Ridley Scott wikipedia
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Larger than life - Ridley Scott verfilmt nach Moses vielleicht auch König David

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Larger than life - Ridley Scott mag es gern übermenschlich. Monumental sind seine Filme und ihre Gestalten, immer viel größer als wir Normalwichte. Das ist geradezu der Traumpfad hinaus aus der Begrenztheit unseres Daseins. Der Besuch im Kino weitet auf ein Weilchen unser Herz und unseren Kopf. Die Bilder packen uns und lassen uns nicht so bald wieder los.

Das war schon so beim vielgeliebten "Thelma und Louise", dem Film über die gründliche Befreiung zweier Freundinnnen aus eigentlich kleinem Vorortdasein. Dieser hatte zwar auch starke komödiantische Züge, jedoch aber auch Monumentalität. So, als färbte die gewaltige amerikanische Wüstenlandschaft auf die Heldinnen und ihre Entscheidungen ab.

Scotts männliche Helden sind gesprungener, wie Risse auf der Leinwand eines alten Ölporträts. Sie sind auch Gefangene ihrer Rolle, ihres Ehrgeizes, des Systems. Scott stellt dies aber nur bedingt in Frage, ihm geht es um den großen Stoff, die große Tragik, die große Ästhetik auch.

So lockt er auch große Stars vor die Kamera und uns mit diesen ins Kino. So gab Gerard Depardieu den ehrgeizigen, scheiternden Welteroberer Kolumbus in "Conquest of Paradise". Diese heldenhafte Darstellung war genauso umstritten wie der Militär- und Action-Film "Die Akte Jane" mit Demi Moore. Sie spielt darin eine Soldatin, die es sich und den Männern zeigen will und die superharte Ausbildung zu den US-Eliteeinsatztruppen Navy Seals schafft. Sie bewährt sich später auch im Gefecht, als sie heldenhafter als jeder Mann auch noch ihren Ausbilder retten kann. Eine Affinität zur Gewalt bzw. Tendenz zu ihrer Verherrlichung haftet Scott seither an.

Mit "Gladiator" warf Ridley Scott sich auf einen Stoff aus dem antiken Rom. Moderne und zu dieser Zeit modernste Computereffekte machten das alte Muster des zur Kampfmaschine degradierten Menschen, des Gladiators, wieder aufregend neu. Ähnlich gut gelang es, den Stoff der Kreuzzüge neu auszugestalten: Königreich der Himmel. Die Story war hingegen alt, ein junger Mann befreit sich durch seinen Zug ins Heilige Land und macht dort Erfahrungen, ein bisschen auch sein flüchtiges Glück. Aber die Effekte speziell um die Belagerung von Jerusalem waren phänomenal.

Als alter Mann wendet sich Scott nun den riesigen biblischen Helden zu. Im Winter, in den Weihnachtsferien, werden wir vielleicht sogar Schlange stehen für sein Epos "Exodus", mit der Zentralgestalt des Mose. Das Meer wird sich teilen, und Moses wird sein Volk, Gottes erwähltes Volk, in seine wahre Heimat führen. Es ist zu hoffen, dass der Stoff bis dahin nicht durch eine Eskalation des Streites zwischen Israelis und Palästinensern an traurigster Realität gewinnt. Die Story spielt besser weit weg, in einem fernen Land, von dem die westlichen Menschen immer mehr geträumt haben als dass sie wirklich dort waren. Auch heute können westliche Kunden das Heilige Land, in das sie mit Pilger- oder Reisegruppen fliegen, meist sehr gut trennen von dem Staat Israel und den stets rundum oder in Jerusalem selbst stets wieder neu aufflackernden kriegerischen Aktionen. Wenn uns die Realität nicht bös einholt, werden wir Exodus vielleicht mögen und uns ganz sicher mit hineinnehmen lassen in große und gefährliche Welt des pharaonischen Ägypten, aus der Moses mit seinen Leuten ausbricht und aufbricht in die neue, bessere Welt. Ein Meister seines Fachs weiß sogar die Wirkung seiner Effekte auf ein multikulturelles Weltpublikum zu kalkulieren: Menschen mit christlicher, aber auch jüdischer und sogar muslimischer Prägung finden sich in diesem Kosmos genauso wieder wie Technik- und Action-Fans.

Der nächste Superheld und gewaltige Stoff aus der Traumfabrik von Ridley Scott steht auch bereits fest. Der Regisseur soll nach Exodus sich dem Leben von König David widmen. Auch dieses Epos wird der Meister, sollte er den Auftrag übernehmen, breit inszenieren: groß, riesengroß, larger than life.