Kloster Taxa: Das heilige Ei von Pater Abraham
Kloster Taxa: Das heilige Ei von Pater Abraham

Kloster Taxa: Das heilige Ei von Pater Abraham

Beitrag von wize.life-Nutzer

Wer in unseren Tagen die kleine Kapelle Maria Stern in Taxa besucht, kann sich schwer vorstellen, dass an dieser Stelle einmal ein Kloster gestanden hat, das jährlich 60.000 Pilger anlockte. Einer Legende nach stand am Anfang der Erfolgsgeschichte des Gnadenortes eine „geschissene Gottesgabe" – ein Hühnerei.

Im Jahr 1606 soll der Hofmarksherr von Odelzhausen in Seenot ein Gelübde abgelegt haben, dass er im Falle einer Rettung eine Kapelle zu Ehren der Muttergottes errichten wollte. Die Errettung kam zwar, doch das Gelübde hatte er zunächst vergessen. Erst als 10 Jahre später eine seiner Hennen am Ostermontag ein Ei legte, auf dem ein Marienbild im Strahlenkranz zu sehen war, wurde er an sein Versprechen erinnert und begann mit dem Bau einer Kapelle.

Gack, Gack, Gack, Gack, a ga

Der Wahrheitsgehalt dieser Geschichte darf bezweifelt werden. So wird in einer anderen Geschichte von einem zweiten Ei am Karfreitag berichtet und das Geschehen zwei Jahre später datiert. Der Hinweis, dass die Henne das Ei „auff einen nagelneuen Zigl-Stain" gelegt hätte, kann auch so gedeutet werden, dass der Bau der Kapelle bereits im Gang war und auch nicht von einem Gelübde herrührte.

Tatsächlich gab es in der Gegend von Taxa immer wieder verformte Eier, die ein sternartiges Muster aufwiesen. Den Grund dafür vermuteten Wissenschaftler in einer Erkrankung des Eierstocks oder in einem Mangel an Kalk, der bewirkte, dass Eier sich zusammenzogen.

Die neu errichtete Kapelle wurde durch das Ei-Wunder jedenfalls in kürzester Zeit populär und bald zu einer Kirche ausgebaut. Im Jahr 1660 wurde schließlich ein Kloster errichtet, in dem Brüder vom Orden der Barfüßer-Augustiner einzogen. Der berühmteste von ihnen war Pater Abraham a Sancta Clara, der in einer bilderreichen Sprache die Sonntagspredigten hielt. Später verfasste er ein eigenes Buch über Taxa und das Ei-Wunder, das den Titel „Gack, Gack, Gack, Gack, a ga" trug.

Wallfahrt zum Gnadenort

Durch das Buch von Pater Abraham dürfte sich die Wallfahrt nach Taxa noch weiter ausgebreitet haben. Die vielen Pilger brachten jedenfalls auch einen Wohlstand des Klosters, das bald über weite Ländereien und ein großes Barvermögen verfügte. Um die Kraft des Gnadenortes zu belegen wurden außerdem Mirakel-Bücher geführt, in die jede Erhörung bei Gelübden eingetragen wurde.

Besonders bei Notstand, Misswuchs, Hungersnot und Seuchen wandte man sich an den Gnadenort. Es finden sich aber auch Einträge aus dem Spanischen Erbfolgekrieg, etwa von der Bäuerin, die von Soldaten mit einem Strick so stark gedrosselt wurde, „dass ihr die Augen zum Kopf herausfallen möchten". Durch das Mirakel-Buch wissen wir, dass es soweit zum Glück nicht gekommen ist.

Taxa wird geschleift

Das Ende der Wallfahrt kam im Jahr 1802 mit der Säkularisation. Taxa wurde als „Brutstätte des Aberglaubens" angesehen und die Barfüßer-Mönche flohen ins sichere Österreich. Da das Kloster abgerissen werden sollte, wurde beschlossen, die Ausstattung der Kirche an andere Kirchen zu verteilen. Darunter auch die Marienstatue, die als das eigentlich wundertätige Gnadenbild angesehen wurde. In Anspielung auf die Legende vom Ei-Wunder sprach der ausführende Beamte die Worte: „Mit eierm Hennermadl wern ma glei ferti sei!"

Trotz des erbitterten Widerstandes der Bevölkerung, wurde die Statue schließlich doch in die Kirche von Odelzhausen überführt. Sehr zur Freude der dortigen Dorfbewohner, da nun ihr Ort zum Ziel der Wallfahrer wurde. Taxa selbst wurde bis auf die Grundmauern abgebrochen. Damit endete auch die einzige Niederlassung der barfüßigen Augustiner in Deutschland.

(Bild: Stich aus dem 18. Jahrhundert)

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