Gedenkstätte Hohenschönhausen
Gedenkstätte HohenschönhausenFoto-Quelle: Ralf Roletschek //commons.wikimedia.org/wiki/File:Gedenkstaette-hohenschoenhausen-rr-7.jpg

Erst Nazis, dann Stasi - Was war das für ein Leben zwischen 1930 und 1990 im Osten Deutschlands?

Thomas Bily
Beitrag von Thomas Bily

Vor kurzem haben wir in Berlin innerhalb von 24 Stunden erst die Topographie des Nazi Terrors und dann das Stasi Gefängnis in Hohenschönhausen besucht. Mir ging dabei - wie immer bei Besuchen solcher Gedenkstätten - die Frage durch den Kopf, wie Menschen zu solchen Taten fähig sein können. Und es bewegt mich die Vorstellung, wie das Leben eines Ostberliners bzw. Ostdeutschen im Allgemeinen war: Angenommen man wurde 1925 geboren. Dann erlebte man ab den Jahren, in denen man anfängt bewusst wahrzunehmen und zu erinnern, erst einmal rund 15 Jahre Nazi-Terror, der dann übergangslos abgelöst wurde durch rund 45 Jahre Stasi-Joch. Heute wäre man fast 90 Jahre und blickte auf ein Leben zurück, das 60 Jahre lang - also 2/3 - in Unfreiheit ablief.

Ehemalige Häftlinge führen durch Gedenkstätte Hohenschönhausen

Dieter Drewitz führte uns durch das Stasi Gefängnis in Hohenschönhausen und erzählte von den Arbeits- und Foltermethoden der Stasi. Den Zuhörern waren Schock und Ungläubigkeit zugleich ins Gesicht geschrieben. Erst gegen Ende fanden ein paar Leute Mut und Worte für Fragen. Davor waren sie sichtlich damit beschäftigt, das Gehörte zu verdauen und einigermaßen einzuordnen.
Meine Frage, wie man Menschen für solche "Arbeit" gefunden hat, beantwortet Drewitz so: Man konnte sich bei der Stasi nicht bewerben, man wurde auserkoren. Und die nahmen nur die Besten und die 100%-igen. Und er wies darauf hin, dass auch heute noch Menschen manipuliert würden für vergleichbare Aufgaben.

Drewitz hat seine Erfahrungen aufgeschrieben in einem Buch mit dem Titel "Kennwort Alpenveilchen". Aber am besten ist, Sie lassen sich das alles persönlich erzählen. Sonst glaubt man gar nicht, dass sowas möglich war.

Meine zweite Frage, wie Menschen ihr Leben im Osten zwischen 1930 und 1990 im Rückblick bewerten, konnte mir bis dato keiner beantworten. Vielleicht find ich ein gutes Buch dazu.

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