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Lallinger Obstwinkel

Thomas und Luzia

Von wize.life-Nutzer - Mittwoch, 09.12.2015 - 16:20 Uhr

Wilde Gestalten wüteten früher in der Adventzeit
Der „blutige Thamerl“ erchreckte in der Hofmark Lalling die bösen Kinder

Alte Bräuche waren früher im Lallinger Winkel sehr präsent - Thomas-Nacht „Schlüsselrolle"


von Gerard Zacher

Deggendorf/ Lalling --Der „blutige Thamerl“ -in weißen Linnen-

zog früher im Lallinger Winkel

in der Adventzeit blutbefleckt von Haus zu Haus, bat um Gebete, aber auch

um Gaben. Am St.Nikolaus-Tag (6.Dezember) ermahnte der Heilige mit seinem

Knecht Ruprecht die Kinder bis zum Christfest recht brav zu sein.

In der Zeit vom 12. Dezember (13.Dezember ist Luzier-Tag) bis zum 21. Dezember, dem

früheren Thomastag trieben früher viele wilde Gestalten ihr eigenartiges Unwesen. Seit dem neuen

Heiligenkalender wird freilich der Thomas schon im Juli gefeiert, die alten Bräuche

kommen da arg durcheinander.


Im Lallinger Obstwinkel war mit dem „Luziertag“ früher manches Brauchtum ver-

bunden. Die sogenannte „Thomasnacht- eine Raunacht- glat als „gespenstisch“. Und

viele hatten Sehnsucht nach der weissen Pracht, dem Schnee. Sobald es schneite, be-

obachteten die Lallinger die Hühner: Hauten diese mit ihren Schnäbel gegen Holz,

war Kälte angesagt und der Schnee blieb erhalten. Wenn die Schneeflocken wirr herab-

taumelten sagten die Lallinger: „Müller und Bäcker raufen sich wieder einmal“. In

Anlehnung an „Frau Holle“ ließen die Lallinger Petrus die „Betten ausleeren“. Beim

Kampf der Müller und Bäcker kam es darauf an, ob der „Host“ schon trug, der Schnee

also stark gefroren war; in diesem Falle hatten die Bäcker, die gestaltend tätig waren

die Oberhand. Und es ging die Sage um, daß sich der Schnee vom Herrgott seine Farbe

hätte aussuchen können, doch alle schillernden Farben schienen vergeben: Das

leuchtende Rot an die Rose, das anmutige Grün an das Gras, das hinreissende Blau

an die Veilchen und das ins Auge springende Gelb an die Sonnenblumen. Nur ein

„weißes Glöckchen“ - das spätere Schneeglöckchen wollte sich des Schnees erbarmen.

Seither soll der Schnee die anderen Blumen nicht besonders mögen. In Lalling sorgte

er jedoch dafür , daß die Schneeglöckerlwiese im beginnenden Frühjahr reich

aufblühte.

Die „Thomasnacht“nahm im Lallinger Winkel eine Schlüsselrolle ein: Die jungen

Bursche warfen mit Prügeln herum. Und sie sollten um Mitternacht die Krone

eines Zwetschgenbaumes treffen mit dem Ruf: „Hund bell, zeig mir die Richtung“.

Wurde daraufhin Hundegebell -aufgrund der lauten Geräusche“ hörbar, so

achtete der Bursch auf die Richtung , denn dort soll seine „Künftige“ ihre Behausung

gehabt haben.

Der blutige Damerl oder Thamerl wütete früher in der Lallinger Hofmark ganz

schön. Der große Kirchenlehrer Thomas von Aquin oder der Apostel Thomas

sollen dazu nur den Namen hergegeben haben. Denn heidnisches Brauchtum bildete

die Grundlage. Und es kam hinzu, daß der Thomastag auch als „Schlachttag“ -also

als „blutiger Tag“ galt. Die Sau, „der Weihnachter“ mußte an diesem Tage dran-

glauben, damitg es an den Festtagen genügend frisches Fleisch sowie Blut- und

Leberfwürste gab . Das Sauerkraut dazu war längst eingestampft und wartete als

schmackhafte vitaminreiche Beilage.


Der „Damerl“ war bei den Kindern eine gefürchtete Schreckensgestalt, in weiße Leinen-

tücher gehüllt, die mit rotem Blut befleckt waren. Auch hatte er Ketten umgebunden,

mit denen er laut rasselte.


Manchmal kam der „Damerl“ mit der „Luzier“. In der Regel trat die Luzier aber

alleine auf, evtl. noch von einer „Hobergoaß“ begleitet. Die heilige Lucia ( Lux = Licht)

erlitt um 304 in Syrakus den Martyrertod, sie wurde enthauptet. Bei uns wird sie mit

der heidnischsen Perchta (Licht) vermengt, so hatte die Luzier im Lallinger Winkel

auch viele Züge der alten Göttin angenommen. In der Luziernacht konnte man sich

nicht wie in anderen Raunächten mit geweihten Gegenständen vor Zaubersprüchen

und Hexereien schützen. Die Lallinger verlängerten an diesem Abend das

Abendgebet etwas, um doch noch den göttlichen Schutz in dieser Nacht zu erreichen.

Manche Bäuerin räucherte ähnlich wie an Drei König das ganze Haus samt Stallung

aus, mit Weihrauch und dem würzigen Holz von Schlehen. Die Begleiter riefen die

heilige Luzia um Fürbitte bei Gott an, in dieser ungewöhnlichen Nacht -und den ganzen

Winter über - das Haus und die Familie vor bösen Einflüssen zu bewahren. Die Weber

Marie von der Lallinger Reibn erzählte immer von einem „Luzier-Licht“, das über

manchen Haus in dieser Nacht tänzelte. Sofern es sich in einen Totenkopf verwandelte,

soll in diesem Haus bald ein Bewohner gestorben sein. Das Luzierlicht konnte aber

auch Gutes bedeuten, so bei hellem Aufleuchten kündete es eine Geburt oder eine

Hochzeit an.


Die „umgehende Luzier“ hatte mit einer Heiligen nichts gemein. Für die Kinder war die

„fetzige Gestalt“ zum FÜRCHTEN, die Eltern drohten -ähnlich wie beim Nikolaus -

schon das ganze Jahr über mit der Luzier, wenn die Kinder nicht artig waren. Zu

sehen bekamen sie die Kinder freilich selten. Sie war mit einem wallenden weißen Bett-

tuch bekleidet und sie hatte eine Sichel in der Hand, die sie mit einem Stein wetzte. Sehr

bösen Kindern drohten die Eltern, sie werde ihnen den Bauch aufschlitzen, um Stroh

und Kieselsteine hineinzulegen, sollten sie ihr böses Tun nicht sein lassen. In der Regel

ermahnte die Luzier die Kinder, öfter zu beten und sie schenkte ihnen -wie konnte es

im Lallinger Obstwinkel anders sein- Winteräpfel - sofern sie brav waren. gz

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1 Kommentar

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Lauter Bekannte in diesem Bericht, danke.
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