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Demenz - Viele gemeinsame Momente genießen

Demenz - Viele gemeinsame Momente genießen

Sozialverband VdK Bayern e.V.
16.05.2014, 09:08 Uhr

Für Angehörige von Demenzkranken gibt es bei der VdK-Pflegeakademie Hilfe

Der Verfall der geistigen Fähigkeiten: Darunter leiden aktuell etwa 180 000 Demenzkranke in Bayern. Für die Krankheit gibt es bis jetzt keine Heilung. Umso wichtiger ist es, den Betroffenen ein würdevolles Leben zu ermöglichen. Seit Josef Franzen im vergangenen Jahr einen Kurs für pflegende Angehörige in der VdK-Pflegeakademie in Neuburg an der Donau besucht hat, weiß er, dass es wichtig ist, gemeinsam mit dem kranken Partner den Tag zu strukturieren und sich Momente des Glücks zu bewahren.

Josef Franzen muss seine eigenen Kräfte gut einteilen, um die Pflege seiner Frau Barbara noch längere Zeit bewältigen zu können. „Ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste“, sagt der 78-Jährige. Der Umgang mit seiner 76-jährigen Frau erfordert viel Zeit und Geduld. Sie muss rund um die Uhr betreut werden. Wer bin ich? Wo wohne ich? Es sind solche elementaren Fragen, die Menschen mit Gedächtnisverlust irgendwann nicht mehr beantworten können.

Und so war es auch bei Barbara Franzen aus Traunreut. Ein Schlüsselerlebnis war, als plötzlich Mitarbeiter des örtlichen Rettungsdienstes an der Wohnungstür klingelten. Barbara Franzen war mit dem Rad unterwegs und hatte nicht mehr nach Hause gefunden. „Irgendwer hatte den Rettungsdienst alarmiert“, sagt ihr Mann. „Meine Frau ist wohl völlig hilflos in der Stadt herumgeirrt.“ Dann dämmerte ihm, dass sie schon seit längerer Zeit sehr vergesslich war. „Barbara hat oft viele Dinge verlegt und gar nicht mehr wiedergefunden“, erzählt er. Dabei sei sie früher so ordnungsliebend gewesen und habe alles „mit links“ gemacht. Die Frage eines Mitarbeiters des Rettungsdienstes habe ihn endgültig stutzig gemacht: „Warum weiß ihre Frau nicht, wann sie geboren ist?“

Völlig auf den Partner fixiert

Josef Franzen ging mit seiner Frau zuerst zum Hausarzt, dann zum Nervenarzt, der schnell die Diagnose Alzheimer-Demenz stellte. Das war vor drei Jahren. Seitdem ist die Krankheit immer weiter fortgeschritten. Josef Franzen weiß, dass es nicht mehr besser wird, eher schlechter. Und er hat sich schon darauf eingestellt. „Bis jetzt kann ich die Aufgabe noch bewältigen. Ich hoffe, dass ich meiner Frau immer eine Stütze sein kann“, betont er. Die 76-Jährige ist völlig auf ihn fixiert, benötigt seine Hilfe von früh bis spät. Mittlerweile hat sie Pflegestufe 1.

Demenz raubt den Patienten ihre Selbstständigkeit und macht sie orientierungslos. Im Frühstadium der Krankheit vergisst man alltägliche Handlungen. Fragen und Erzählungen werden oft wiederholt, und besonders das Kurzzeitgedächtnis verschlechtert sich immer mehr, später ist auch das Langzeitgedächtnis eingeschränkt. Früher kümmerte sich Barbara Franzen alleine um den Haushalt, heute tut es ihr Mann – und bindet sie in alle Tätigkeiten mit ein. Er lobt, wenn sie gemeinsam kochen oder Staub wischen, geht mit ihr einkaufen – mit einer Engelsgeduld. Er hilft ihr beim Duschen und auf der Toilette. Und freut sich über jeden Handgriff, den sie alleine bewältigen kann.

Gerade für Menschen mit Demenz ist es wichtig zu erleben, dass sie noch gebraucht werden und durchaus vieles können. Sie benötigen genauso wie ein gesunder Mensch Erfolge im Alltag. „Ständige Kritik gibt dem Demenzkranken das Gefühl, dass er nichts mehr kann und nicht ernst genommen wird. Daraus können aggressive Verhaltensweisen resultieren. Besser ist es, abzulenken und sich auf Tätigkeiten zu konzentrieren, die der Demenzkranke noch gut kann – und da gibt es oft vieles. Wie bei Frau Franzen gemeinsame Küchen- oder Gartenarbeiten“, erklärt Yvonne Knobloch, Leiterin der VdK-Pflegeakademie.

Dort, an der Akademie für pflegende Angehörige des VdK Bayern im Geriatriezentrum Neuburg an der Donau, hat Josef Franzen zusammen mit seiner Frau, die VdK-Mitglied ist, im vergangenen Jahr einen Pflegekurs besucht und viele wertvolle Tipps erhalten. Er bekam Hilfe von erfahrenen Experten, während seine Frau im Geriatriezentrum liebevoll versorgt wurde. So konnte Josef Franzen Kurse besuchen, individuelle Fragen stellen, Hebe- und Lagerungstechniken einüben. „Heute gebe ich meiner Frau einfach immer Recht. Das macht alles einfacher“, sagt er und lacht dabei. „Na, was will ich machen? Ich möchte ja nicht, dass wir miteinander streiten.“

Angesichts der Krankheit seiner Frau ist das die beste Lösung. „Die Verhaltensweise von Herrn Franzen ist für Angehörige von Demenzkranken genau richtig“, erklärt Yvonne Knobloch. „Nicht diskutieren – die Inhalte kommen oft nicht mehr an“, sagt sie. Josef Franzen hat schon ein gutes Gespür, was seine Frau noch beachtet – und was nicht mehr. Wenn er ihr sagt, dass sie ihre Sonnenbrille im Zimmer absetzen kann, macht sie das auch sehr schnell.

Chorprobe im Pfarrheim

Der Tag des Ehepaars Franzen, das schon seit mehr als 50 Jahren verheiratet ist, ist gut strukturiert. Um sechs Uhr aufstehen, dann frühstücken, einkaufen, kochen, ausgiebige Spaziergänge, fernsehen. Mehrmals in der Woche wird eine Cousine im Altenheim besucht. Manchmal kommen die Kinder, vor allem die jüngere Tochter, die Enkel und Urenkel zu Besuch. Außerdem fährt Josef Franzen seine Frau jede Woche mit dem Auto in die Chorprobe nach Trostberg ins Pfarrheim. Und an jedem Sonntag gehen beide in die Kirche. „Meine Frau hat eine sehr schöne Stimme“, schwärmt er. „Und sie ist so fröhlich, wenn sie singt.“ (Petra J. Huschke)

Akademie für pflegende Angehörige: Informationen und Anmeldung
VdK-Pflegeakademie, Yvonne Knobloch, Bahnhofstraße B 107, 86633 Neuburg a. d. Donau, Telefon: (08431) 58 02 65, E-Mail: yvonne.knobloch@geriatriezentrum.de oder beim VdK Bayern (Andrea Kreipe),
Telefon (089) 2117-125.

Schulungstermine 2014:
2. bis 7. Juni
21. bis 26. Juli
22. bis 27. September
20. bis 25. Oktober
24. bis 29. November

2 Kommentare

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Der Darm denkt mit ENTGIFTEN statt VERGIFTEN

  • 17.05.2014, 10:46 Uhr
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Hier finde finden Sie Antwworten, zu denen der VdK leider nicht fähig oder auch nicht gewillt ist.
  • 16.05.2014, 14:50 Uhr
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