Mit Chinesen gegen den Pflegenotstand
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Mit Chinesen gegen den Pflegenotstand

Beitrag von wize.life-Nutzer

Im Reich der Mitte werden Kleinstädte für Senioren aus ganz Europa geplant. Können wir den Pflegenotstand bald vergessen? Droht klein Mangel mehr an Fachkräften?

Klare Antworten dürfte es bereits Ende des Jahres geben, wenn die früheste Erfahrungen mit chinesischen Altenpflegern und Krankenschwestern vorliegen. Die ersten 150 gut ausgebildeten Betreuer kommen gegen Monatsende nach Deutschland; vermittelt durch die Bundesagentur und den Fachverband Pflege. Es sind gleichsam die Pioniere aus dem Riesenreich, denn allein 50 000 junge Leute werden derzeit in China allein für den deutschen Sprachraum entsprechend ausgebildet. Für die ganze Welt sollen rund 800 000 angehende Schwestern und Pfleger dieses Schulungsprogramme absolvieren. Am Beginn des ersten Semesters stand für die 19jährige Mai Wang eine Namensänderung: ab diesem Tag wurde sie nur noch Schwestet Susi gerufen. Nicht anders erging es ihren Kolleginnen.

Ein Großteil des Unterrichts erfolgte dann in deutscher Sprache. Fachleute der Nürnberger Agentur sind beeindruckt von der Breite des pflegerischen und medizinischen Studiums. Längst ist der Standart des Gesundheitswesens etwa in Shanghai mit dem hiesigem Leistungsniveau vergleichbar. Ein Großteil der teuersten und modernsten Tomographen, die ohne die gefürchtete Röhre auskommen, verkauft Siemens nicht auf dem heimischen Markt, sondern zu rund 80 Prozent nach Fernost. Unsere Kliniken haben dafür kaum mehr Geld. Hinzu kommt: in der 5 000 Jahre alten Kultur war die Verehrung des Alters, der Respekt vor den Lebensleistungen der Senioren, ein gesellschaftlicher Grundkonsens. Daran haben weder Kommunismus noch Kapitalismus etwas geändert.

Der mit der Muttermilch aufgenommene Erwerbssinn war aber sicher ein Grund für dieses ehrgeizige Ausbildungsprogramm. Wie in vielen anderen Wirtschaftsbereichen erkennen chinesische Manager schnell neue Märkte und die Politik richtet ihre Planungen schon jetzt auf das Jahr 2050 aus. Dann beginnt mit voller Wucht ein dramatischer Bevölkerungsrückgang. In 40 Jahren dürfte die Einwohnerzahl in der Volksrepublik von derzeit geschätzt 1,3 Milliarden auf 900 Millionen gesunken sein. Das sind die Folgen der gewollten, kürzlich aber praktisch wieder aufgehobenen 1-Kind-Politik. Dann braucht man selbst Pflegekräfte, weil sich die heute immer noch stark geprägte Agrargesellschaft wandelt und damit der enge Zusammenhalt der Grossfamilie verkümmert.

Die Planer in Peking denken aber nicht nur an den wachsenden eigenen Bedarf, sie haben auch eine interessante Geschäfts-Idee. Derzeit plant man schon in landschaftlich reizvollen Regionen den Aufbau deutscher, europäischer Kleinstädte, für jeweils etwa 30 000 Einwohner. In der "deutschen Stadt" soll es dann beispielsweise einen Bäcker aus Österreich, einen Metzger aus Niederbayern und vielleicht auch einen evangelischen Pfarrer aus dem Norden geben. Die Bewohner sollen sich fühlen wie daheim. Und die dann mit den teutonischen Ansprüchen bestens vertrauten Pflegekräfte, die alle wieder nach etwa fünf Jahren heimkehren werden, verstärken das Gefühl, man sei ja doch fast zuhause .

Auch wenn in China die Löhne gestiegen sind und weiter steigen dürften, garantiert das perfekte Organisation-Talent mit Sicherheit eine Preisgestaltung die deutlich günstiger ist, als hierzulande. Nun mag dieses Projekt manchem zu abenteuerlich erscheinen. Doch erfunden hat es letztlich ein Deutscher, nämlich der ehemalige, leider zu früh verstorbene Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Prof. Dr. Norbert Walter. Vor etwa 30 Jahren errechnete der gelernte Ökonom, das die Zeit bald vorbei sei, in der man sich auf willige und billige Pflegekräfte aus dem Osten verlassen könne. Ausserdem - so Prof. Norbert Walter - gäbe es praktisch in allen europäischen Ländern, vor allem auch in Osteuropa - einen Bevölkerungsrückgang.

Damit sinke die Zahl der geeigneten Nachwuchskräfte um die sich dann alle Staaten prügeln würden. Die Akademie der Wissenschaften in Peking hat diese Studie sofort aufgegriffen und Konzepte und Kalkulationen entwickelt, ob man eine Schlussfolgerung des weltweit anerkannten Volkswirts in China realisieren könne. Prof. Walter hatte als denkbaren Standort für solche Pflegeangebote Ägypten im Auge, mit einer brandgefährlicher Jugendarbeitslosigkeit. Doch in einem vom Islam geprägtem Land wäre das nicht realisierbar gewesen. Anders in China, das mit bayrischer Lebensart durchaus vertraut ist. Bayern München ist im chinesischen Toto ebenso beliebt wie die Live-Übertragungen fast aller seiner Spiele im Fernsehen. BVMW und Audi beherrschen die Autobahnen des Riesenreiches. In Shanghai gibt es ein großes "Hofbräuhau", besonders bei der Jugend begehrt.

Ein Bäcker aus dem Landkreis Straubing, ein Brauer aus Vilshofen und ein Metzger aus Regensburg betreiben mit großem Erfolg das Wirtshaus. Schließlich wächst eine weltoffene Rentner-Generation heran, die beispielsweise in ihrer Studienzeit mit der Mao-Bibel in der beliebten Gruppe "Roz-Med" (Rote Zelle Medizin) herumfuchtelte um dann die goldenen Zeiten für Ärzte noch kräftig mit zu erleben. Für sie - ironisch gesagt - wäre es die Heimkehr in das gelobte Land.

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