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Altersgerecht wohnen heißt immer auch Selbstständigkeit bewahren
Altersgerecht wohnen heißt immer auch Selbstständigkeit bewahrenFoto-Quelle: Marco2811 - Fotolia

Wohnen im Alter - Weiter selbstständig bleiben mit diesen unsichtbaren Helfern

Von News Team - Freitag, 17.05.2019 - 13:43 Uhr

Wenn die Bewohner des Seniorenstifts nachts mal auf die Toilette müssen, gehen für sie die Lichter an, ganz automatisch. Sensoren am Lattenrost erzeugen ein elektromagnetisches Feld. Sobald der Bewohner aufsteht, verändert sich die Spannung, ein Signal wird ausgelöst.

Andere Sensoren messen die Helligkeit. Ist es dunkel, werden die Lichter eingeschaltet. Erst, wenn der Rentner zurück im Bett ist und das elektromagnetische Feld seinen Ursprungszustand erreicht, gehen die Lichter wieder aus.

Zukunftsmusik? Mitnichten. In einem Seniorenheim in Hessen ist das längst Gegenwart. Senioren, deren Wohnung mit dieser Technik ausgestattet ist, fühlen sich bei nächtlichem Licht sicherer. „Natürlich kann ich auch bei Licht hinfallen“, sagt ein Bewohner. „Aber dann tappe ich nicht im Dunkeln herum, um die Notfallstrippe zu finden, mit der ich Hilfe holen kann.“

Selbstständigkeit im Alltag erhalten

Ambient Assisted Living, kurz AAL, heißen solche Systeme. Diese „Alltagstauglichen Assistenzlösungen für ein selbstbestimmtes Leben“, dienen dazu, älteren Menschen daheim oder in Pflegeeinrichtungen so lange wie möglich die Selbstständigkeit im Alltag zu ermöglichen. Gleichzeitig entlasten sie Angehörige oder das Pflegepersonal.

Im Gegensatz zum Smart Home, das vor allem auf Komfort ausgerichtet ist, geht es bei vielen AAL-Systemen um das Thema Sicherheit. Konkret könnte das so aussehen: Eine Sensorenmatte unter der Matratze misst die Qualität des Schlafs. Medizinische Probleme lassen sich so frühzeitig erkennen. Die Matratze selbst misst Bewegungen und warnt bei Gefahren, etwa dann, wenn der Liegende droht, aus dem Bett zu stürzen.

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Auch das Nachtkästchen ist intelligent: Es leuchtet auf und erinnert daran, dass Medikamente eingenommen werden. Dabei registrieren Sensoren genau, ob Schubladen und Pillendose geöffnet wurden und speichern die Information für den Pflegedienst oder Angehörige.

Gesundheitswerte im Spiegel checken

Im Badezimmer ist die Waage mit einer Sprechfunktion ausgestattet, der Spiegel zeigt wichtige Gesundheitswerte an und erinnert nochmals an die Einnahme der Medikamente. Und ans Zähneputzen. Das WC kann beim Toilettengang auf Wunsch eine Urinprobe nehmen und diese sofort analysieren.

Stützt man beim Toilettengang auf die Armlehnen, messen diese Blutdruck, Plus, Blutzucker und Sauerstoffsättigung. Die Daten erscheinen auf einem Flachbildschirm neben der Toilette und können direkt an den Hausarzt geschickt werden.

Lernende Systeme

Bei einem Sturz schlägt der mit Sensoren ausgestattete Fußboden sofort Alarm. Auch wenn keine Bewegung in der Wohnung stattfindet, etwa weil der Bewohner im Bett ohnmächtig wurde, werden Angehörige oder das Pflegepersonal informiert. AAL-Systeme sind so ausgelegt, dass sie lernen können. Sie merken sich Bewegungsabläufe und wie lange bestimmte Handlungen in der Regel dauern. Bei größeren Abweichungen von der Norm schlagen sie Alarm.

Das Szenario ließe sich noch beliebig fortsetzen, auch in der Küche, wo der Herd mit einer Zeitschaltuhr ausgestattet ist, was das Überhitzen von Herdplatten verhindert. Und Sensoren im Kühlschrank erfassen, ob der Bewohner regelmäßig Nahrung zu sich nimmt. Fehlen Grundnahrungsmittel wie Milch, Eier oder Butter bestellt der Kühlschrank Nachschub beim nahegelegenen Supermarkt.

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Die Haushaltstechnik, also Rollladen, Heizung oder Haustürkamera lässt sich zentral steuern, beispielsweise über einen Touch-Screen-Computer wie PAUL. Das System wurde in Kaiserslautern probeweise in 20 Modellwohnungen eingebaut. „Die Akzeptanz von PAUL ist groß“, sagt Annette Spellerberg, Professorin an der TU Kaiserslautern. Sie untersucht, wie intensiv die Bewohner die intelligente Technik nutzen. „Die Leute kommen mit PAUL gut zurecht und wollen weitere Funktionen haben.“ Wichtig sei aber, dass Menschen da sind, die die Technik erklären und sich um Probleme kümmern.

Im Bereich AAL ist technisch heute sehr viel möglich. Auch, dass die Lösungen sinnvoll sind, weil sie das Pflegepersonal entlasten und selbst pflegebedürftigen Senioren mehr Selbstständigkeit gewähren, steht außer Frage. Dennoch sind die Systeme in Wohnungen oder Pflegeeinrichtungen noch nicht weit verbreitet. Zu hoch sind noch die Anschaffungskosten (was sich bei einer Massenverbreitung ändern würde), und zu groß sind auch noch die Vorbehalte in Teilen der Gesellschaft, gerade, was die Daten-Sicherheit angeht.

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Experten sind sich dennoch sicher, dass an AAL in Zukunft kein Weg vorbei führt. Und auch, was die Akzeptanz angeht, sehe man Fortschritte in der Gesellschaft. „Gegenüber digitalen Lösungen für Armaturen, Duschen oder Badewannen, die zur Entspannung und Unterhaltung beitragen, sind die Endverbraucher heute ebenfalls viel aufgeschlossener als noch vor einigen Jahren“, sagt Jens Wischmann, Sprecher der Aktion Barrierefreies Bad. „So gesehen ist es zum smarten Bad mit integriertem Gesundheitsdienst kein großer Schritt mehr.“

Gerade im Bad gibt es viele Möglichkeiten, um mit technischen Helfern das Leben zu erleichtern
Jrg Lantelme - FotoliaGerade im Bad gibt es viele Möglichkeiten, um mit technischen Helfern das Leben zu erleichtern

Davon überzeugt ist auch Bernd Klein, Geschäftsführer der Firma Cibek, die Gebäude mit intelligenter Technik ausrüsten. „Die Haupthürde“, sagt er, „ist momentan einfach die Finanzierung und die gesellschaftliche Wahrnehmung. In den letzten Jahren sehe ich aber eine starke Bewegung und ich denke, in den nächsten zwei Jahren stehen wir vor der Massenverbreitung.“

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