Im Außengelände des Museums
Im Außengelände des Museums

Besuch des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Dresden

Beitrag von wize.life-Nutzer

Der Besuch Dresdens, dem "Elbflorenz" mit all seinen Sehenswürdigkeiten im Rahmen einer Städtereise oder eines Urlaubs in Sachsen ist immer eine sichere Bank. Die Stadt Dresden mit ihrem Umland hat wirklich für jeden etwas zu bieten, sei es die vielfältige Kultur, die Natur, das Essen, die Getränke, die sportliche Betätigung usw. Hinzugekommen ist das Militärhistorische Museum der Bundeswehr, das über 600 Jahre deutsche Militärgeschichte, vom späten Mittelalter bis in die Gegenwart informiert. Seit es im Herbst 2011 wieder eröffnet wurde, zählt es zu den bedeutendsten Geschichtsmuseen Europas. Bei moderatem Eintrittsgeld kann man unter den Besuchern die unterschiedlichsten Alters- und Bevölkerungsgruppen beobachten. Im Gegensatz zu anderen Museen, die sich intensiv und ausschließlich der Geschichte von Kriegen widmen, steht im Mittelpunkt der Ausstellungen "der Mensch und die Frage nach den Ursachen und Folgen von Krieg und Gewalt". Gemeint ist damit der Soldat und der Zivilist, der Täter und das Opfer und auch der Betrachter. Gerade in unserer heutigen Zeit mit ihren kriegerischen Auseinandersetzungen weltweit entstand mit unzähligen Exponaten und vielen Geschichten vom und über den Krieg ein Museum mit dem Thema "Kulturgeschichte der Gewalt". Das Besondere an diesen Geschichten ist, dass sich hinter ihnen weitere Geschichten auftuen.
Schon allein die Standortwahl für dieses Militärhistorische Museum in Dresden, einer Stadt, die durch den Schrecken des letzten Krieges mit den verheerenden Luftangriffen in der Nacht vm 13. auf den 14. Februar 1945 in eine Steinwüste verwandelt wurde und deren Opfer zahlenmäßig heute immer noch nicht wirklich bekannt sind, spricht für sich. In seiner wechselvollen Geschichte entstand das Gebäude, in dem das Museum untergebracht ist, als Arsenal der Dresdner Garnison zum Lagern von Waffen und Munition in den Jahren 1873 - 1876, wurde dann 1914 zum Sächsischen Armeemuseum, 1940 bekam es den Namen Heeresmuseum und 1972 nutzte die DDR das Areal als Armeemuseum der DDR.
Der Besuch dieses Museums ist nicht einfach, ist nicht vergleichbar mit dem Besuch irgend eines Musems, wird man doch in äußerst nachdrücklicher Weise mit der Situation konfrontiert, dass im vergangenen Jahrhundert von deutschem Boden zwei Weltkriege ausgingen mit all ihren schrecklichen Folgen für Deutschland, seine Nation, seine Menschen, seine Kultur.
Das neue Museum bietet dem interessierten Besucher neben Themenparcours, Außenanlagen und Schaudepots auch Sonder- und Wanderausstellungen. Wie man es von anderen Militärmuseen kennt wird sehr umfangreich Militärtechnik, d.h. Geräte und Ausrüstung dargeboten. Nahezu unübersehbar ist die Sammlung der Handwaffen, unterteilt in Feuer-, Hieb- und Stichwaffen.
Breiten Raum nimmt die Ausstellung von Uniformen und Feldzeichen ein, die sich aber nicht nur auf deutsche sondern auch auf ausländischer Streitkräfte bezieht, insbesondere die der deutschen Bündnispartner. So erfährt man auch, dass sich hinter der Mantelbezeichnung "Trench" ein Mantel verbirgt, den die Engländer im 1. Weltkrieg speziell für den Grabenkrieg an der Westfront geschaffen haben.
Des weiteren sind Orden, also tragbare bzw. nichttragbare Auszeichnungen, Ehren- und Erinnerungsgeschenke, Zinnfiguren, Pokale und vieles andere mehr zu sehen.
Ebenfalls sehr umfangreich ist die Sammlung der Kunst in Form von Bildern, Gemälden, Plastiken, Zeichnungen und Grafiken.
Sehr eindrucksvoll ist das Bildarchiv, in dem Fotografien, Bild- und Feldpostkarten, Fotoalben, Negative und Dias zur deutschen und internationalen Militärgeschichte zu sehen sind.
Ausgestattet mit einem Guide fährt man mit dem Fahrstuhl in das 4. Obergeschoß und beginnt dort den Rundgang, in dem zu Beginn nicht nur die Bombardierung Dresdens 1945 sondern auch die Bombardierung von Rotterdam, der die Aufforderung zur Kapitulation der Niederlande vorangegangen war, geschildert wird.
Steigt man eine Etage tiefer, wird man durch den Themenparcour "Krieg und Gedächtnis" geführt.
Im 2. Obergeschoß findet man die Themenparcours Politik und Gewalt, Militär und Musik, Militär und Mode, Militär und Sprache sowie Krieg und Spiel. So ist zum Thema "Mode" In einer der Vitrinen ein Brautkleid zu sehen, das kriegsbedingt aus Fallschirmseide gefertigt wurde.
Das 1. Obergeschoß enthält das Geschehen von 1914, also der Zeit des Beginns des 1. Weltkrieges bis 1945 und der Zeit bis zum Ende des 2. Weltkrieges. Es wird von den Massakern der deutschen Soldaten an der belgischen Zivilbevölkerung berichtet, als die belgische Armee unerwartet hartnäckigen Widerstand gegen die angreifenden deutschen Truppen leistete und der Schliefenplan zu scheitern drohte. So gehört auch das Schicksal der 6. Armee unter Generalfeldmarschall Paulus, die im Kessel von Stalingrad vernichtet wurde, zu den eindrucksvollsten und sehr nachdenklich stimmenden Sonderausstellungen. Für diese Sonderausstellung wurden aus dem Museum von Wolgagrad Exponate ausgeliehen. Sehr interessant und informativ ist auch die Ausstellung über die beim Militär für unterschiedlichste Aufgaben eingesetzten Tiere. Ein weiterer Parcour erinnert an die Leiden im Kriege und die Zeit von 1945 bis heute.
Die Ausstellung im Erdgeschoß informiert über die Zeit von 1300 bis 1914, über Militär und Technologie, über Schutz und Zerstörung und die Bedrohlichkeit moderner Waffen. Alle 40 Sekunden erscheint ein Lichtblitz, der - bereits wieder erloschen - an der Wand den Schatten eines Menschen hinterläßt, der im Kriegsfall durch die atomare Wirkung schon längst zu Asche geworden und zerfallen ist..
Im Außengelände wird über die Bundeswehr und die NVA (Nationale Volksarmee der DDR) von 1955 - 1990 sowie über die Bundeswehr ab 1990 informiert.
Eine der derzeitigen Sonderausstellungen berichtet über Menschen im Krieg und ihr Schicksal während des 1. Weltkrieges, erstellt als TV-Doku-Drama von ARTE und ARD und kürzlich erst im Fernsehen gesendet.
Eine ganz aktuelle Sonderausstellung informiert über den 2013 bei Strassenarbeiten im Elsass wieder entdeckten deutschen Unterstand, dem Kilianstollen. Er wurde nahezu originalgetreu in Dresden wieder aufgebaut. Ergänzend dazu wurde das von französischen Archäologen geborgene Inventar sowie persönliche Gegenstände der in diesem durch französische Artillerie zerstörten Unterstand ums Leben gekommenen deutschen Soldaten und ihre Geschichte gezeigt und erklärt.
Eine weitere Sonderausstellung berichtet über den zivilen und militärischen Widerstand während der nationalsozialistischen Zeit, insbesondere die Geschehnisse um das von Oberst i.G. Claus Schenk Graf von Staufenberg am 20.7.1944 im "Führerhauptquartier Wolfschanze" durchgeführte Attentat auf Adolf Hitler. Sehr ausführlich eingegangen wird auch auf das Schicksal der an der Vorbereitung des Attentats beteiligten Personen und ihrer Familien.
Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr bietet sehr viele Highlights, so z.B. das 1850/51 gebaute erste deutsche Unterseeboot, den "Brandtaucher", das auch das älteste erhaltene Tauchboot der Welt ist. Auch der Landeapparat des Raumschiffes "Sojus 29" und der Raumauszug von Dr. Sigmund Jähn, der als erster Deutscher in den Weltraum flog. Zu sehen ist das älteste deutsche um 1430 gebaute Riesengeschütz mit dem Namen "Faule Magd", das ein einzigartiges Zeugnis der frühzeitlichen Artillerie darstellt.
Wer sich aus diesen vielen Ausstellungen geschichtlich das "herauspickt", was ihn interessiert, für den vergeht die Zeit wie im Fluge.
Der Besuch dieses Militärhistorischen Museums übt eine sehr nachhaltige Wirkung auf seine Besucher aus und man verläßt es nachdenklich und in gedrückter Stimmung. Man wird sich der Sinnlosigkeit kriegerischer Auseinandersetzungen und des Leides bewußt, das in jedem Krieg nicht nur auf die Soldaten, sondern auch auf die an den Kriegshandlungen nicht beteiligten Menschen kommt.
Nicht weit entfernt von diesem interessanten Museum befindet sich die Garnisonskirche, eine Simultankirche die sowohl für die protestantischen (Nutzung 2/3) als auch für die katholischen Soldaten (Nutzung 1/3) Ende des 19. Jahrhunderts erbaut wurde. Heute wird nur noch der katholische Teil kirchlich genutzt, während der protestantische Teil anderer Verwendung zugeführt wurde.

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