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ZurückgelassenFoto-Quelle: Lisa Spreckelmeyer / www.pixelio.de

Mein Wort zum Sonntag: Misshandelte Kinder

News Team
Beitrag von News Team

Die vielen Fälle von Kindesmissbrauch, die in letzter Zeit bekannt wurden, sollen uns nicht den Blick davor verstellen, dass die Misshandlung von Kindern und Säuglingen in allen Kulturen und zu allen Zeiten der Normalfall war.
Ein besonders übles, immer noch gut geheißenes Verfahren zur Ruhigstellung von Neugeborenen, war ihr Umwickeln mit festen Windeln, auch "faschen" genannt. Die Säuglinge wurden dadurch unbeweglich, was enorme negative Auswirkungen auf deren geistige und seelische Entwicklung hatte. So musste man sich nicht mehr um sie kümmern, denn die Säuglinge wurden an Haken an der Wand aufgehängt, wo sie stunden- bis tagelang in ihrem eigenen Kot liegen blieben, sich nicht kratzen und nicht bewegen konnten. Äußerten sie dennoch ihr Unbehagen, stellte man sie mit dem Einflößen von Alkohol oder frischem Mohnsaft ruhig.

Wer kümmerte sich um Neugeborene?

Rechtfertigungen für diese sadistischen Misshandlungen gab es keine, oder, wenn überhaupt, wollte man auf diese Weise den bösen Blick abwenden, denn anscheinend hatten die Menschen Angst vor ihren Säuglingen. Doch es gab noch andere Praktiken, die zum Missbrauch von Kindern geradezu einluden: Kinder wurden gleich nach der Geburt weggeben und der Obhut von Ammen übergeben, wo sie oft Vernachlässigungen ausgesetzt waren; sie wurden an andere Familien "verliehen", wo sie, wenn schon nicht sexuell missbraucht, zumindest gedemütigt und geschlagen wurden (dieser Brauch wurde in der Schweiz gesetzlich verboten - im Jahre 1977!); die übliche regelmäßige "Bestrafung" für Kinder bestand darin, sie stundenlang in dunkle Kammern einzusperren, ohne Licht, Luft, Nahrung oder Trost.
Der amerikanische Sozialwissenschaftler Lloyd deMause, der sich mit den Folgen dieser Praktiken beschäftigt hat, schreibt dazu: "Die Geschichte der Kindheit ist ein Alptraum, aus dem wir gerade erst erwachen. Je weiter wir in der Geschichte der Kindheit zurückgehen, desto unzureichender wird die Pflege der Kinder, die Fürsorge für sie, und desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder getötet, ausgesetzt, geschlagen, gequält und sexuell missbraucht wurden."

Kinderverstümmelung - eine Kulturtradition

Kinder erlebten in allen Kulturen Tod und Gewalt. Doch was wir brave Christen unseren Kindern antaten, ist noch harmlos gegenüber dem, was andere Kulturen - oft unter Berufung auf religiöse Vorschriften oder schlicht auf die "Tradition" - mit ihren Schutzbefohlenen machten. Manche Indianerkulturen pressten die Neugeborenen in Schienen, sodass deren Köpfe total verformt wurden (eine Praxis, die wir schon aus dem alten Ägypten kennen). Andere Kulturen verstümmeln die Genitalien von neugeborenen männlichen Säuglingen (in Deutschland per Gesetz erlaubt) oder von Mädchen (in Deutschland nicht explizit verboten).

Die Grausamkeit im Alltag

Wozu führen derart schreckliche frühkindliche Prägungen? Da brauchen wir nicht lange zu forschen. Wir kennen den Sadismus im Abendland nur von den Hexenprozessen und -hinrichtungen. Doch auch der Alltag war von Grausamkeit erfüllt, aber das haben wir erfolgreich verdrängt. Wir erschrecken immer wieder, wenn wir von den Gräueltaten der Nazis in den Konzentrationslagern und am Ende des Kriegs erfahren. Und als die Botschafterin von Ruanda jüngst in einem Interview gefragt wurde, worauf sie die unvorstellbare Grausamkeit bei der Hinschlachtung der Tutsi in den 1990er Jahren zurückführe, da konnte sie nur sprachlos die Schulter zucken. Dabei liegt die Erklärung auf der Hand: Wer als Kind derart traumatisch verletzt wurde - körperlich und seelisch - wie beispielsweise durch die Genitalverstümmelung von Mädchen (meist vorgenommen von den eigenen Müttern!), der kann kein mitfühlender Mensch werden. Die erlebte Grausamkeit wird weitergegeben, im Alltag, vor allem in Ausnahmesituationen.
Fazit: Je mehr Respekt wir vor Kindern entwickeln, je weniger wir sie körperlich und seelisch verstümmeln, desto eher wird es eine friedliche Welt geben.