Unentdeckte Glaukomfälle erkennen
Unentdeckte Glaukomfälle erkennen

Unentdeckte Glaukomfälle erkennen

Low-Vision-Kreis
Beitrag von Low-Vision-Kreis

Was fort ist, ist fort:


Was Rheinländer gerne den Artikel 4 ihres „Grundgesetzes“ nennen, ist für Glaukomkranke eine bittere Erkenntnis: Glaukomatöse Sehverluste sind unwiederbringlich verloren. Die Weltglaukomwoche, 9.-15.März, ruft zum Sehnervcheck auf.
Augenärzte raten insbesondere Patienten mit erhöhtem Glaukom-Risiko zu regelmäßigen Früherkennungsuntersuchungen. „Wenn direkte Verwandte wie Eltern oder Geschwister am Glaukom leiden, sollte man die Möglichkeiten der Früherkennung unbedingt nutzen“, erläutert Prof. Franz Grehn, Präsident der World Glaucoma Association und Direktor der Universitätsaugenklinik Würzburg. „Ebenso sind kurzsichtige Menschen und generell alle Menschen ab dem Alter von 40 Jahren einem erhöhten Risiko ausgesetzt, am Glaukom zu erkranken.“ Weitere Risikofaktoren sind ein erhöhter Augeninnendruck, eine dünne Hornhaut des Auges und niedriger Blutdruck. Personen, die von einem oder mehreren dieser Faktoren betroffen sind, rät der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) deshalb zu regelmäßigen Sehnerv-Checks. Da die Symptome meist erst spät bemerkt werden, betrage die Dunkelziffer unerkannter Glaukome nach wie vor etwa 50 Prozent, gibt Grehn zu bedenken.

Sehnerv-Check
„Ein Sehnerv-Check in der Augenarztpraxis ist die einzige Chance, die Krankheit schon in einem so frühen Stadium zu entdecken, in dem noch keine Beeinträchtigungen entstanden sind“, betont Grehn. Zusätzlich wird der Augeninnendruck gemessen. Die alleinige Messung des Augeninnendrucks – in der Öffentlichkeit häufig mit Glaukomvorsorge gleichgesetzt – reiche nicht aus, um ein Glaukom zu erkennen, unterstreicht Grehn. „Ist der Sehnerv intakt, der Augeninnendruck aber über der Normgrenze, spricht man nicht von Glaukom, sondern von okulärer Hypertension. Sie beinhaltet zwar ein erhöhtes Risiko der Glaukomentstehung, muss aber nicht in jedem Fall behandelt werden. Umgekehrt ist bei etwa 30 Prozent der Glaukomfälle der Sehnerv geschädigt, obwohl der Augeninnendruck nicht erhöht ist. Dann handelt es sich um ein Normaldruckglaukom.“ Diese Fälle würden bei einer alleinigen Augendruckmessung übersehen.
Wird die Krankheit rechtzeitig erkannt, dann lässt sich mit Augentropfen, einer Laserbehandlung oder in schweren Fällen mit einer Operation ihr Fortschreiten stoppen und das Augenlicht langfristig erhalten.


Weltglaukomwoche vom 9. bis 15. März
Vom 9. bis 15. März 2014 findet die 6. Weltglaukomwoche statt, organisiert von der World Glaucoma Association (www.worldglaucoma.org) und der World Glaucoma Patient Association (www.worldgpa.org). Im Vordergrund stehen Bemühungen, bislang unentdeckte Glaukomfälle zu erkennen – dazu sind weltweit große Anstrengungen erforderlich. „B-I-G – Beat Invisible Glaucoma“ (Unsichtbare Glaukome besiegen) lautet deshalb der Slogan für die diesjährige Kampagne (www.wgweek.net).


Quellen: BVA
Foto: BVA/Busse