meine Urgroßeltern
meine UrgroßelternFoto-Quelle: E. Lengert

Den Ahnen auf der Spur – Wie fange ich an?

Beitrag von wize.life-Nutzer

Erste Spurensuche!


Ja, wo fängt man an, wenn man seine Vorfahren und ihre Geschichte erforschen will? Natürlich bei sich selbst!

Man selbst ist der sogenannte Proband
Die Nr. 1
Im wahrsten Sinne des Wortes, denn es gibt ein Nummerierungssystem für Vorfahren (die Kekule-Nummern), das sich bewährt hat, und durch die man, anhand der Zahl, die einer Person zugeordnet sieht, ist sie männlich, ist sie weiblich, welcher Generation gehört sie an, ist es väterlicherseits oder mütterlicherseits und wieviele Vorfahren hat man denn eigentlich in besagter Generation. Das nur am Rande, denn dazu gibt es den Extra-Beitrag: Vorfahren benennen, zählen und ordnen

Wie gesagt, man fängt an mit sich selbst!
Da man ja auch alles aufschreiben will, beginnt man seine eigenen Daten zu dokumentieren. Als da wären, Geburtsname, Geburtsdaten, -ort

Ist oder war man verheiratet, hat Kinder, dann folgen,Heiratsdaten und die Daten der Kinder. Anschließend folgen die Daten der eigenen Eltern Geburtsdaten, Heiratsdaten, gegebenenfalls die Sterbedaten. Man nimmt auch die Geschwister mit auf, sofern vorhanden. Sowie deren Ehepartner und die Nichten und Neffen.

Dann das Gleiche für die Großeltern: Geburts-, Heirats-, und Sterbedaten. Namen und Daten aller Kinder, also der eigenen Onkeln und Tanten, mit Ehepartnern und deren Daten. Wer mag nimmt die Cousins und Cousinen direkt mit auf. Ich kann es nur empfehlen.
Bis hier hin reicht zumeist das eigene Gedächtnis, aber nicht immer.

Nochmal: Zu jeder Person gehören folgende Daten, die man, wenn sie einem bekannt sind oder bekannt werden dokumentiert, das sind:

  • Geburtsdatum, Geburtsort, zuständige Pfarrei
  • Heiratsdatum, Heiratsort, zuständige Pfarrei
  • Sterbedatum, Sterbeort, zuständige Pfarrei

Zusätzlich ist es von großen Vorteil folgendes mitzudokumentieren:

  • Name des Ehepartners, mit Geburts- und Sterbedaten, sowie Namen der Eltern
  • alle Kinder mit mindestens Geburtsdaten, besser noch auch Heirats- und Sterbedaten
  • sowie Name des Ehepartners der Kinder mit sämtlichen Daten, sowie Namen der Eltern des Ehepartners

Es scheint euch eventuell überflüssig und manche denken, was brauche ich alle Kinder meiner Ururgroßeltern, oder weiterer Generationen, und dann auch noch deren Ehepartner, mir reicht das eine Kind, wovon ich abstamme, aber für viele Forschungen kann es wichtig sein. Hin und wieder trifft man auf ein Geschwister der eigenen Vorfahren und dort findet man wichtige Daten und Hinweise auf die gemeinsamen Eltern, die man so nie bekommen würde.

Wichtig! Immer den Geburtsnamen aufnehmen, nicht den Ehenamen. In der Genealogie ist es üblich nur die Geburtsnamen zu verwenden. Beispiel: Johann Müller ist verheiratet mit Katharina Meier (nicht Katharina Müller, geb. Meier)

Wichtig: Bitte zu jeder Person, gegebenenfalls zu jedem Datum die Quelle mit notieren.

Mündliche Überlieferungen


Jetzt ist es an der Zeit, andere Personen zu befragen.
Zuerst die eigenen Eltern, die dann auch Angaben zu den Großeltern vervollständigen können, wenn nötig.
Die Eltern dann über ihre Großeltern ausfragen und zu allen anderen Familienmitgliedern. Natürlich auch die Großeltern, Tanten, Onkel, Großtanten, wenn solche Familienmitgliedern noch leben. Sich die „Geschichten von früher“ erzählen lassen, alle Geschichten und Geschichtchen, alle Anekdoten. Alles in Schriftform übertragen. Und festhalten wer was erzählt hat. Auch immer wieder die Frage stellen, wer denn noch was wissen könnte.

Noch erhaltene Familiendokumente.


Zeitgleich alle schriftlichen Unterlagen der Familie sammeln (Kopien anfertigen, wenn jemand das Original nicht aus den Händen geben will). Das sind:

  • Geburtsurkunde
  • Trauscheine
  • Sterbeurkunden
  • Schulzeugnisse
  • Kaufverträge
  • Erbrechtssachen, Testamente
  • Zeitungsausschnitte
  • Ariernachweise
  • Militärunterlagen
  • Fotos und Videos
  • Familienbibel
  • Todesanzeigen, Totenzettel
  • sonstige Unterlagen, auf denen Daten zu Personen vorhanden sind

Alle gefundenen Daten, aus den Erzählungen und den Unterlagen nun peu a peu in die Listen eintragen. Quellenangaben nicht vergessen!
Wen man Glück hat, hat man nun schon sämtliche Namen und Daten bis zu den Ururgroßeltern. (Wenn die Großeltern oder Großtanten über ihre Großeltern Bescheid wissen, ist das ein Klacks) oder sogar noch weiter.

Die mündlichen Berichte der Verwandtschaft mit etwas Vorsicht genießen, hin und wieder wird etwas verdreht oder es wurde nur gehört oder vermutet weitergegeben. „Die Großtante ist sich sicher, dass ihr Großvater immer gedacht hat, man würde von den Hugenotten abstammen, da dessen Großmutter so einen französisch klingenden Namen hatte. Solche Legenden sind oft unhaltbar, aber sie könnten auch einen wahren Kern haben.
Oder, die Oma war nichtehelich, aber deren Mutter war doch ne zeitlang Zimmermädchen beim Konsul XY, der war bestimmt der Vater. Ohne Beweis, ohne Vaterschaftsanerkennung oder -dokumentation, kann man das mal im Hinterkopf behalten, mehr aber nicht.

Daten und Dokumente sichern.

Alle Dokumente, Fotos und Kopien in einem Ordner sammeln, mit Hinweis, zu welcher Person hier Daten vorhanden sind. Notizen aus mündlicher Erzählungen auch hier abheften. Man kann auch alles einscannen und so eine elektronische Datei dazu führen, oder beides.

Wer seine Vorfahren in schriftlicher Form sammelt und dokumentiert, legt am Besten zu jeder Person ein Personenblatt an. Personenerfassungsformular zum Runterladen und Ausdrucken.

Und zusätzlich ein 4-Generationenblatt, mit Proband, sowie Eltern, Großeltern und Urgroßeltern. 4-Generationenblatt (zum Runterladen und Ausdrucken) Wobei dann jedes Urgroßelternteil wiederum ein neues Blatt beginnt mit ihm/ihr als Proband.

Auch ein Fragebogen, die man überall mitnehmen kann, um gefundene, erzählte Daten aufzuschreiben Fragebogen zur Erfassung von Daten zum Runterladen und Ausdrucken.

Wer mag kann auch eine Genealogiesoftware nutzen. Der gibt es viel gute, kostenlose, aber auch welche, die Geld kosten. Das ist ein eigenes Thema und würde hier den Rahmen sprengen.

Das Standesamt


Nachdem man nun alle persönlichen und familiären Quellen ausgewertet und eingetragen hat, ist der nächste Weg zu den Standesämter.
Hier wird nun versucht, seine Ahnenreihe weiter in die Vergangenheit zurückzuverfolgen. Es werden nun auch die mündlichen Erzählungen auf Richtigkeit überprüft.

Standesämter gibt es im großen Teil von Deutschland erst seit 1875. Nur das linksrheinische Gebiet hat „dank“ der französischen Besatzung die Führung von Personenstandsregistern schon um 1798 eingeführt. Ein Segen für Familienforscher, die dort Vorfahren habe. Ich persönlich bin in dieser glücklichen Lage.

Gebühren und Kosten der Standesämter
Standesämter verlangen Gebühren. Für das Suchen (Stundensatz),für Kopien, für Beglaubigungen. Am Besten erfragt man die Kosten vorher um zusehen, was auf einen zukommen kann und um zu kalkulieren, was man ausgeben möchte.

Welches Standesamt ist denn nun zuständig?
Jetzt zeigt sich auch, wie genau man vorher schon dokumentieren konnte Man nimmt sich die Person oder das Paar vor, von dem man weitere Vorfahren finden möchte. Nun ist der Ort der Daten wichtig!
Von diesem Ort muss man nun herausfinden, zu welchen Standesamt er heute gehört. Denn zuständig ist jeweils das Standesamt, in dessen Zuständigkeit das Ereignis stattgefunden hat. Auskünfte von Standesämtern erhalten nur direkte Vorfahren und Nachkommen sowie andere Personen, die ein rechtliches Interesse glaubhaft machen. Das geht heutzutage in der Regel online und ist auf den entsprechenden Seiten von Gemeinden und Städten zu finden. Nun stellt man eine Anfrage nach der Kopie der entsprechenden Urkunde. Beispiel: Johann Müller und Katharina Meier haben am 1. Mai 1898 geheiratet. So kann man gezielt diese Urkunde anfordern.
Eine Heiratsurkunde ist ein Quell der Freude, es sind die Eltern der Brautleute eingetragen, hin und wieder sogar Großeltern. Natürlich kann man ein Standesamt auch suchen lassen. Gehen wir davon aus, dass wir nur wissen, dass Johann und Katharina vermutlich vor 1890 geheiratet haben (Geburt des 1. Kindes), so kann man das so angeben.

So kann man sich nach und nach Urkunden anfordern, die man für wichtig hält. Am besten nur unbeglaubigte Kopien, denn eine Beglaubigung kostet nur zusätzliche Gebühren, die nicht nötig sind. Sterbeurkunden enthalten oft den Ehepartner und die Eltern, sowie das Geburtsdatum. Geburtsurkunden auf jeden Fall die Eltern. Alles eine Kostenfrage. Und eine Zeitfrage. Auf manche Anfragen muss man viele Monate warten, da die Standesämter sehr viel zu tun haben. Hat man ein genaues Datum und Namen, kann man bei manchen Standesämter die Urkunden auch online erfragen.

Hier das Beispiel einer Sterbeurkunde

Nochmal der Rat: Eine Anfrage über die Gebühren vorab ist wichtig und sinnvoll.

Hier zeigt es sich dann auch, ob familiäre Erinnerungen und private Aufzeichnungen richtig sind. Es wird schon mal ein Jahr verwechselt, oder aus der Katharina eine Anna, oder die 2. Ehefrau die Mutter auch der Kinder der 1. Ehefrau. Der Geburtsname von Frauen wird schon mal falsch überliefert, ein Wohnort und vieles mehr.

Uropa ein Spanier? Nö!
Auch werden schon mal Dinge aus der heutigen Sicht gesehen, was aber früher etwas völlig anderes bedeutet hat. Zum Beispiel, wenn jemand erzählt der Uropa wäre „aus dem Spanischen“, so würde das in einer Urkunde stehen, der Pastor hätte es so aufgeschrieben, bedeutet KEINE Herkunft aus dem heutigen Spanien, sondern ein Teil von Deutschland (als es eigentlich noch gar nicht Deutschland war), gehörte mal zu den „Spanischen Niederlanden“. Deswegen kann es sein, dass der Pastor nur den Nachbarort meinte. Das nur am Rande, aber es zeigt auch, dass es wichtig ist, sich mit den jeweiligen Herrschaftsverhältnissen zu bestimmten Zeiten zu beschäftigen, denn da wundert es auch einen nicht, dass man zur der Zeit der napoleonischen Besatzung, eine Urkunde in französischer Sprache erhält.


Wie geht es weiter?


Kirchenbücher, Familienbücher, Mormonendatenbank, genealogische Vereine

Bevor es die Standesämter gab (natürlich auch danach) wurden die sogenannten Personenstandsfälle in den Kirchenbücher von den Pfarrern eingetragen. Aus diesen Kirchenbüchern haben Familienforscher schon viele Familienbücher erstellt, auch inklusive Standesamtsdaten. Die Mormonen haben aus religiösen Gründen viele Kirchenbücher abgetippt und auch online gestellt. Es gibt Bücher, die man kaufen kann und in Archiven einsehen. Es gibt Online-Datenbanken, unentgeltlich und entgeltlich und Es gibt Vereine, die helfen und vieles mehr.

Die Recherche und das Forschen in diesen Quellen, dass gehört schon nicht mehr zum Anfangen. Dazu später in einem anderen Beitrag mehr dazu
Und nun freue ich mich auf eure Berichte, ob und wie ihr nun euren Beginn gestaltet! Wen konnte ich auf den genealogischen Pfad locken und wer wird sich auf Spurensuche begeben? Erzählt mir von Euren Erfolgen!

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Weiterführende Links zum Lesen und Recherchieren

Themengruppe Ahnenforschung bei SB
Faszination Familienforschung

Vorfahren benennen, zählen und ordnen

Gen-WIKI

Westdeutsche Gesellschaft für Familienkunde

Verschiedene Software zur Erfassung und Verwaltung von Vorfahren

Ahnenblatt - Programm zur Ahnenforschung bzw. Genealogie für Windows (kostenlos/Freeware)

Linkliste - Genealogiesoftware