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Osterbrunnen 2014, Biberbach (Detail)
Osterbrunnen 2014, Biberbach (Detail)Foto-Quelle: Christine Kammerer

Fränkische Osterbrunnen: Welche Bräuche kennen Sie rund um Ostern?

Christine Kammerer
Beitrag von Christine Kammerer

Überall in Deutschland wird gerade zu traditionellen Festen wie Ostern altes Brauchtum gepflegt. Auch in Franken gehören viele Gepflogenheiten ganz selbstverständlich zum Jahreslauf, obgleich sie außerhalb der Region nur wenigen bekannt sind:



Viele kennen die Fränkische Schweiz als eine der landschaftlich reizvollsten Regionen Deutschlands. Sanfte grüne Hügel wechseln sich ab mit rauen Felsen und auf beinahe jedem von ihnen thront eine alte Ritterburg oder eine wildromantische Ruine erhaben über dem Land. Überall locken gastliche Wirtshäuser zu sagenhaft günstigen Preisen mit köstlichen Spezialitäten und die Anzahl der Brauereien ist so hoch wie nirgendwo sonst auf der Welt.

Zur Osterzeit ist die Fränkische Schweiz noch um eine einzigartige Tradition reicher: Viele Dörfer schmücken ihre Brunnen kurz vor dem Fest in liebevoller Kleinarbeit festlich mit handbemalten Eiern und bunten Fichtengirlanden.

Wasser – Quell des Lebens
Wasser war in der kargen Hochebene des Fränkischen Jura ein wertvolles Gut. Die natürlichen Sammelstellen lagen am Grund der Täler und so schleppten die Menschen das kostbare Nass unter großen Mühen aus den Niederungen auf die Berge und Hügel. Für die Bewohner der höher gelegenen Dörfer war es eine spürbare Erleichterung, als schließlich um die Jahrhundertwende zum 20. Jh. hin nach und nach auch auf den Anhöhen Brunnen gebaut wurden. Mancherorts mussten bis zu hundert Meter tiefe Stollen gegraben werden, um an das Grundwasser zu gelangen. Die Brunnenanlagen, die so entstanden, wurden sorgsam gehegt und gepflegt, denn sie waren die Grundlage für das Überleben von Mensch und Tier und der Mittelpunkt des gesamten Dorflebens.

Eier - Symbol der Fruchtbarkeit

In harten Wintern mussten die Dorfbewohner in Franken nicht selten bis Ostern warten, bis der lebensspendende Quell wieder zu sprudeln begann. Dankbar begrüßten sie mit dem Frühling das Ende der dunklen und kalten Jahreszeit und zur Feier der Wiedereinkehr des Lebens im Dorf schmückten sie ihre Brunnen mit einem gebräuchlichen Symbol der Fruchtbarkeit: den Eiern. So entstand die Tradition der Osterbrunnen, die in Franken seit mehr als 100 Jahren gepflegt wird.

Das "Putzen" der Osterbrunnen

Die Dorfbewohner sammeln meist schon über das Jahr die ausgeblasenen Eierschalen von Gänsen, Enten und Hühnern, bemalen sie in unzähligen Arbeitsstunden feinsäuberlich und verzieren sie mit fantasievollen Ornamenten. Die Ostereier – rund 2.000 Stück pro Osterbrunnen - werden aufgefädelt und mit Fichtenzweigen zu Girlanden gebunden, um den Brunnenaufbau gewunden oder zu großen Kronen über dem Brunnen geflochten. Vielfach werden auch echte Blumen und Büschel aus bunten Papierbändern eingewebt, die aussehen wie Pinsel und daher im Fränkischen „Pensala“ genannt werden.

Jedes Dorf hat dabei seine ganz eigenen, charakteristischen Eigenheiten beim Schmücken der Osterbrunnen: während die einen den schlichten fränkischen Landesfarben rot und weiß den Vorzug geben, marmorieren andere die Eier oder verzieren sie mit kunstvollen Motiven auf weißem Grund. Geschmückt wird in der Zeit vor dem Karfreitag, die liebevoll dekorierten Osterbrunnen können dann noch zwei Wochen nach dem Fest beim „Brunnenschauen“ bewundert werden.

Wir würden uns freuen, wenn auch Sie uns von den Eigenheiten, Sitten und Gebräuchen rund um das Oster-Fest in Ihrer Region mehr erzählen würden.