Pferd im Altai
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Rauhnächte: Stefanireiten und Hutzelbrot

Beitrag von wize.life-Nutzer

Der Heilige Stephanus gilt als erster christlicher Märtyrer. An seinem Gedenktag, dem Zweiten Weihnachtsfeiertag, wird deshalb in den Kirchen an die verfolgten Christen in aller Welt erinnert. Weil der Heilige aber auch als Patron der Pferde gilt, gibt es auch das Brauchtum des Stafanireiten, bei dem Pferde gesegnet werden. Weil die Tiere früher Auto und Traktor in einem und somit überlebenswichtig waren, sorgte man sich ganz besonders um sie.

Nach der Messe wurde mitgebrachtes Wasser und Salz geweiht. Die Pferde wurden vor Ort mit dem geweihten Wasser besprengt und bekamen von dem Salz zu essen. Das übrige Wasser und Salz wurde zuhause zu einem Teig geknetet und zu einer Scheibe geformt, die man dann im Stall aufhängte. Wann immer man das Vieh vor Krankheiten oder Hexen und Druden schützen wollte, kratzte man etwas von der Scheibe ab und gab es mit dem Futter zu essen. Natürlich gab es in den Rauhnächten für jedes Tier eine Extraportion Stepahnisalz.

Sag es mit einem Hutzelbrot

Die traditionelle Speise am Stephanitag war das Hutzelbrot, auch Kletzenbrot oder Berewecke. In dieses Früchtebrot waren getrocknete Birnen eingebacken. Korrespondierend dazu gab es Birnenschnaps zu trinken. Auf größeren Höfen wurde das Brot vom Bauern angeschnitten und dann an Gesinde und Kinder verteilt. Ärmere Landbewohner gingen von Hof zu Hof und sangen Weihnachtslieder, um auch etwas von dem Bot abzubekommen.

Dass man nicht nur an Fürstenhöfen raffinierte Verhaltensregeln und Benimm-Codes entwickelt hatte, belegt folgender Brauch: Mit dem Endstück eines solchen Hutzelbrotes konnte eine junge Frau Ihrem Galan Ihre Gunst bekunden. Ein gerade abgeschnittenes Endstück bedeutete Zuneigung, während mit einem rau abgeschnittenen Endstück die Beziehung förmlich gelöst wurde.

Als Rauhnächte bezeichnet man die zwölf Nächte zwischen Weihnachten und Heilig-Drei-König. In manchen Überlieferungen wird die Nacht des Thomastages (21.12.) auch noch dazu gezählt. Das Wort Rauhnacht soll vom mittelhochdeutschn „rûch" für haarig kommen. Möglich ist auch die Herleitung vom "Beräuchern" von Wohnraum und Ställen.

Entstanden sind die Rauhnächte nach dem Mondkalender. Dieser hat nur 354 Tage. Im Vergleich zu unserem heutigen Kalender blieben als zwölf Tage übrig. Und in diesem Zeitraum haben die Geister die Möglichkeit, auf die Erde zu kommen. Überlieferungen, Bräuche und Rituale sind von Region zu Region unterschiedlich.

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