Das "Haus des Lebens"
Das "Haus des Lebens"Foto-Quelle: Pixelio.de

Das "Haus des Lebens"

Beitrag von wize.life-Nutzer

Immer dann, wenn es mir nicht so gut geht, führt mich mein Weg, wie selbstverständlich hinaus, vor die Tore der Stadt, auf den Kapellenberg. Friedlich und still liegt er da, inmitten unberührter Natur, der Judenfried- hof. 10000 Quadratmeter, umsäumt von einer niedrigen Mauer aus altem Stein. Über 500 Grabstätten, Zeugen des jüdischen Lebens in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland.

"Haus des Lebens" heißt der Friedhof bei den gläubigen Juden und auch mir scheint es heute noch so, als ob er lebte, dieser Ort, obwohl ihn jetzt nichts als Stille umgibt. Kein Laut ist zu hören, nur das Gezwitscher der Vögel dringt an mein Ohr. Mein Blick fällt auf die jüdisch klingenden Namen, welche ich entziffern kann, auf den halb verwitterten Steinen: Isaak Hirsch, Max Friedmann, Fanny Rosenthal, Samuel Kahn. Deportation, Ghetto, KZ...all diese schrecklichen Dinge drängen sich in meine Gedanken, lassen mich spüren, welche grausamen Schicksale all diese Menschen hatten, die hier ihre letzte Ruhe fanden. Plötzlich werden meine eigenen Sorgen ganz klein, fast nichtig, erinnere ich mich an diese Menschen, denen ein selbstbestimmtes Leben niemals möglich war.

Wann immer ich diesen Ort besuche, merke ich, hier ist nichts tot, jedesmal dringt noch ein Stück Leben in meine Welt, sei es nur in meiner Erinnerung oder das gelbe Schöllkraut, welches sich seinen Weg zwischen den Mauerritzen sucht und kraftvoll zur Sonne wächst. Für mich ist dieser Ort ein ganz besonderer, der mir Kraft gibt für mein Leben, mit all seinen kleinen Sorgen und Nöten.


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