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Erst Star, dann Hartz IV - und dann?

Erst Star, dann Hartz IV - und dann?

Sonja Bissbort
25.04.2014, 15:11 Uhr
Beitrag von Sonja Bissbort

Als "Der Bastian" eroberte Horst Janson sein Publikum. Er verdiente mit der Rolle viel Geld, eigentlich genug für ein ganzes und gutes Leben. Er wurde zum Star - und mittellos. Schulden im hohen 6-stelligen Bereich führten zur offiziellen Bankrotterklärung vor dem Amtsgericht in München. Als es zum öffentlichen Ende des Starlebens kam, lebten die Jansons schon zehn Jahre am Existenzminimum. Die ganze Familie litt, eine der Töchter wurde magersüchtig.

Horst Janson ist nur ein Beispiel für den Fall von ganz oben.


Es traf Hera Lind, die mit ihren Büchern erst Millionen verdiente und dann wieder verlor, weil sie sie - wie so viele andere Menschen - in Immobilien investierte, die sie ruinierten.

Man verdient viel in der Show- und Sportbranche. Als Promi lebt man ein Leben, von dem viele nur träumen können. Geld und rote Teppiche, Glamour- und Glitzerwelt, Einladungen zu besonderen Events und Promi-Boni schützen jedoch niemanden vor Fehlern und auch nicht vor falschen Freunden oder Ratgebern. Wohl im Gegenteil. Scheinbar losgelöst von den normalen Problemen und Sorgen des Alltags der meisten Menschen, entsteht ein Kokon, in dem man sich sicher fühlt. Oft zu sicher.

Das Erwachen aus dem Leben auf der Überholspur bedeutet meist nicht nur finanzielle Sorgen oder gar den Ruin, sondern auch das soziale Aus. Eine "Pleite" nimmt sich in der Welt der Stars und Sterne wahrscheinlich noch drastischer und dramatischer aus. Noch schneller als in anderen gesellschaftlichen Welten trennen sich dann wahre und falsche Freunde. Manche helfen, die meisten ziehen sich wortlos vor den Schuldenbergen zurück.

Der Weg zurück gelingt nur wenigen. Ingrid Steeger z.B. hat nach dem Leben mit Hartz IV eine neue Chance bekommen, Hera Lind konnte sich ebenfalls wieder etablieren. Andere schaffen es nicht mehr, sie leben von wenig Geld und dem Essen bei der Armentafel.

Erst Millionen und dann keinen Cent mehr?

Franz Trojan, Gründungsmitglied der Spider-Murphy-Gang, war Multimillionär. "Skandal im Sperrbezirk" und andere Hits machten ihn reich. Danach kamen Sex, Drugs, Rock'n'Roll, Obdachlosenheim, Wohnwagen, 60 Euro die Woche. Ein Neustart, der Weg aus Hartz IV in eine zweite Chance ist nicht nur eine Frage des Glücks. Es gehört viel Mut und Tatkraft dazu, sich der Wahrheit zu stellen und nach den Gefühlen der Scham und nach Einsicht in Fehlentscheidungen die Ärmel wieder hoch zu krempeln. Da geht es Pleite-Promis nicht anders als jedem von uns, dessen Leben in eine Schieflage gerät. Hilfe in jedweder Form von Freunden, Angehörigen, staatlichen Stellen oder Geschäftspartnern ist wichtig und ein erster Schritt. Danach ist jeder selbst gefordert, vor allem das Vertrauen in sich.

Charlie Chaplin hat es vorgemacht.


Chaplins Leben war ein stetes Auf und Ab. Von Kindheit an bis ins hohe Alter. Es gab riesige Erfolge und gigantische Tiefschläge. Er ist immer wieder aufgestanden. Offensichtlich nach dem Motto:

Ich habe es einmal geschafft, also schaffe ich es wieder. Wenn nicht heute, dann morgen.

Ich glaube, das ist die wichtigste Erkenntnis im Leben. Ob man nun ein Star ist oder war oder einfach nur ein ganz normaler Mensch und Held des Lebens.

17 Kommentare

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Hi Sonja, das Leben ist immer das Gleich, es kommt darauf an wie man es sich vorstellt und wie man es umsetzt. Ganz egal, was ich einmal war, oder haben werde, wirklich Leben funktioniert nur in der der Gegenwart, und die ist immer sehr kurz.LG
  • 25.04.2014, 23:48 Uhr
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Guter Beitrag, danke. Vor allem erkennen Viele zu spaet die Schieflage. Sie lassen nicht los und hoffen, es geht doch wieder aufwaerts, was aber leider nicht der Fall ist.
  • 25.04.2014, 22:01 Uhr
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Der Artikel zeigt dass es wirklich jeden treffen kann. Der Weg in Harz IV geht schnell aber der Weg heraus ist sehr beschwerlich.Da darf man sich nicht zu schade sein jede Hilfe anzunehmen .Dazu braucht man ein dickes Fell,dass sich nicht jeder zu legen kann.
  • 23.04.2014, 18:49 Uhr
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Wenn ich ehrlich bin, habe ich mit den Pleitepromis, die ihren Hals nicht voll genug kriegen konnten und nach der Wende in Abrisshäuser investiert haben, so gar kein Mitleid. Ich fühle mit den Menschen die durch Firmenpleiten, schwere gesundheitliche oder andere Schicksalschläge in eine Lebensschieflage geraten, da helfe ich gerne beim aufrichten. Meist sind die auch bereit selber etwas zu tun um aus der Misere zu kommen. Ein aktuelles Beispiel von Promisucht ist ja wohl zur Zeit Boris Becker. Er lebt immer noch in Saus und Braus und hat kein Geld mehr. Da hält sich mein Mitleid wirklich in ganz ganz engen Grenzen.
  • 23.04.2014, 18:30 Uhr
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Danke für den Beitrag. Vor allem die letzten drei Sätze kann ich nur unterstreichen. Ich kenne das aus dem Sport. So lange ich an mich selbst glaube und weiß, dass ich es schon einmal geschafft habe mich selbst zu aktivieren und motivieren schaffe ich das auch noch ein mal oder ein weiteres Mal.
Anders sieht es sicherlich bei Menschen aus, die dieses persönliche Erfolgserlebnis noch nicht "erringen" konnten.
Hab auch einen solchen Fall in der Familie und coache so gut es geht. Mitunter wird es natürlich als nervig empfunden, aber ich kann da hartnäckig sein.
Und genau dann sind Familie und Freunde gefragt und hoffentlich an der Seite der Betroffenen.
  • 23.04.2014, 18:28 Uhr
Christian, das sind möglicherweise Auswüchse von solchen Situationen. Müssen aber nicht zwangsläufig sein.
Klar trennt sich dann die Spreu vom Weizen, ist in anderen Situationen sicher ähnlich. Bei mir ist es meine Nichte. Die steht noch am Anfang ihres Berufslebens. Die Ansprüche sind da doch etwas anders als von Dir geschildert. Und die Familie ist da ganz wichtig. Wenn nicht die, wer dann?
  • 23.04.2014, 19:33 Uhr
Christian, das ist jetzt hoffentlich nur eine Frustformulierung, Deine beiden letzten Sätze.
Ist denn ein Ortswechsel unter diesen Voraussetzungen möglich?
Ich lebe inzwischen in Oberösterreich und hier werden handwerklich begabte Menschen händeringend gesucht. Hier ist die niedrigste Arbeitlosenquote von ganz Europa.
  • 23.04.2014, 20:10 Uhr
Hallo Christian, ich weiß genau wie du dich fühlst, denn mein Mann und ich machen das auch gerade durch. Mein Mann ist Hartz 4 Empfänger und ich bekomme eine Erwerbsminderungsrente von der bezahle ich Miete und den Unterhalt für meinen Mann, Strom und Nahrungsmittel. Wir haben kein Auto mehr und wohnen im Dorf wo gerade am Wochenende kein Bus verkehrt. Natürlich haben wir Hilfe vom Anwalt, der will auch sein Geld haben und die Familie hat sich komplett von uns abgewandt. Meine eigenen Kinder stehen Gott sei Dank zu uns, aber die haben auch wenig Geld sie sind aber für uns da. Freunde haben wir keine schon allein deshalb weil wir im Schichtdienst gearbeitet haben.
Wir fühlen uns ausgegrenzt, weil wir nicht am Gesellschaftsleben teilnehmen können. Wir sind zu zeit und halten uns gegenseitig über Wasser, mal geht es gut, mal nicht. Und das öfters.
  • 23.04.2014, 23:26 Uhr
Wir sind beide wegen Krankheit in diese Lage geraten
  • 23.04.2014, 23:28 Uhr
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Horst Janson oder Hera Lind sind natürlich dramatische Beispiele. Dabei darf man aber nicht übersehen, dass für jeden, der in Hartz IV abstürzt, die Dramatik mindestens genauso groß ist. Besonders dann, wenn es Ältere trifft. Deren Chance, da wieder raus zu kommen, sind ungleich kleiner.
  • 23.04.2014, 18:26 Uhr
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Vielen Dank, für diesen hervorragenden und gut recherchierten Beitrag. Der für viele unvermeintliche Schritt in Hartz IV, bedeutet oft das Ende, jeglicher sozialer Kontakte - und, es kann wirklich jeden treffen. Auf einem Symposium, der BA in Hamburg, im November 2013, äußerten Vetreter aus Nürnberg: In wenigen Jahren, stehen fast alle Arbeitnehmer vor einer Harzt IV Situation, glücklicherweise, ist es in der Bevölkerung noch nicht angekommen.
  • 23.04.2014, 17:44 Uhr
Sonja Bissbort
Hartz IV ist wie ein Stempel. Vielleicht war das Konzept mal zum Guten der Menschen entwickelt, aber viel wichtiger ist m.E., dass unsere Politiker Lösungskonzepte erarbeiten, die Arbeiten wieder lohnenswert macht und Menschen aus der Verarmung heraus führt bzw. die Verarmung verhindert. Solche Symposien haben ja leider oft viel zu viel Realitätsnähe und beschreiben Szenarien, die kurz vor der Tür stehen.
  • 24.04.2014, 12:12 Uhr
Absolut, bei Hartz IV stehen unsere Politiker in der Pflicht, sozial verträgliche und gerechte Lösungen zu erarbeiten. Leider wird vermehrt an Reformen gearbeitet, welche die Situation eher verschlechtern. Es fehlt nach wie vor an Transparenz, so bleibt auch Hartz IV in den Medien und bei Nichtbetroffenen, ein negatives Tabu-Thema.
  • 24.04.2014, 16:16 Uhr
Sonja Bissbort
Ich staune oft nur noch, womit sich Politik beschäftigt. Eine Stilblüte aus der derzeitigen Europa-Wahl: Die Grünen hier in S haben sich offensichtlich intensivste mit der Frage beschäftigt, Eier zu verteilen an Ostern. Wesentlich war dabei, ob die 300 Eier grün gefärbt sein sollen. Das Ganze, welche Partei auch immer es inszeniert, erinnert mich sehr an an das alte Rom und das Konzept Brot und Spiele. Rom hat die Orientierungslosigkeit und Ideenlosigkeit für eine echte Zukunft nicht überlebt.
  • 24.04.2014, 17:04 Uhr
Sonja
  • 24.04.2014, 20:57 Uhr
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