Opfer oder lieber Täter?

Beitrag von wize.life-Nutzer

Wenn ich so darüber nachdenke, mag ich eigentlich weder Opfer noch Täter sein. Und doch entscheide ich mich, meist unbewusst, jeden Tag dazu, mal in die eine, mal in die andere Richtung. Was ist denn ein Opfer? Ein Opfer ist meiner Ansicht nach ein Mensch, der sich hilflos fühlt, der sich der Situation, der er ausgesetzt ist, machtlos gegenüber sieht. Er fühlt sich ausgeliefert. Er hat nicht mehr die Kontrolle über das, was mit ihm geschieht. Er fühlt sich ohnmächtig, klein, minderwertig. Als Depressiver habe ich eine hohe Affinität (Anziehung) zu der beschriebenen Opferrolle. Ich sehe mich und mein Leben als den Umständen ausgeliefert, nicht änderbar. Tatsächlich gab es mehrfach Situationen, in denen ich mich so fühlte. Das heißt aber nicht, dass es nicht Alternativen gegeben hätte. Einzig ich selbst habe keine Alternativen mehr gesehen und entschieden: Ich bin hilflos. Solange ich in der Opferrolle verharre, bin ich unfähig, mein Leben zu gestalten. Dann schwimme ich mit im Strom des Lebens und werde mal hier hin und mal da hin getrieben, ohne zu wissen, wohin die Reise gehen mag. Ich glaube daran, dass dies so seine Richtigkeit hat, dass dies mein Leben ist. Und dann ist mein Leben auch so. Ich habe es so entschieden. Was aber, wenn ich entscheide, nicht mehr nur Opfer zu sein? Was, wenn ich entscheide, selbst den Kurs zu bestimmen, selbst festzulegen, wo ich anlege und wo nicht?

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