nur weil die technologischen Möglichkeiten das heute hergeben?

Höher, weiter, schneller
Nehmen wir die ganz alltäglichen Dinge des Lebens – unsere Lebensmittel. Praktisch alles wird industriell gefertigt und „veredelt“. Wären wir da nicht oft mit einem „Rückschritt“ besser bedient? Und wie ist es mit den technischen Errungenschaften? Dank moderner Fortbewegungsmittel können wir uns in wenigen Stunden von A nach B bewegen, wir kommunizieren mit der ganzen Welt - beinahe zum Nulltarif. Der Preis für diese Entwicklungen ist dennoch hoch: Unser Leben hat sich auf unmenschliche Weise beschleunigt, der Stress hat erheblich zugenommen und wir sind längst vollkommen abhängig von der Technik. Ein Fortschritt?

Wird die Menschheit klüger?

Sind wir wirklich so viel intelligenter als unsere Vorfahren, die Neandertaler? Es kommt wohl sehr darauf an, wie man Intelligenz definiert. Denn wir haben in genau dem Zeitraum, seit der IQ vor 110 Jahren zum ersten Mal gemessen wurde, so viel Schaden auf unserem Planeten angerichtet, wie niemals zuvor. Wir reizen alles Machbare aus - ob Atomkraft, Gentechnologie oder Informationstechnik. Und hinter der Fortschrittspropaganda steht selten „Klugheit“, sondern allzu oft nur das Profitstreben einiger weniger, die ihre Errungenschaften angeblich „zum Wohle der Menschheit“ verkaufen wollen. Gerade durch diese Art von Fortschritt haben unsere Chancen, katastrophal zu scheitern, eher zu- als abgenommen.

Und könnte echter Fortschritt nicht einfach darin bestehen, dass wir endlich lernen, liebevoller mit unseren Mitmenschen und der Natur umzugehen?