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Geschichten aus der Praxis: Wenn der Apfel einen Beipackzettel hätte

Von Ina Gesellensetter - Donnerstag, 26.07.2012 - 08:33 Uhr

Es ist schwül. Ich habe üble Kopfschmerzen. In der Apotheke verlange ich eine kleine Packung Paracetamol. Doch statt mich meine zehn Tabletten zu 500 mg einfach kaufen zu lassen,  werde ich erst einmal aufgeklärt. Darüber, dass ich gerade im Begriff bin, mich zu vergiften und meine Leber und meine Nieren nachhaltig schädigen könnte. Muss das sein?

Zu Risiken und Nebenwirkungen...

Damit kein falscher Eindruck entseht: Ich bin nicht gegen Aufklärung. Weder beim Arzt noch beim Apotheker. Aufklärung ist unbedingt notwendig und kann im Einzelfall schwere Komplikationen verhindern. Allein: Die Art und Weise entscheidet!

Und damit komme ich zurück zu meinem Paracetamol. Dieses schmerzlindernde und fiebersenkende Medikament ist seit über 60 Jahren weit verbreitet, da es zuverlässig in seiner Wirksamkeit und gut verträglich ist. Seit 1977 steht es auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Zu Recht. Und doch ist es eine regelrechte Mode geworden, alle paar Jahre geradezu hysterisch darüber zu berichten, wie gefährlich Paracetamol doch ist und wie dramatisch seine möglichen Nebenwirkungen sein können.

Richtig ist: Es handelt sich um ein Medikament, nicht um Smarties. Regeln zur Dosierung müssen eingehalten werden. Man kann sich nämlich tatsächlich mit Paracetamol vergiften. Allerdings wird dies nicht mit der gelegentlichen Kopfschmerztablette von 500 mg gelingen, auch nicht mit den zwei Tabletten täglich bei Fieber. Eine ganze Packung hingegen kann zu schweren Leberschädigungen, ja sogar bis zum Tod führen.

Vermutlich ist diese Tatsache auch der Grund für die regelmäßig laut werdende Kritik. Denn so wirksam das Präparat auf der einen Seite ist,  Paracetamol ist auch die weltweit häufigste Ursache für akutes Leberversagen -  sei es nach gezielter Einnahme im Rahmen von Selbstmordversuchen oder  weil ein Patient die Wirkungen (und Nebenwirkungen) frei verkäuflicher Medikament deutlich unterschätzt hat. Die Apotheke  ist daher durchaus in der Pflicht, die Kunden aufzuklären - nur, bitte, sachlich sollte es sein.

Panikmache hingegen halte ich für falsch. Zumal wir in Deutschland ja auch noch die obligatorischen Beipackzettel haben, auf denen alle, aber wirklich alle Nebenwirkungen aufgelistet sind, die unter Umständen durch das betreffende Medikament ausgelöst werden können. Können, nicht müssen! Denn Medikamente, die per  se eine Gesundheitsgefährdung darstellen, würden die extrem strengen Prüfverfahren nicht bestehen und erst gar nicht zum Verkauf zugelassen werden.

Vom Aspirin zum Aspartam

Darf ich mir einen kurzen Abstecher von der Apotheke in den Supermarkt gestatten?

Sozusagen vom Aspirin zum Aspartam? Letzteres kennen wir alle: Ein Süßstoff, der nicht dick macht und damit ungemein gesund ist. Oder? Die wenigsten wissen, dass Aspartam in größeren Mengen oder bei Menschen mit bestimmten Erkrankungen ganz nachhaltige Gesundheitsschäden verursachen kann: Asthma, Haarausfall, Schädigungen von Augen und Ohren, Impotenz, Migräne und Durchblutungsstörungen sind nur einige davon. Aspartam wird im Organismus auch zum Teil zu Formaldehyd abgebaut, dem man im allgemeinen keine gesundheitsfördernde Wirkung nachsagt. Aber: Aspartam hat keinen Beipackzettel, es besteht keine Aufklärungspflicht für den Verkäufer im Supermarkt und in der Werbung wird bei aspartamhaltigen Lebensmittel auch nicht an Arzt oder Apotheker verwiesen.

Beipackzettel für Gummibärchen?

Wenn es eine allgemeine Beipackzettelpflicht für alle Lebensmittel gäbe, müsste beispielsweise auf jedem Apfel stehen: „Kann in seltenen Fällen die Atmung stark beeinträchtigen und zum Erstickungstod führen. Kann bei Überempfindlichkeit zu schweren allergischen Reaktionen bis hin zum Schock und Kreislaufstillstand führen."

Solcherlei Eskalationen möchten wir uns alle nicht vorstellen, daher kann die Botschaft heute nur lauten: Information ist gut, Panik ist schlecht. Medikamente wurden prinzipiell dazu entwickelt, um uns - bei fachgerechter Anwendung- zu helfen, nicht zu schaden. Im Gegensatz zu so manchem Nahrungsmittelzusatz. Und wenn dennoch mal etwas unklar ist?

Dann gilt im Zweifelsfall immer: Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

 

Mehr Geschichten aus der Praxis lesen Sie hier:

http://www.seniorbook.de/themen/schl...geschichten

 

 

Bild: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt  / pixelio.de

2 Kommentare

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Erstickungstod durch Äpfel sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen! Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder die Sieben Zwerge!
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Ina Gesellensetter
Nachdem die Angaben über die Menge des vorhandenen Aspartams im Cola light unklar sind ( um nicht zu sagen: keine quantitative Angabe vorhanden! ), kann ich das nicht sagen. Aber es kann nicht viel drin sein, nachdem Du noch nicht blind bist!!!
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