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Rinder unter einerTanne
Rinder unter einerTanneFoto-Quelle: privat

Warten auf das Christkind

Deutscher Evangelischer Frauenbund Bayern

Den dritten Adventssonntag haben wir den Schwager in der Rehaklinik besucht. Wir waren heilfroh, ihn wohler wiederzufinden, als noch zwei Wochen zuvor nach dem Eingriff. Als wir Mittag in der Klinik bei Passau ankamen, kam er gerade mit seiner Tochter und deren Mann aus dem Speisesaal, wo sie zusammen zu Mittag gegessen hatten. Und da er noch nicht müde und erschöpft war, und die Sonne so schön schien, schlug er vor, einen kleinen Spaziergang zu machen. Sonst tut er einen weitausladenden Schritt und ist nicht langsam, nicht im Gehen, nicht im Arbeiten und nicht im Denken. Nun muss er lernen, auf sich und seinen Körper Rücksicht zu nehmen. Auf einen der kleinen Hügel rundum zu steigen, ist ihm erst allmählich wieder möglich geworden, am Anfang war es ihm zu schwer und er musste sich für ihn selbst ungewohnt niedersetzen.

Die wellige Landschaft über der Donau tut den Augen gut und auch der Seele. In der Sonne lag sie da, wunderschön, als wir durch das kleine Dorf Fattendorf gingen und dann aufs freie Feld hinaus. An der Dorfstraße stehen manche schöne Häuser. Einige waren einmal oder sind noch Höfe, eines hat eine himmelhohe Scheune mit einer kleinen Luke ganz oben drin, aus der man direkt in den Himmel winken kann. Ein anderes Haus hat oben in der Front den gebräuchlichen Glaskasten für den Hausheiligen eingemauert, und es ist, es war nicht schwer zu erkennen, der heilige Konrad von Parzham. Altötting grüßt herüber, wo er gelebt hat und auch gestorben ist. Es gehört zum Passauer Bistum. Und aus Weng westlich von Bad Griesbach links des Inns war er gebürtig, das ist nicht so weit weg.

Es gibt viele meist ältere Obstbäume und Baumgärten. Viele der Häuser sind ganz neu und schön. Die Vorgärten sind alle schmuck hergerichtet. Viele enthalten blumenbepflanzte Steintröge aus dem hier üblichen schönen Granit, vielleicht waren es mal kleine und große Viehtränken, vielleicht sind sie aber auch im alten Stil zur Bepflanzung hergerichtet worden. Das Dorf verharrt aber nicht in bäuerlicher Nostalgie, sondern es findet hier wie überall ein starker Maisanbau für Vieh und die Biogasanlagen statt. Die Felder waren jetzt umgepflügt und lagen zur Winterruhe, aber dass dort Mais gewachsen war und wenig anderes, war deutlich sichtbar. Und Fattendorf gibt den Erneuerbaren Energien auch durch viele Solardächer eine Chance. Auch werden Hackschnitzel produziert, und solche beheizen auch die Klinikgebäude.

In der Nähe stehen ein paar friedlich kauende schottische Hochlandrinder, die gefallen allen Leuten mit ihren wuchtigen Schädeln, langen Hörnern und dem zotteligen Fell. Es ist ein sehr friedlicher Anblick, ein paar mampfen Heu. Hinten liegen zwei unter einer hohen Tanne und sonnen sich. So oder so ähnlich könnte es doch gewesen sein, wenn auch nicht mit zwei Rindern, sondern einem Ochsen und einem Esel. Aber so genau muss es ja nicht gehen. Ja, und die Sonne und die grüne Tanne. Nichts ist tief verschneit wie in der Unzahl von Weihnachtsgeschichten. Aber wir haben ja auch Klimawandel, und da ist es eben auch in diesem Winter ungewöhnlich milde. Warum sollen nicht zwei Rinder unter einem grünen Tannenbaum in der Sonne liegen? Das passt schon.

Das Kripperl, in das das Jesuskind einmal zu liegen kommen wird, ist auch schon bereitet. Es steht im gleichen Dorf in einer einladenden Kapelle. Dort liegen auf dem Boden vor dem Altar grüne Daxen, ein bunt mit roten Kugeln und weißen Sternen bestecktes Reisigbett, und in dessen Mitte steht die leere Krippe. In den Zweigen zu Füßen der kleinen Krippe kniet ein kleiner Engel und hält die Wacht. Noch ist es nicht so weit, aber es ist alles bereitet.

In der Reha hat man ja doch viel Zeit. Man kann im Gemeinschaftsraum Skirennen und Biathlon gucken - alle Athlethen rutschen gekonnt auf dem Kunstschnee herum, denn auch für sie gibt es noch keinen richtigen Winter. Oder man kann einen Spaziergang machen und sich ein Weilchen in der Kapelle besinnen, vor dem leeren Kripperl. In der Ruhe sind sie zu hören, sie stellen sich von selbst ein. Die alten Lieder singen und sagen uns viel von dem Wunder rund um das Kind, auf das wir alle warten.


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