Halloween
HalloweenFoto-Quelle: DEF

Halloween - doch nicht so übel?

Deutscher Evangelischer Frauenbund Bayern

Es gibt viele Gründe, warum man den Halloween-Hype ablehnen kann. Eingewurzelt ist uns dieser Herbstbrauch ja nicht. Warum also haben wir hollerdipoller einen amerikanischen und total kommerzialisierten Brauch übernommen? Vielleicht haben wir ihn auch gar nicht übernommen, sondern wir sind, wie schon oft bei amerikanischen Moden, einfach übernommen worden?

Was treibt uns dazu, ab September Kürbisse zu kaufen, in allen Formen und Farben? Wir sind doch auch früher ohne Kürbisse ausgekommen, da gab es die nicht. Warum kaufen wir sie, dekorieren damit Haus und Garten? Dicke und dünne, welche mit Flaschenhals und den karamellfarbenen Butternut, den mittelgroßen sehr suppengeeigneten Hokkaido und die großen orangen, von denen man die Kerne trocknen und salzen kann und das Fleisch in eine Suppe tun, am wichtigsten aber: einen grinsenden Kürbiskopf daraus schnitzen!

Ami-Kommerz oder alte europäische Tradition?


Es steckt schon ein Stück altes Europa drin in Halloween, schon im Namen. Dieser kommt von "All Hallows' Evening", also dem Abend vor Allerheiligen. Auch die Vorstellungen der Furcht vor den aus den Gräbern aufsteigenden Geistern, die man sich am besten durch kleine Opfer günstig stimmt, damit sie einem nichts tun, sind sicher uralt. Das trifft sich schon gut mit den im Herbst stark bemerkbaren aufsteigenden Nebeln und den viel länger werdenden Nächten. Das Licht schwindet, es sind dunkle Zeiten, und die Tage werden erst ab Weihnachten wieder länger.

So gesehen ist der geschnitzte Kürbiskopf mit seinen teils zackig-grausen, teils fröhlich grinsenden Zahnlücken auch nur eine Laterne, ein Schutz vor den bösen Geistern, die er vor der Haustür oder im finsteren Garten abschreckt. Vielleicht leuchtet er nebenbei auch Familienmitgliedern heim, die noch im Training oder auf einer Vereinssitzung waren.

In Halloween liegt auch der Ursprung der inzwischen von Demonstrationen und aus einer großen Zahl von Krimis bekannten Anoymous-Maske, das verzerrte weiße Geistergesicht mit dem geöffneten Mund, erinnernd an Edvard Munchs berühmte Gemälde "Der Schrei".

Große Vielfalt an Masken


Aber dann ist Halloween ja auch ein, traditionell würde man sagen, Heischebrauch. Die Kinder verkleiden sich, machen auf gruselig. Sie bekommen weiße Gesichter gemalt, mit übel vernähten Platzwunden, Blutstropfen und ähnlichem. Vor ein paar Jahren liefen jede Menge Harry Potter Jungs herum, mit der charakteristischen blitzförmigen Narbe auf der Stirn. Der Hype ist jetzt durch, schade um die sympathische Figur. Es gibt Skelettkostüme zu kaufen und sogar eine leuchtende Skeletthand mit fünf grünlichen Leuchtröhrchen. Sehr viel Zauberinnenhüte sind zu sehen, allerhand Hexen sind los. Ein ganz kleines Mädchen ist als der allersüßeste Kürbis kostümiert, den man sich nur vorstellen kann.

Es gibt viele Gründe, gegen Halloween zu sein. Aber wer am Halloweenabend seine Tür verschlossen und die Rollläden unten hält, um nur ja keinen Kindern Süßigkeiten geben zu müssen, der kriegt vielleicht nicht ganz zu Unrecht "Saures!", nämlich etwa von den älteren Kindern die Türklinke mit Zahnpasta eingeschmiert.

Ein Kinderfest - und es ist doch was dran


Es ist einfach eine Freude, zu sehen, was für einen ganz echten Spaß die Kinder an Halloween haben. Erst dürfen sie sich verkleiden und auf gruselig schminken. Mama macht das toll, und sie schminkt auch die Übernachtungsfreundinnen und Freunde noch gleich mit, die heute abend zu Gast sind. Eine Party in den Herbstferien, noch dazu abends. Und bei den Kleinen geht sowieso ähnlich wie bei den Sternsingern ein Erwachsener mit und bleibt im Hintergrund und passt auf, wenn die kleinen Geister läuten. Meine Freundin Christina hat das dieses Jahr für eine ganze Schar übernommen, zu ihren eigenen noch fünf Nachbarskinder dazu!

Nachts rumziehen ist ja sowieso schon gruselig, und es ist gar nicht so ganz einfach, an die dunklen Häuser und Türen zu gehen und da zu klingeln. Wer weiß, wer da aufmacht, und ob die fremden Leute in dem Haus nett sind oder schimpfen! Da muss man sich schon was trauen. Aber die anderen auch, und zu mehreren ist es schon leichter.

Also wir freuen uns auf das Geklingel und das aufgeregte Gemurmel vor der Tür, über die Kostüme und geschminkten Gesichter. Wir hatten auch schon unseren Brotkorb mit kleinen Packungen Smarties, Gummibärchen, Minischokoriegeln und bunten Bonbons angefüllt, damit wir auch genug Vorrat hatten für die kleinen Geister. Die Sprüche und Gedichter, mit denen sie um Gaben gebeten haben, sind auch gar nicht schlecht, wenn ich mir die Verse leider auch nicht merken kann. Keineswegs haben sie nur "Süßes oder Saures!" gebrüllt, da war schon mehr dahinter. Die Tochter meiner Freundin steckte in einem Haufen Kinder in der Mitte und hat den Spruch mit so fester Stimme aufgesagt, dass sie den anderen eine Stütze war. Und dann, als sie alle was in ihrem Baumwollsäckchen hatten, sind sie wieder weitergezogen, wie vom Winde verwehte Herbstblätter. Und wir sind wieder ins Haus gegangen und hatten es hell und warm. Es ist vielleicht doch was dran an dem Zauber.