Mein Wort zum Sonntag: Was ist Krankheit? Noch mehr Definitionen
Mein Wort zum Sonntag: Was ist Krankheit? Noch mehr DefinitionenFoto-Quelle: © ivan kmit - www.Fotolia.com

Mein Wort zum Sonntag: Was ist Krankheit? Noch mehr Definitionen

News Team
Beitrag von News Team

Wenn wir krank sind, haben wir eine Krankheit. Aber was ist das? Denken wir vielleicht gelegentlich noch in Kategorien des Mittelalters? Hier noch mehr Auffassungen und ihre Konsequenzen.

Auffassung (4): Krankheit ist eine Möglichkeit, etwas zu erreichen.

Bringt man Ihnen zu wenig Aufmerksamkeit entgegen? Möchten Sie einmal im Mittelpunkt stehen, gepflegt, gefüttert, umsorgt und betreut werden? Möchten Sie ausspannen, sich erholen, die Arbeitsstätte für einige Zeit meiden? Haben Sie genug vom Familienzank, von den täglichen Auseinandersetzungen am Abendtisch, von den Einschränkungen und geistigen Vergiftungen? Ganz einfach: Werden Sie krank! Nichts Ernsthaftes, aber doch ein bisschen mehr als die übliche Wintergrippe. In diesem Sinn wird Krankheit belohnt. Und die meisten Menschen wissen auch darum.
Die Konsequenzen dieser Auffassung sind ziemlich einfach. Was immer Sie mit Hilfe der Krankheit erreichen oder vermeiden wollen - versuchen Sie's doch einmal ohne Krankheit! So lernen Sie, Ihre Bedürfnisse zu erkennen und auch ohne Zwangsmaßnahmen durchzusetzen. Und wenn das in Ihrer Umgebung nicht möglich ist, dann wechseln Sie Ihre Umwelt.

Auffassung (5): Krankheit ist eine Störung des Kosmischen Gleichgewichts.

Diese Auffassung ist uns Abendländern fremd, die wir uns nur für uns selbst verantwortlich fühlen und gemäß dem Bibelspruch "Macht euch die Erde untertan" die Natur vergewaltigen. Sie ist aber typisch für manche östliche Kulturen. Die Chinesen beispielsweise haben schon in ihrem Jin-Jang-Symbol den Ausgleich der Kräfte verewigt. Da der Mensch nach chinesischer Auffassung kein vereinzeltes Individuum ist, sondern in eine größere Gemeinschaft eingebunden bleibt - in Familie, Gesellschaftsschicht, Staat, Natur und Kosmos - kann man eine menschliche Erkrankung auch nicht für sich betrachten. Also muss man das kosmische Gleichgewicht wiederherstellen. Wie man das macht? Da haben wir individualistische Abendländer Probleme. Nehmen wir als Beispiel die Krankheit einer Gesellschaft.
So leiden viele Länder Amerikas (Nord-, Mittel- und Süd-) an einer steigenden Kriminalität der Bevölkerung, besonders in den Großstädten. Wegen Kleinigkeiten werden Menschen zusammengeschlagen, wegen ein paar Dollar umgebracht. Wie kann man die Menschen von dieser sozialen Seuche befreien?
Man kann den Einzelnen einer Therapie unterziehen und hoffen, dass er als geheilt entlassen in Zukunft die Gewalt als Lebensform ablehnen wird. Was aber, wenn er oder sie tagtäglich diesem Phänomen begegnet? Wenn die Gesellschaft als Ganze gewalttätig ist? Dann muss man die Gesellschaft kurieren. Und das geht sicher nicht, wenn die Stützen der Gesellschaft - z.B. die Politiker - selbst mit schlechtem Beispiel vorangehen.

Auffassung (6): Krankheit ist eine Stufe auf dem Weg zur geistigen Höherentwicklung.

Auch die Mediziner haben inzwischen erkannt, dass sich etwas tun muss. So geht es nicht mehr weiter, denn die großen Krankheiten unserer Zeit - Krebs und Kreislauferkrankungen, Rheuma und Verschleißerscheinungen, Alkoholismus und Depressionen - sind mit den Mitteln der etablierten Medizin nicht heilbar. So breitet sich heute ganz langsam eine neue Auffassung von Gesundheit und Krankheit aus, von Heilen und Heil-Werden. "Holistische Medizin" heißt das Schlagwort, und in ihr kann Krankheit durchaus sinnvoll sein. Sie zeigt uns möglicherweise einen gangbaren Weg zu unserer Gesundung, also zur nächsten Stufe der Persönlichkeitsentwicklung. Daraus folgt: Akzeptiere Deine Krankheit, trage sie aus, fördere sie, lerne aus ihr und integriere die Erfahrungen, die du dabei machst, in deine Persönlichkeit.
Aber welche dieser Auffassungen ist "richtig", welche nützlich, welche moralisch vertretbar?
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