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8. Türchen: duftender Advent
8. Türchen: duftender Advent

8. Türchen: duftender Advent

Beitrag von wize.life-Nutzer

8. Türchen

Advent, den man riechen konnte

In frühester Kindheit lebten die Eltern, die Großeltern und meine drei Geschwistern in der Eifel auf einem Bauernhof.

Ein Geruch, der den Advent einläutete, waren die Weiden, die mein Vater schneiden ging, um daraus Körbe zu flechten. Diese Bündel lagerten in einem Vorratsraum und verströmten ihren Geruch im Haus. Sobald diese etwas angetrocknet waren, setzte er sich damit in den Stall, denn da war es auch ohne Ofen warm. Wir Kinder schauten zu und lernten dadurch nebenbei dieses Handwerk.

Auch erinnere ich mich gerne an das tagelange Äpfel- und Birnenschälen, aus denen Oma Apfelmus machte und einweckte. Natürlich gab es zu dieser Arbeit immer Bratäpfel, nicht mit Marzipan, sondern mit Bienenhonig gefüllt, lecker. Der Geruch ist mir heute noch in der Nase .

Ein Teil der Obsternte von den Äpfeln und Birnen wurde geschwefelt und dann durften wir Kinder die Stücke auf Zwirn auffädeln, die dann am Ofenschirm zum Trocknen hingen und ihren Duft verbreiteten.

Die Christstollen backte Oma ab Nikolaus. Zum Plätzchen backen brauchte sie unsere "Hilfe" und so lernten wir auch das spielend. Das ganze Haus roch während der Advenzszeit nach Zimt und Kardamon und anderen Backzuutaten.

Die im Herbst gesammelten Nüsse und Kastanien hat Oma karamelisiert und wir naschten natürlich den Großteil weg, so das die Leckerei auf den Weihnachtstellern fehlte. Allein der Duft verführte alle, diesem konnte niemand widerstehen.

Duftkerzen kannten wir nicht. Stattdesen legten wir Tannennadeln neben den Docht der Kerze und es roch wunderbar. Auch wurden im Ofen immer kleine Zweige von Tanne oder Kiefer mit verbrannt.

Abends nach getaner Arbeit saßen alle bei Spielen am großen Küchentisch, ein Räuchermännchen mit Weihrauch wurde kurz angezündet und es roch fantastisch. Die Überredungskunst meiner Mutter machte es möglich, dem Pastor den Weihrauch abzuschwatzen ,der in der Zeit nur in der Kirche benutzt wurde .

Meistens waren die Winter sehr kalt mit viel Schnee .
Wir besaßen 2 Schlitten, die wir Geschwister uns teilten, was natürlich auch zu Rutschpartien auf dem Allerwertesten führte. Wenn wir dann klitschenaß und durchgefroren vom Rodeln nach Hause kamen, wurden die Kleider um den Ofen herum zum Trocknen aufgehängt, die Strümpfe an die Ofenstange. Sogar das verbreitete einen Geruch von Frische und Natur.

Wir Kinder sammelten jedes Jahr während der Adventszeit weißes Moos, das schon im Wohnzimmer aufbewahrt und an Heiligabend für die Krippe gebraucht wurde und der Geruch war herrlich nach Wald

Auch beim Strohsterne basteln roch es, wenn die Halme mit einem Plätteisen flach "gebügelt " wurden.

Vom frisch gedroschenen Getreide stand schon der Hafer abgefüllt in Brotkurweln * ( Brotgärkorb ) im Flur. Auch die Körner waren wohlriechend. Ein paar Tage vor Weihnachten brachten wir die zu unseren Paten, damit sie an Ochs und Esel weiter gegeben wurden. An Weihnachten holten wir die Kurwel* wieder ab. Dann hatte das Christkind sie mit Süßigkeiten gefüllt .
Damals glaubten wir Kinder diese Geschichten .

Ja, und dann schließlich am 24 Dez , wenn der frisch geschlagene Tannenbaum, den wir Kinder mit dem Vater einen Tag vorher im Wald aussuchten, aufgestellt und mit echten Kerzen geschmückt wurde. Er verströmte seinen Geruch bis weit nach Heilige drei Könige.

Herrlicher, duftender Advent in der Kindheit


54 Kommentare

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Wirklich schön erzählt Agnes. Ein herzliches Dankeschön dafür.
Es wurden Erinnerungen wach. Wir waren acht Geschwister und Weihnachtszeit war immer eine ganz besondere Zeit. Wie Du beschrieben hast, wurde gespielt. Fernseher gab es nicht.
Herzliche Grüße und auch für Dich eine besinnliche Weihnachtszeit.
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alles erinnert mich an unsere Kindheit,so ähnlich ging es bei uns auch zu,--eine herrliche zeit --alle zusammen-- heute will jeder alleine sein--schrecklich-da kann man nur sagen----arm---
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Einiges davon hab ich als Kind auch erlebt, aber am meisten hab ich mich gefreut, wenn ich den Stollenteig mit dem Schlitten zum Bäcker fahren durfte. Hinter einer Litfasssäule machte ich dann Vesper und puhlte einige Rosinen aus dem Teig, die ich noch heute sehr gern esse. Mühsam für Kinderhände musste ich dann die Löcher des Teiges wieder schließen. Es ist zum Glück nie aufgefallen.
Jetzt habe ich so herzhaft gelacht ; das kommt mir sehr bekannt vor .
Wir mußten die Stollen allerdings nicht zum Bäcker bringen, sondern zum Hof meiner Eltern gehörte ein "Backes" , das auch von vielen Dorfbewohnern zum Brot backen genutzt wurde . Nach dem Brot wurde das etwas abgekühlt und dann kamen die Hefekuchen und die Stollen an die Reihe .
Der Backtag war immer samstags .
Wenn ich jetzt Rosinen im Haus hätte, ich würde naschen.
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Hallo liebe Agnes,

schön erzählt, und einiges hab ich auch noch so in Erinnerung...Ich bin auf einem Bahnhof aufgewachsen. Zu meiner Zeit waren die Winter auch noch etwas kälter und mit mehr Schnee, oder vielleicht kommts mir nur so vor, da ich noch klein war.
Auf jeden Fall gingen wir erst vom Rodeln nach Hause, als wir total durchnässt waren und zu frieren begannen. Dann gabs ne heiße Schokolade, und wir durften schon von den Weihnachtsplätzchen naschen. Die hat meine Mutter immer in großen Schachteln behutsam verstaut....auch an ihre selbst gebackenen Christstollen erinnere ich mich noch ganz gut. Die Liebe zum Kochen und Backen hat sie vor allem an mich weitergegeben. Und ich wiederum an meine Tochter.

Weihnachten ist und bleibt für mich ein Fest der Liebe, dass ich wenn möglich mit meiner Familie verbringe. Und dazu braucht es nicht viel Geschenke.Nur einfach die Anwesenheit meiner Familie, und diese zu verwöhnen, ist für mich das Größte. Und natürlich das allerwichtigste ist Gesundheit.

Ich wünsche Dir, liebe Agnes von ♥en noch eine schöne Adventszeit.

ggvlg Ellen
Danke dir, liebe Ellen
Damals gab's wirklich mehr Schnee und besonders schön anzusehen waren auch die Eisblumen an den Fenstern.
Für dich auch einen schönen und harmonischen
restlichen Advent.
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Liebe Agnes....hast Du sehr schön geschrieben.

Ich komme aus einer Großfamilie .
Wir waren zu hause neun Kinder ich bin die Jüngste davon.
Bei uns war es immer spannend.
Ein kleines Beispiel...Wenn am Abend der Himmel rot gefärbt war,hieß es as Christkind backt Plätzchen.
Als wir Kinder schliefen,wurden in der Nacht von unserer Mutter Plätzchen gebacken morgens bekamen wir nur noch den Duft
zu riechen.
Weit und breit nichts von Plätzchen zu sehen.
Nach der Frage was hier so duftet,hieß es das Christkind war da
und hat fleißig gebacken.
Es war eine schöne Kindheit die ich nie missen möchte.
GHG
Ja, bei uns war auch immer was los und wir waren glücklich.
Beim Plätzchen backen durften wir helfen , damit das Christkind nicht so viel Arbeit hatte . So wurde es uns erklärt
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Hallo hatte Dir am Vormittag einen Kommentar geschrieben.
Glaube er ist nicht gesendet worden
LG
Hallo Ingrid ,
nein, habe auch nichts von dir gelesen
vlg
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Deine schöne Geschichte führt mich auf den Weg meiner Kindheit, war das schön, wir glaubten noch lange ans Christkind.
Im Advent roch es nach Bratäpfeln, Genau so, wie du es beschrieben hast, so erlebte och es in meiner Kindheit, habe es auch meinen Kindern so weiter gegeben., die jetzt se4lbst mit ihren Kindern und Enkerln auf diese Weise diese schöne Zeit verbringen.
ja, gerade in dieser Zeit denke ich gerne an meine Kindheit
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Danke für Deine schöne Geschichte.....
freue mich , daß sie dir gefällt Lg
Ja, Deine Geschichte erinnert mich an früher, meine Kinderzeit.... wenn ich meine Großeltern in Österreich besuchen durfte.....
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Du hast uns an deiner Vergangenheit teilhaben lassen, liebe Agnes.
Uns in eine andere,duftende Welt entführt, die in vielen Bereichen noch so klar, frei und jenseits der kommerziellen Ausrichtung und Befriedigung. statt fand. Das Wesentliche in Einfachheit hat die Menschen mehr Freude und auch Dankbarkeit empfinden lassen!
Habe ich gerne gemacht , Monika

Es waren keine großen Geschenke. Daran wie es heute ist , war gar nicht zu denken
Wir 4 Kinder freuten uns über einen gemeinsamen Kaufladen , der jedes Jahr etwas mehr Angebote im Sortiment erhielt und konnten damit immer wieder spielen.
So hatte der Akt des Schenkens noch den wahren Sinn, Freude bringend,, sich auch mit 'Wenigem'zufrieden gebend.
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Sehr schön Beschrieben
danke Harald
Bitte Agnes
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