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Gleis 17 in Berlin-Grunewald
Gleis 17 in Berlin-GrunewaldFoto-Quelle: Foto: Klaus Tolkmitt

Mahnmal Gleis 17

Von wize.life-Nutzer - Donnerstag, 24.01.2019 - 16:42 Uhr

Stillgelegtes Gleis am Bahnhof Grunewald erinnert an Opfer der Nazizeit

Täglich rollen unzählige S-Bahn-Züge zwischen Potsdam und Berlin durch den Bahnhof Grunewald und befördern tausende Menschen in beide Richtungen. Nur wenige wissen, dass von diesem Bahnhof 50.000 deutsche Juden deportiert wurden. Der erste Deportationszug verließ den Bahnhof Grunewald am 18. Oktober 1941 mit 1.013 Juden. Danach begann die systematische Deportation der Juden aus Berlin. Bis April 1942 fuhren die Züge hauptsächlich in die osteuropäischen Ghettos nach Litzmannstadt, Riga und Warschau. Ab Ende 1942 waren fast nur noch das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und das Konzentrationslager Theresienstadt das Fahrtziel. Allein in die „Todesfabrik Auschwitz“ fuhren etwa 35 Züge mit 17.000 Juden vom Bahnhof Grunewald ab.

Die Rolle, die die Deutsche Reichsbahn im Holocaust spielte, blieb lange unbeantwortet. Erst ab den 1980er Jahren wurden in Erinnerung an dieses Kapitel der deutschen Geschichte Mahnmale errichtet. Das Mahnmal „Gleis 17“ am Bahnhof Grunewald erinnert an die Opfer, die von diesem Gleis mit Zügen der Deutschen Reichsbahn aus Berlin deportiert wurden. Seit 1991 steht an der Rampe zum Güterbahnhof eine Betonmauer mit Negativabdrücken menschlicher Körper. Das vom polnischen Künstler Karol Broniatowski geschaffene Mahnmal soll an die langen Wege und Märsche zu den Deportationsbahnhöfen erinnern.

Am Gleis 17 sind 186 Stahlgussplatten in den Bahnschotter eingelassen und zeigen in chronologischer Reinfolge Datum, Anzahl der deportierten Juden und deren Bestimmungsort. Bestandteil des Mahnmals ist auch die Vegetation, die sich zwischen den Schienen verbreitet hat. Sie soll uns daran erinnern, das von diesem Gleis nie wieder ein Zug den Bahnhof verlassen wird.

Die Deutsche Bahn hofft, dass das Mahnmal mit dazu beiträgt, dass die Verbrechen während der nationalsozialistischen Herrschaft nicht vergessen werden. Das Mahnmal ist ein Ort der Erinnerung, der Mahnung und des Gedenkens. Regelmäßig finden hier Gedenk- und Erinnerungsveranstaltungen statt. Gleis 17 ist öffentlich zugänglich und über den S-Bahnhof Berlin Grunewald zu erreichen. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

2 Kommentare

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50.000 Menschen deportiert und getötet, obwohl sie Deutsche waren, nur einen anderen Glauben angehörten.
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Ein eindrucksvolles Denkmal, das in seiner Schlichtheit das Grauen der Deportierten erahnen lässt.
Es ist nicht so aufgeräumt und clean wie das KZ Oranienburg, das sich in der Nähe Berlins befindet. Es fällt schwer in diesem Lager die Leiden der Inhaftierten nachzuvollziehen.
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