Sonnwendfeuer
Sonnwendfeuer

Sommersonnwende – Sinnbild für Leben und Vergänglichkeit

Christine Kammerer
Beitrag von Christine Kammerer

Das Jahr hat seinen Zenit erreicht, die Tage werden wieder kürzer. Kaum hat der Sommer begonnen, befällt uns schon wieder ein wenig Wehmut über sein allmähliches Vergehen. Auch die alten Kulturen verstanden den Jahreslauf als Sinnbild für das Leben, seine Fruchtbarkeit und seine Vergänglichkeit.

Kaum steht die Natur in voller Blüte, müssen wir schon wieder Abschied nehmen. Die Zeit der Aussaat ist vorbei, es beginnt die Reife. Die Ernte steht an. Die Sonne hat ihren Höhepunkt erreicht, das Licht vergeht mit jedem Tag ein wenig mehr und auch wenn im Juli und August noch einige heiße Tage anstehen, werden wir uns zunehmend darüber bewusst, dass der Sommer langsam ausklingt und wir uns innerlich wieder auf Herbst und Winter einstellen müssen.

Sommersonnwendfeiern – Abschied und Neubeginn
Die Sommersonnwendfeiern gehörten zu den heiligsten Festen im Jahreslauf der heidnischen Kulturen. Auf den Anhöhen entzündete man große Feuer zu Ehren der Sonnengötter. Auch alles Alte, was keine Verwendung mehr fand oder das Leben nur unnötig behinderte, wanderte ins Feuer. Man verabschiedete sich dankbar von einem Lebensabschnitt und begann einen neuen.

Zeit der Reife

Vielerorts wurden brennende Sonnenräder über Hügel und Hänge hinab gerollt und Fackeln geschwungen. Der Kreis galt als Sinnbild für den ewigen Zyklus und die Drehung des Schicksals-Rades. Der Sprung durch die Feuerwand in der kürzesten Nacht des Jahres galt in vielen Regionen als Reinigungsritual. War er besonders hoch, durfte man auf eine gute Ernte hoffen. Paaren, die sich dabei fest an den Händen hielten, bescherte er dauerhafte Liebe. Die Asche der Feuer wurde auf die Felder gestreut, um sie fruchtbar machen. Und da die größte Sorge der Bauern zur Zeit der Sonnwende der bevorstehenden Ernte galt, schrieb man dem Feuer auch die Kraft zu, jene Gefahren abzuwenden, die die Felder am meisten bedrohten, wie zum Beispiel Hagelschlag.

Heilkraft der Johanniskräuter
Die Sommersonnwende galt auch als Zeit der Reife und der Heilung. Die Heilkraft der Johanniskräuter (u. a. Johanniskraut, Marguerite, Arnika, Kamille, Klette und Königskerze, auch „Sonnwendblume“ genannt) soll an Johanni angeblich am Größten sein. Beim Sprung durch das Feuer trug man den „Sonnwendgürtel“ - ein Gewinde aus Beifuß, das anschließend in die Flammen geworfen wurde, um im kommenden Jahr Unheil und Krankheiten abzuwehren.

Glühwürmchen als Glücksboten
Die als besonders gesund geltenden Johannisbeeren erreichen ihre Reife zur Zeit der Sommersonnwende und auch die Glühwürmchen beginnen zu schwärmen und entfalten ihre Leuchtkraft. Das geheimnisvolle Licht der Johanniskäfer, die mancherorts auch als Seelen der Verstorbenen angesehen wurden, wurde als gutes Omen für die Ernte gewertet, denn es erstrahlt nur bei anhaltend schönem Wetter.