Häufig wurden Hippies auch als Blumenkinder bezeichnet, da sie sich mit Blum ...
Häufig wurden Hippies auch als Blumenkinder bezeichnet, da sie sich mit Blumen als Zeichen für Frieden und Liebe schmückten.Foto-Quelle: pixabay.com © Unsplash

Als wir Rebellen waren - die Jugend in den 60ern

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Beitrag von News Team

In den 60er Jahren eroberte der Mensch erstmals den Weltraum, Ost und West standen sich im Kalten Krieg gegenüber, die „Beatlemania“ nahm ihren Anfang und Festivals wie Woodstock begründeten einen gänzlich neuen Lebensstil. Die 60er gelten als ein Jahrzehnt des Umbruchs, in dem viele große Konflikte ausgetragen, andererseits aber auch wichtige Meinungen gebildet und Entwicklungen vorangetrieben werden. Vor allem die Jugend wie auch die Entstehung wichtiger Subkulturen standen nun im Fokus und sollten das Jahrzehnt stark beeinflussen.

Der Hippie als Subkultur

Während die Zwanziger noch als eher unbeschwert galten, die Dreißiger das Jahrzehnt der Depression, die Vierziger eine Zeit des Krieges und Wiederaufbaus und die Fünfziger schließlich ein Zeitalter des Wohlstandes und der Konformität waren, so brechen die „wilden 60er“ mit all diesen vorhergehenden Traditionen und läuteten eine neue, spannende Zeit ein.
Auch der „Hippie“ entstand während dieser von Rebellion geprägten Dekade, wobei es sich hierbei vor allem um eine gut organisierte Subkultur aus Studenten und Ex-Studenten handelte. Die großen Freiheiten, die durch das Studentenleben außerhalb des Elternhauses entstanden, ein geringes Einkommen und die gleichermaßen hohe Bildung hoben sie von der Jugend der Arbeiterklasse ab und schufen einen deutlichen Kontrast. In der Literatur wurden die Hippies hingegen vor allem als Aussteiger vom Bildungssystem bezeichnet, die sich gegen traditionelle Vorstellungen von Karriere, Bildung und Moral wehrten und sich von der so technokratischen und materialistischen Gesellschaft abwanden. Damit waren die Hippies eine typische „Counterculture“ – eine soziale Bewegung also, die Werte und Normen und Frage stellt, gleichermaßen aber auch ihre eigenen Wertvorstellungen und Ideale verfolgt.

Die typischen Bestandteile des „Hippie-Seins“

  • Die Suche nach einer Alternativkultur

    Körperliche Freude, Zuneigung, der Geist des Experimentellen und die innere Freiheit waren Werte, die von den Hippies verinnerlicht wurde. Ihre so entstandene Kultur war für sie ein gelebter Prozess, bei dem die nicht-wirtschaftlichen Aspekte des Lebens im Vordergrund standen, sondern vielmehr das Persönliche, das Private und das Psychologische und die stetige Suche danach.
  • Das Misstrauen gegenüber dem Establishment

    Die wirtschaftliche und soziale Situation der 60er Jahre brachte es mit sich, dass sich die Jugend dieser Zeit ganz wesentlich von ihren Eltern unterschied. Daraus resultierte eine starke Ablehnung gegenüber dem Establishment, also der herrschenden Kräfte. Insbesondere der politischen Ausrichtung wurde diesbezüglich misstraut, sodass sich die Jugend eine kritische Einstellung gegenüber Wohlstand und Ungleichheit bewahren konnte.

  • Die Ablehnung von Arbeit


    In der Regel stammten Hippies aus wohlhabenden Familien, sie strebten allerdings nach mehr als nur einer beruflichen Karriere. Stattdessen standen hingegen das kreative Arbeiten und die spirituelle Befriedigung im Fokus. Sie lebten im Gegensatz zur Arbeiterklasse freiwillig in Armut und waren darin bestrebt, die Grenzen zwischen Arbeit und Spaß möglichst miteinander zu verwischen.
  • Die Ablehnung von Materialismus

    Dieser Punkt stellt den wohl wichtigsten Grundgedanken der Hippie-Subkultur dar. Denn statt des Materialismus der Mittelklasse sollte vor allem die Lebensqualität im Fokus stehen. Das System stieß daher auf Ablehnung, welche sich in vielerlei Formen äußerte – sowohl militant oder politisch als auch religiös und mystisch. Propagiert wurden hingegen der Hedonismus und die Spontaneität.


Mode in den 60ern

Mit dieser Revolution des Denkens setzte außerdem auch ein Umschwung in der Modewelt ein. Männer, die jahrzehntelang vor alle Kurzfrisuren getragen hatten, ließen sich plötzlich lange Haare wachsen und trugen immer häufiger bunte Kleidung, an der auch Rüschen und Spitze keine Seltenheit waren. Aufgrund dessen erhielt die Epoche auch den Beinahmen „Pfauenrevolution“. Die allerdings wohl wichtigste modische Neuheit stellte in diesen späten Jahren der 60er die Jeans dar. Sie wurde nunmehr zu allen Anlässen getragen und vermittelte ein gewisses Lebensgefühl, das vor allem als Protest gegen das etablierte Bürgertum zu werten war. Sowohl Männer als auch Frauen griffen von nun an regelmäßig zur Jeans, deren Stoff schon wenig später viele weitere Kleidungsstücke wie Jacken, Kleider, Röcke oder gar Bikinis schmücken sollte. Damit begann die Erfolgsgeschichte der Jeans im deutschen Raum, die bekanntermaßen auch noch bis in die Gegenwart reicht, wie zum Beispiel folgender Bericht anschaulich verdeutlicht. Eine weitere Revolution, die innerhalb dieses Zeitraums das Licht der Welt erblickte: Miniröcke und extrem kurze Kleider, die von der Designerin Mary Quant aus England stammten. Während sie bei der älteren Generation auf regelrechte Empörung stießen, so wurden sie von den jungen Damen hingegen begeistert als neuer Trend aufgenommen, zweifellos auch sehr zum Wohlgefallen der Männer.
Den Höhepunkt der Jugendbewegung in den 60er Jahren stellte wohl die sogenannte 68er-Bewegung dar. Die Radikalisierung gegen das Establishment fand hierbei ihren Höhepunkt und eskalierte insbesondere in den USA, in denen Bürgerrechtsbewegung, Vietnamkriegs-Bewegung und die Hippie-Subkultur schließlich in großen Protesten mündeten. Als Beginn der deutschen 68er-Studentenbewegung gilt der 02.Juni 1967, da an diesem Tag der Germanistik-Student Benno Ohnesorg bei einer Demonstration in Berlin erschossen wurde. Der Tod sorgte dafür, dass anfängliche Proteste schnell zu einer regelrechten Massenbewegung wurden.





"Ohne Provokation werden wir überhaupt nicht wahrgenommen." Rudi Dutschke, marxistischer Soziologe und politischer Aktivist

Allerdings brachte die studentische Bewegung nicht nur gute Resultate und gerechtfertigte Proteste hervor, aus ihr erwuchs schließlich auch die terroristische Organisation „RAF“. Welche Folgen dies für die deutsche Geschichte hatte, kann hier genauer nachgelesen werden.

Musik, Drogen und Hippies – drei eng verschlungene Komponenten

Nicht vergessen werden darf aber auch, dass die Hippiekultur stets in engem Zusammenhang mit der Musik, aber auf dem Drogenkonsum stand. Tatsächlich erwiesen sich Rocksongs in den 60er Jahren als wirksamstes Medium, um spezielle, mitunter auch fragwürdige Botschaften zu verbreiten. Freie Sexualität, Haschisch, Fixen und Drogen sind nur einige der sehr Themen, die in diesem Zusammenhang propagiert wurden. Wenngleich zwar niemals eine direkte Aufforderung zum Konsum oder zur Kriminalität in den Liedern enthalten war, so wurden Joints und andere Drogen aber trotz allem als selbstverständlich in der Szene betrachtet – denn sie waren die ersten Mittel, mit deren Hilfe sich Menschen auf leichte Weise von der Enge der bürgerlichen Anschauungen und Vorurteile befreien konnten. Aber auch davon abgesehen verkörperte die neu entstandene Begeisterung rund um die Rock'n'Roll-Musik sehr effektiv, dass fortan die eigene Unabhängigkeit und persönlichere Werte im Vordergrund stehen sollten. So sangen die Beatles beispielsweise „You Say You Want a Revolution“, während Barry McGuire mit „Eve of Destruction“ vor dem nuklearen Holocaust warnte. Jimi Hendrix hingegen sang von einem Leben im Drogenrausch und Bob Dylan sorgte mit Hits wie „Tambourine Man“ dafür, dass viele der wohl wichtigsten Themen der Counterculture behandelt wurden, darunter die Halluzination als Zufluchtsstätte oder die Beschäftigung mit der Gegenwart, die in starkem Kontrast zu Vergangenheit und Zukunft steht.