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Die Burg Tittmoning im Chiemgau

Die Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten nach Ende des 2. Weltkrieges

Von wize.life-Nutzer - Freitag, 19.06.2015 - 22:34 Uhr

Nahezu täglich lesen und hören wir erschütternde Berichte über Flucht und Vertreibung von Menschen aus ihrer angestammten Heimat und vor allem, wir werden in Kenntnis gesetzt über den Streit der EU-Länder, wenn es um die Aufnahme von Flüchtlingen und Vertriebenen geht. So viele Menschen wie derzeit waren noch nie weltweit aus ihrer angestammten Heimat geflohen oder vertrieben worden. Die Zahlen sind erschütternd und noch erschütternder sind die durch die Medien bekanntgegebenen Umstände und Folgen dieser Flucht oder Vertreibung.
Wir in Deutschland sollten uns stets daran erinnern, dass in den letzten Kriegsmonaten und -tagen und ganz besonders nach dem Zusammenbruch am 8.5.1945 vom damaligen Deutschen Reich bis zu 8 Millionen Deutsche aus den Ostgebieten aufgenommen werden mußten. Sie waren unterzubringen, zu ernähren und mit den Dingen des täglichen Lebens zu versorgen. Und nach dem verlorenen Krieg und dem totalen Zusammenbruch mangelte es an allem, an Wohnraum, Lebensmitteln, Kleidung, aber auch an Kindergarten-, Schul- und Arbeitsplätzen.
Das SB-Community Team hat sich in seinem Beitrag vom 18.5.2015 zu diesem Thema der Vertreibung der Deutschen mit der Frage: Vertreibung: Vergeltung oder Verbrechen? geäußert und um die Meinung von SB-Mitgliedern gebeten und was fanden sich da für Meinungen, insbesondere von Leuten, die von der Vertreibung weder selbst betroffen, noch sie persönlich erlebt haben und auch nicht die damaligen Verhältnisse, die zur Vertreibung führten, kannten. Man hatte den Eindruck, je jünger der sich zum Thema Äußernde, um so "kompetenter" seine Aussage.
Jedes Jahr führen die Landsmannschaft des deutschen Ostens ihr traditionelles Heimattreffen durch, zu dem nicht nur die der Landsmannschaft Angehörenden sondern auch Politiker erscheinen, um sich zu diesem sehr aktuellen Thema zu äußern. Auch die Sudetendeutsche Landsmannschaft führt jährlich ihr Treffen durch. In diesem Jahr wurde in einer feierlich unterzeichneten Charta neben dem Verzicht auf Rache und Vergeltung für das vor 70 Jahren erlittene Unrecht vor allem die Schaffung eines geeinten Europas postuliert.
Die anfänglich aus verständlichen Gründen auf beiden Seiten verhärteten Fronten haben sich im Laufe der zurückliegenden 70 Jahre gelockert. Die Reise in die ehemals sudetendeutschen Gebiete ist nach dem Fall des Eisernen Vorhanges leichter geworden und seit die Tschechei der EU angehört ist es eine Reise wie in jedes andere freie Land des Westens. Partnerschaften wurden gegründet und Begegnungen finden auf allen gesellschaftlichen Ebenen statt. Das teilweise im Krieg zerstörte und vor allem nach dem Krieg verfallene Land ist durch politische und besonders private Initiativen neu erblüht. Auch mit den Grausamkeiten der Vertreibung und der dabei geschehenen Gräueltaten beginnt man sich langsam auseinanderzusetzen. Ein aktueller Meilenstein war die Erklärung des Brünner Stadrates, der für den "Brünner Todesmarsch" um Vergebung und Versöhnung bat. In diesem Jahr fand der traditionelle "Brünner Todesmarsch" in umgekehrte Richtung, also von Österreich nach Brünn statt.
Und die Sudetendeutsche Landsmannschaft spricht in ihrem politischen Programm nicht mehr von "Wiedergewinnung", also Rückgabe der verlorenen Heimat, sondern von "Wiederbelebung" der Heimat. Schon vor 65 Jahren wurde in der "Charta der deutschen Heimatvertriebenen" sinngemäß niedergeschrieben: "Nie wieder!"
Dennoch ist es ein legitimes Recht der sudetendeutschen Heimatvertriebenen, weiter gegen fortbestehendes Unrecht (Benesch-Dekrete) zu kämpfen, genauso wie weiter gekämpft wird für das eigene und weltweite Recht auf die Heimat.
In den Heimatverbänden der Deutschen aus dem Osten wird nicht nur deren Kultur und Historie gepflegt, man steht auch nach wie vor für diese o.g. Werte sowie für das Selbstbestimmungs- und Völkergruppenrecht ein, damit es "nie wieder" geschieht. Leider ist es heute nahezu "an der Tagesordnung", dass nämlich Menschen unfreiwillig unter Zurücklassung ihres Hab und Guts ihre angestammte Heimat verlassen müssen, in der sie seit Jahrhunderten gelebt haben.
Da sehr viele vertriebene Sudetendeutsche im nahegelegenen Bayern ihre neue Heimat gefunden haben, wurden sie "zum 4. Stamm der Bayern". Auf der Burg Tittmoning an der österreichischen Grenze wurde mit Unterstützung des Historischen Vereins, der seine Sammlung einbrachte, der Stadt Tittmoning, die kostenlos die Ausstellungslräume zur Verfügung stellte und mit Unterstützung des Staates, der finanzielle Beihilfen sowie fachliche und monetäre Hilfe erbrachte, anfänglich ein "Heimatmuseum" eingerichtet, das später in eine Stiftung umgewandelt wurde. 1981 eröffnete die Sudetendeutsche Landsmannschaft der Kreisgruppe Traunstein-Berchtesgaden die "Heimatstube der Sudetendeutschen im Heimathaus des Rupertiwinkels".
In ihr werden historische, wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen, Trachten, Gegenstände u.v.a.m. gezeigt. Besonders eindrucksvoll sind die Dokumente, die Auskunft geben über die unmenschliche Abwicklung der anfangs mit Gewalt und später "gewaltlosen" Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem 8.5.1945. Auch die damals von den Vertriebenen geschaffenen Transportmöglichkeiten wie Koffer, Kisten, Handkarren usw. zeigen, wie damals mit den mit "N" gekennzeichneten und rechtlos gewordenen Deutschen der Sudetendeutschen Volksgruppe umgegangen wurde.
Ein Besuch der Burg Tittmoning mit einer ca. 2stündigen Führung sowie der Besuch der "Sudetendeutschen Heimatstube" (allerdings nur nach vorheriger Anmeldung) ist auf jeden Fall sehr zu empfehlen.

2 Kommentare

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Wir waren Heimatvertriebene,ich war zwar noch ein Kind aber so etwas bleibt ewig in Erinnerung .Bei uns wurde nicht lange gefackelt ,es hieß nehmt Sachen mit für 2Wochen ,dann seit ihr wieder zu Hause,aber jetzt los dIe Russen kommen.Ja und das war 1945
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Meine Eltern und ich gehören zu den Vertriebenen aus dem Sudetenland (Georgswalde). Von Ebersbach Sachsen führte eine Straße mit einem Schlagbaum ins Tschechische. Mit einem Fußmarsch wären meine Eltern und Omi in Ihrem Haus und in der Fahrradwerkstatt vom "Radeldießner" gewesen.Vergeblich... sie standen an der Grenze, schauten " nieber" und weinten. So erlebte ich die Vertreibung als Kind. Nach der Öffnung sind unsere Eltern, die bald nach Kriegsende in die Uckermark gezogen waren und dort Bodenreformland bekamen um eine Gärtnerei zu errichten,mit jedem ihrer Kinder ins Bimsche gefahren und haben Ihr Leben dort für uns lebendig werden lassen.Wir besuchten den Friedhof.mit der Grabstelle unseres Opas, die Kirche .in der ich getauft wurde,die Geschäfte und die Gasthäuser. Beeindruckt war ich von den großen Schulgebäuden.Meine Eltern hatten eine gute Schulbildung, waren vielseitig int.
..eressiert und vermissten sehr ihre verlorenen Kultur. Es gab keine weiteren Sudetendeutschen in der Nähe. Die umgebendee Bevölkerung verstand nicht ihre Sprache .Es gab noch verschiedenes Plattdeutsch.Hochdeutsch sprachen nicht viele. Wir Kinder lernten es in der Schule.Ich lernte nicht meine Muttersprache, obwohl zu Hause so gesprochen wurde. Ich wuchs zweisprachig auf. Passte mich den Kulturen an. ich erlebe noch heute, wenn ich im Rentnerkreis über meine Herkunft berichte Erstaunen über meine Herkunft.
Ich bin traurig, weil alle in meiner Familie gestorben sind, die diesen Dialekt gesprochen haben .
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