Mein Wort zum Sonntag: Mein Mega-Blasenstein
Mein Wort zum Sonntag: Mein Mega-BlasensteinFoto-Quelle: Copyright Tyler Olson www.fotolia.de

Mein Wort zum Sonntag: Mein Mega-Blasenstein

News Team
Beitrag von News Team

Als dem Autor gesagt wurde, er habe einen gigantischen Blasenstein, der sofort entfernt werden müsste, da war er erst mal schockiert. Ein persönlicher Erlebnisbericht.
Mein Urologe, den ich pflichtgemäß zweimal jährlich aufsuche, war bei der letzten Untersuchung noch schweigsamer als sonst. Schließlich bat er mich, sich das Bild auf dem Ultraschall-Display anzuschauen. Auch wenn ich die verschwimmenden Schatten sonst nicht deuten kann: das war eindeutig: eine riesige Blase (oder Kugel, das kann der Ultraschall nicht unterschieden). Mein Urologe meinte, das Ding, sollte es sich als echt herausstellen, wäre ja gigantisch, doch erst eine

Blasenspiegelung könnte Klarheit ergeben.

Also ließ ich mir nach 1½ Stunden Wartezeit ein lichtoptische s Gerät in die Blase einführen, ein Vorgang, der, wie jeder weiß, der es schon erlebt hat, alles andere als angenehm ist. Die Spiegelung ergab das Gleiche: eine riesige Kugel saß am Harnröhreneingang. Warum ich nie etwas gemerkt hätte? Ein Indianer kennt keinen Schmerz, sagte ich mit zusammengebissenen Zähnen, aber leider bin ich in dieser Hinsicht kein Indianer. Doch mein Urologe beruhigte mich: Das Ding würde erst mit einer Schlinge abgetrennt und dann mit einer Zange durch den Harnkanal herausbefördert werden. Alles Routine.

Operation in zehn Minuten?

Am Tag vor der Operation sollte ich im Krankenhaus übernachten, was ich verweigerte, denn ich wohnte ja gleich um die Ecke. Also kreuzte ich um 7 Uhr früh dort auf, erhielt gleich ein Bett neben einem Prostata-geschädigten netten Herrn, und wartete. Um 14 Uhr war's dann so weit: Ich wurde auf den OP-Tisch verfrachtet, nackt ausgezogen, rasiert und "sediert". Die letzten Worte, die ich hörte, waren eine Frage meines Urologen an seinen langjährigen Partner: "Nehmen wir das Krokodil oder gleich den Zangenzertrümmerer?" Mit derart relevanten Fakten im Gedächtnis schlief ich beruhigt ein.
Als ich erwachte, war es ½3 - eine wirklich kurze Zeit für eine derartige Operation, egal ob das Krokodil nun Zähne hatte oder nicht. Kurz darauf kam auch mein Arzt und sagte, leicht entschuldigend: War nix. Es gab keinen Blasenstein, nicht mal ein Körnchen, nur ein paar diffuse Schieferplättchen, anthrazitfarben, die eine Kugel und damit einen Riesenstein vorgetäuscht hatten.

Die Tücken der Mammografie

Und was lernen wir daraus? Dass auch die modernsten Formen der Diagnose manchmal ins Leere gehen, in diesem Fall zu meinem Glück. Andere Menschen sind da weniger glücklich. Wer noch vor einigen Jahren die Diagnose "AIDS" erhielt, war in Gefahr, Selbstmord zu begehen, auch wenn die Diagnose falsch war. Aber auch die allseits gepriesene Mammografie hat ihre Tücken, wie der SPIEGEL in einem Artikel jüngst darstellte. Denn von 1000 Frauen stirbt durch die Früherkennung eine weniger an Brustkrebs. Allerdings sterben gleich viele Frauen an Krebs wie in der nicht mammografierten Gruppe. Zudem kann die Mammografie Schaden anrichten, nämlich wenn gesunde Frauen einen falschen Befund bekommen und unnötigerweise behandelt werden. Von 1000 Frauen, die am Screening teilnehmen, werden durchschnittlich 100 fälschlicherweise alarmiert. Und fünf von ihnen wird im Verlauf der Behandlung sogar ein Teil oder die gesamte Brust entfernt. Mediziner fordern deshalb nun, das Screening neu zu bewerten und gegebenenfalls zu stoppen.
Was nicht heißt, dass wir unbekümmert in den Tag leben und uns jeglicher Vorsorge enthalten dürfen. Nur kritisch müssen wir trotz allem noch bleiben. Und die Verantwortung liegt an uns, nicht an den Ärzten.