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Erst Nazis, dann Stasi - Was war das für ein Leben zwischen 1930 und 1990 im ...

Erst Nazis, dann Stasi - Was war das für ein Leben zwischen 1930 und 1990 im Osten Deutschlands?

Thomas Bily
04.05.2014, 16:52 Uhr
Beitrag von Thomas Bily

Vor kurzem haben wir in Berlin innerhalb von 24 Stunden erst die Topographie des Nazi Terrors und dann das Stasi Gefängnis in Hohenschönhausen besucht. Mir ging dabei - wie immer bei Besuchen solcher Gedenkstätten - die Frage durch den Kopf, wie Menschen zu solchen Taten fähig sein können. Und es bewegt mich die Vorstellung, wie das Leben eines Ostberliners bzw. Ostdeutschen im Allgemeinen war: Angenommen man wurde 1925 geboren. Dann erlebte man ab den Jahren, in denen man anfängt bewusst wahrzunehmen und zu erinnern, erst einmal rund 15 Jahre Nazi-Terror, der dann übergangslos abgelöst wurde durch rund 45 Jahre Stasi-Joch. Heute wäre man fast 90 Jahre und blickte auf ein Leben zurück, das 60 Jahre lang - also 2/3 - in Unfreiheit ablief.

Ehemalige Häftlinge führen durch Gedenkstätte Hohenschönhausen

Dieter Drewitz führte uns durch das Stasi Gefängnis in Hohenschönhausen und erzählte von den Arbeits- und Foltermethoden der Stasi. Den Zuhörern waren Schock und Ungläubigkeit zugleich ins Gesicht geschrieben. Erst gegen Ende fanden ein paar Leute Mut und Worte für Fragen. Davor waren sie sichtlich damit beschäftigt, das Gehörte zu verdauen und einigermaßen einzuordnen.
Meine Frage, wie man Menschen für solche "Arbeit" gefunden hat, beantwortet Drewitz so: Man konnte sich bei der Stasi nicht bewerben, man wurde auserkoren. Und die nahmen nur die Besten und die 100%-igen. Und er wies darauf hin, dass auch heute noch Menschen manipuliert würden für vergleichbare Aufgaben.

Drewitz hat seine Erfahrungen aufgeschrieben in einem Buch mit dem Titel "Kennwort Alpenveilchen". Aber am besten ist, Sie lassen sich das alles persönlich erzählen. Sonst glaubt man gar nicht, dass sowas möglich war.

Meine zweite Frage, wie Menschen ihr Leben im Osten zwischen 1930 und 1990 im Rückblick bewerten, konnte mir bis dato keiner beantworten. Vielleicht find ich ein gutes Buch dazu.

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20 Kommentare

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Eine Dokumentation über die Zersetzungsarbeit hat mich hierher getrieben. Vieles was ich dort erfuhr, lies mich so manches am eigenen Leben wiedererkennen...
SB ist ein sehr umfangreiches Forum. Ich wollte wissen ob ich hier etwas finde was mir Zuversicht gibt.

Nur selten lese ich einen Beitrag mit Kommentaren bis zum Ende, um alles besser einzuordnen.
Ab heute werde ich kochen lernen und alles über Botanik studieren...
Danke für diesen Beitrag in seiner Gesamtheit
  • 31.08.2014, 11:21 Uhr
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Thomas Bily
Das Buch gefällt mir gut. Die Hälfte der Zeit sitz ich kopfschüttelnd vor den aufgeschlagenen Seiten und halte mir vor Augen, wie krank dieses System gewesen sein muss.
  • 13.05.2014, 09:23 Uhr
Thomas, das Buch habe ich nicht gelesen, und ich tue mir das auch nicht an, weil ich von dieser Art Bücher einen nachhaltig schlechten Eindruck habe.
Oder reden wir jetzt eventuell aneinander vorbei?
Ich meine die Bücher ehemaliger DDR-Bürgerrechtler, die ich (ohne Ausnahme !) einfach nur als Volksverdummung bezeichne. Es gibt aber noch schlimmere, die ich nicht mal meiner Papiertonne zumute, weil ich mich maßlos ärgere über solch einseitigen Gedankenmüll, mit dem sich einige DDR-Bürger nachträglich selbst profilieren wollten.
Die tragen jedenfalls nicht dazu bei, die nach wie vor offenen Gräben zwischen West und Ost einzuebnen - im Gegenteil betonieren sie die immer noch vorhandenen Vorurteile auf beiden Seiten der ehemaligen Zonengrenze.
Ich habe genau das Gegenteil versucht, und die vielen Zuschriften von Lesern aus Ost und West bestätigen mir eigentlich meine gute Absicht.
Selbstverständlich gab es auch negative Kritik und gute Vorschläge für eine Überarbeitung des Buches.
  • 14.05.2014, 17:19 Uhr
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Thomas Bily
Man hat uns auch gesagt, dass um die Gedenkstätte herum immer noch einige frühere Stasi Offiziere leben, die versuchen, der Arbeit in der Gedenkstätte das Leben schwer zu machen.
Manche können es einfach nicht lassen.
  • 07.05.2014, 17:12 Uhr
Genau so schätze ich das auch ein.
Übrigens wohnt nicht sehr weit weg von mir ein SS-Standartenführer, der noch als 74jähriger Geschichtsunterricht für die 10.Klassen einer bayrischen Realschule "lebendig" mitgestalten durfte, bevor er endgültig wegen Senilität nicht mehr tragbar war.
Der darf auch heute noch als über 90jähriger sämtliche Nachbarn mit seinem Nazi-Gedöns terrorisieren und wird dafür trotz Anzeigen nicht behelligt. -
  • 14.05.2014, 17:42 Uhr
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Und wir in der Schweiz - der normale Bürger - hatten nicht viel Ahnung…erst jetzt lese ich manchmal, wie es in der damaligen DDR war...
  • 06.05.2014, 18:54 Uhr
Liebe Maria Luise,
mein Buch zu diesem Thema möchte ich dir nicht unbedingt empfehlen, weil ich nicht mehr viele Exemplare besitze.
Aber einen gut gemeinten Rat von mir:
Viele, sehr viele ehemalige DDR-Bürger haben sich nachträglich selbst zu "Helden" erklärt und in ihren Büchern Behauptungen von sich gegeben, die viele "normale" DDR-Bürger vor die Frage stellen, ob sie denn vielleicht in einer anderen DDR gelebt haben könnten.
Bedauerliche Einzelschicksale wurden so extrem verallgemeinert, dass jeder Außenstehende glauben muss, dass wir 40 Jahre lang zerlumpt, halb verhungert und Tag und Nacht in Angst vor der Stasi in Weltkriegs-Ruinen dahin vegetiert sind.
Solche "Auswüchse" konnte man aber voraussehen, und ich habe auch so etwas schonungslos zwischen amüsante DDR-Geschichten in mein Buch eingebaut.
  • 06.05.2014, 22:30 Uhr
Hubert S. danke für die Info und deiner Sicht, wie es damals war.
  • 07.05.2014, 07:46 Uhr
Was war wirklich ? Da hören wir so verschiedene Darstellungen..und oft habe ich das Gefühl, einige möchten die ehemalige DDR zurück…oder sehe ich das nur falsch von der Schweiz aus ? Guten Morgen Paul
  • 07.05.2014, 08:36 Uhr
  • 13.05.2014, 20:00 Uhr
Alternative sind freie souveräne Staaten, ohne Bevormundung Anderer. Aber dies kann keiner verstehen, der weltweit bekannte Tatsache als Propaganda bezeichnet.
Übrigens steht Deutschland seit 1945 bis zum heutigen Tag unter Besatzungsrecht, die Russen sind es die ihrerseits, seit 1992, darauf verzichten.
  • 14.05.2014, 15:45 Uhr
Auch ich bin in einer Stadt groß geworden, in der es zwei große "Sowjet"-Kasernen gab. Bin zu meiner Armeezeit mit Russen in Kontakt gekommen. Ich war auch froh, als sie abgezogen sind, aber ich konnte nicht feststellen, dass dies machthungrige böse Menschen sind. Sie haben eine andere Lebensauffassung, die nicht so hektisch geprägt ist, wie die unsere.
Russland ist nun mal der große Bär, den man nicht in die Enge treiben sollte.
Aber vielleicht hast du ja ganz andere Lebenserfahrungen gemacht ?
Übrigens, Respekt beruht immer auf Gegenseitigkeit !
Aber vielleicht solltest du dich nicht so einfach, von der einseitigen Berichterstattung unserer Medien manipulieren lassen. Hier im Internet gibt es Möglichkeiten, auch mal ander Journalisten, die von unserer "hochgelobten Pressefreiheit" aufs Abstellgleis gestellt wurden oder als Verschwörungstheoretiker denuziert wurden.
Vielleicht nimmt dir das etwas die Angst vor Russland.
  • 15.05.2014, 13:53 Uhr
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Eigentlich wollte ich mich zurück halten, damit ich nicht in Verdacht gerate, nur mein Buch zu diesem Thema anpreisen zu wollen.
Dieser Verdacht ist aber unbegründet, weil nur noch wenige Exemplare von den in München gedruckten 300 Büchern übrig sind und eine 2. Auflage nicht von mir geplant ist.
Wer sich also interessiert für die "echten" Lebensgeschichten von zwei total unterschiedlichen DDR-Bürgern mit all ihren positiven und negativen Erlebnissen, Befürchtungen und Erwartungen vor und nach der Wiedervereinigung, sollte sich vielleicht vorab Leseproben und Kritiken (aus Ost und West) zu meinem Buch schicken lassen.
Ein ironischer Vergleich beider Staaten ist übrigens auch in diesem Buch enthalten.
Nur ganz nebenbei:
Als 19jähriger wollte ich die DDR Ende der 60er Jahre verlassen - allerdings nicht aus rein politischen Gründen! -
Übrigens vermisse ich eine Gedenkstätte für die Opfern der Notstandsgesetze aus der Adenauer-Ära - auch das ist (unrühmliche) deutsche Geschichte ! -
  • 05.05.2014, 11:39 Uhr
Hallo Hubert S., wie komme ich zu den Leseproben und Kritiken? Für eine Nachricht wäre ich sehr dankbar.
Ich komme aus der ehem. DDR und bin mitunter sehr erstaunt, was so geschrieben wurde und noch wird.
Mfg, Marion
  • 06.05.2014, 20:09 Uhr
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Wenn ich solche Hetzschriften lese, frage ich mich immer, in welcher DDR ich eigentlich gelebt habe. Es muss eine Andere gewesen sein.
Meine Frage an diese ehemals Inhaftierten wäre als erstes gewesen, warum sie dort gesessen hatten. Und ich würde hinterfragen, ob das glaubhaft ist.
In Deutschland gern hochgespielte Einzelfälle zeigen keinesfalls den Alltag in der DDR.
  • 05.05.2014, 09:02 Uhr
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Thomas,
die Masse der Deutschen unter dem " Naziregime", wie später unter dem "Stasiregime" war dem Terror nicht ausgesetzt, weil sie sich dem Diktat der NSDAP und der SED unterworfen hat.
  • 04.05.2014, 18:57 Uhr
Thomas Bily
das hab ich auch nicht geschrieben und: das ist mir durchaus bewusst.
  • 04.05.2014, 19:41 Uhr
Und mal ganz ehrlich: Hätten wir uns nicht genau so unterworfen?

Wir dürfen heute die Vergangenheit von der Tribüne der Freiheit aus betrachten und begutachten.
Wir (Alten) sollten uns verpflichtet fühlen, Lehren für die Zukunft (unserer Enkel) zu ziehen.
  • 05.05.2014, 09:29 Uhr
Unterwerfen wir uns heute nicht der Diktatur der Wirtschaft?
Haben nicht Banken und Konzerne das sagen, in letzter Zeit verstärkt noch Amerikaner?
Sind unsere hochgehaltenen Fackeln der Demokratie und Freiheit nicht längst erloschen, oder glimmen nur noch?
  • 05.05.2014, 10:18 Uhr
Jörg, Du magst Recht haben.

Aber wie wäre es ohne Wohlstand, Rente, Meinungsfreiheit, Freiheit von staatl.Willkür, bezahlbarer Energie, sauberem Wasser, Internet, etc.

All das sind die Seiten- (Abfall-) Produkte der Wirtschaft, denen wir uns unterwerfen.
Abfallprodukte dieses westlich orientierten Systems.

Oder sehe ich das falsch. Ich lerne gerne
  • 05.05.2014, 11:09 Uhr
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