Stonehenge, die bereits in der Jungsteinzeit (vermutlich ca. um 8000 v. Chr. ...
Stonehenge, die bereits in der Jungsteinzeit (vermutlich ca. um 8000 v. Chr.) errichtete Anlage gehört seit 1986 zum WeltkulturerbeFoto-Quelle: © David Ball: 2009 www.davidball.net

Ein Denkmal im Diesseits – Unsterblichkeit durch Wirken?

Christine Kammerer
Beitrag von Christine Kammerer

Die Kultur der Denkmäler ist beinahe so alt wie die Menschheit. Zu allen Zeiten fürchteten die Menschen den Tod und sehnten sich nach Unsterblichkeit. Die einen trösteten sich mit der Hoffnung auf ein ewiges Leben nach dem Tode, die anderen wollten sich darauf nicht verlassen und schufen bereits im Diesseits ein grandioses Denkmal.

Pyramiden – im kollektiven Gedächtnis verankert
Bereits in der Steinzeit wurden Megalithen und Hügelgräber errichtet, um die Erinnerung an die Toten zu bewahren. Die Steinkegel waren die Vorläufer der ersten pyramidenförmigen Denkmäler, die seit rund 5.000 Jahren verbreitet sind. Die Ägypter verfeinerten die Kunst des Pyramidenbaus mit beinahe manischer Besessenheit und schufen ohne Rücksicht auf Menschenleben überdimensionale architektonische Artefakte. Gleichzeitig erbauten fast zur gleichen Zeit auch andere Volksstämme weit entfernt davon und ohne dass sie voneinander Kenntnis besaßen - zum Beispiel in Zentralamerika und später auch in China - gewaltige steinerne Monumente, um ihren Herrschern Unsterblichkeit zu verleihen.

Die antiken Baumeister haben ihr Ziel erreicht: Die Pyramiden sind anerkannter Teil unseres Weltkulturerbes und ein unauslöschlicher Bestandteil des kollektiven Gedächtnisses der Menschheit. Doch sind es wirklich die Menschen, die sich mit einem bombastischen Steinhaufen für alle Zeiten Gottgleich verewigen wollten, an die wir uns erinnern? Oder nur ihre beeindruckenden Denkmäler?

Wie die Kunst vergängliches Leben verewigt
Neben dem Baudenkmal boten auch die Bildhauerei, die Malerei und schriftstellerische Werke viele Möglichkeiten, um zu Lebzeiten schon an der eigenen Unsterblichkeit zu arbeiten. Unsterblich wurden nicht nur die in Stein gehauenen, auf Leinwand gebannten oder wortreich gepriesenen Helden wie Herkules und Odysseus, sondern auch die Urheber dieser Epen, zum Beispiel Homer. Mit der historischen Wahrheit nahmen es die Schreiberlinge dabei nicht so genau. Es ging schließlich nicht um die Fakten, sondern darum, Ruhm und Ehre der Kaiser und Könige und deren Überlegenheit über alle anderen heraus zu stellen.

Rhetorisch gewandte Schriftsteller wie Cicero legten den Politikern ihrer Zeit gekonnt gewichtige Worte in den Mund. Sie beeindruckten damit nicht nur ihre eigenen Zeitgenossen, sondern formten unsere Vorstellung von den alten Römern bis heute. Auch die Geschichtsschreibung war seit jeher ein Werkzeug, das besonders denen zu Gute kam, die nach Unsterblichkeit strebten. Unter dem Schein der Objektivität zeichneten die Schreibkundigen ein glorreiches Bild ihrer Auftraggeber für die Nachwelt.

Woher rührt der Drang, sich ein Denkmal im Diesseits zu setzen?
Warum betreiben Menschen so viel Aufwand, um das Andenken an die eigene Person wachzuhalten – am besten bis in alle Ewigkeit? Es scheint, dass sie ihrem eigenen Leben zu viel oder aber zu wenig Bedeutung beimessen:

Zu viel, weil keiner ohne seine Mitmenschen so Großes bewirken kann, dass er alleine für sich ein Denkmal der Unsterblichkeit verdient und weil ihr Lebenswerk nur allzu oft ebenso großes Elend über viele andere gebracht hat. Zu wenig, weil den bedauernswerten Geschöpfen, die sich nach einer Verewigung im Diesseits sehnen, offenkundig die Wertschätzung und Anerkennung, die sie zu Lebzeiten erhielten, nicht genügt hat und sie deswegen auf eine Zugabe nach ihrem Tode hoffen.

Oder ist es am Ende nur die die Angst, dass das eigene Leben sang- und klanglos vergehen und für niemanden mehr von Bedeutung sein könnte, dass der eigene Name in Vergessenheit gerät und alles, was man jemals im Leben bewirkt hat, nichtig ist?