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Was war vor der Depression?

Von wize.life-Nutzer - Sonntag, 14.09.2014 - 12:14 Uhr

Wenn man so wie ich schon viele Jahre mit Depressionen zu tun hatte, dann kommt es einem irgendwann vielleicht so vor, als wäre es nie anders gewesen. Irgendwann scheint man die Verbindung zu diversen eigenen Persönlichkeitsanteilen, die durchaus einmal lebensbestimmend waren, verloren zu haben. Heute heiße ich Depression, Herr Depression oder Mr. Depri. Ich bin chronisch krank, psychisch krank. Ich gehe regelmäßig zum Psychiater und hole mir meine Pillen ab. Ich bin frühzeitig verrentet worden und wie es scheint, bin ich ein hoffnungsloser Fall, so wie alle Depressiven jenseits der Fünfzig. So oder ähnlich mögen viele meiner Leidensgenossen denken. Das Fatale daran ist nur, dass es dann auch zutrifft. So wie ich mich selbst sehe, so erlebe ich mich auch, ergo bin ich so. So wie ich selbst auf mich und mein Leben schaue, so ist mein Leben auch - erbärmlich oder liebenswert, trostlos oder hoffnungsvoll, leblos oder bewegt, einsam oder unabhängig, verschlossen oder offen, unzufrieden oder zufrieden. Zufrieden sein, heißt Frieden mit sich selbst zu haben, mit dem wie es gerade ist. Zufrieden sein heißt, Ja zu sagen zu sich selbst und dem was einen umgibt. Es ist eine Entscheidung, ob ich so oder so auf die Welt sehe. Eine Entscheidung, die nur ich selbst für mich treffen kann. Eine Entscheidung, die ich vor vielen Jahren vermutlich sogar unbewusst traf. Für eine Zeit war es sicher gut, dass ich mich so entschied, doch spüre ich heute mehr und mehr, dass eine andere Zeit gekommen ist, ich heute andere Bedürfnisse habe. Ich spüre, dass da etwas nach oben will, das bislang von der Depression bedeckt war. Ich spüre das Leben. Und ich erinnere mich wie es war, lange vor meiner Depression. Wie war ich damals? Wie lebte ich? Wie fühlte ich mich? Was fühlte ich? Wie stand ich zu mir und zum Leben in dieser Welt? Welche Werte hatte ich und was war ich bereit dafür einzusetzen? Wozu war ich fähig und was alles erreichte ich? Sie mögen ein wenig in Vergessenheit geraten sein, meine Ressourcen, aber sie sind alle noch da, ergänzt um die Erfahrungen der letzten Jahre. Warum eigentlich fange ich so wenig damit an? Traue ich mir das Leben nicht mehr zu, weil ich Depressionen habe oder habe ich Depressionen, weil ich mir das Leben nicht mehr zutraue? Eines weiß ich sicher: Ich bin mehr als die Depression! Ich finde, es tut gut, sich diese Wahrheit von Zeit zu Zeit einmal wieder vor Augen zu führen...

Hier weiter lesen: Mehr als nur depressiv

6 Kommentare

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Mit der Depression ist es, wie mit allen psychischen Erkrankungen. Sie nehmen uns die Lebensqualität, sie drängen uns ins Abseits und es ist schrecklich, dass die Menschen unsere Ängste abtun, als könne man einfach einen Schalter umlegen und auf Spaß umschalten. Ich selbst bin bekennender Hypochonder und quäle mich durchs Leben mit allen möglichen Krankheiten, die sich in meiner Vorstellung abspielen und ich lebe ständig am Lebenslimit. Für meine Umgebung eine Belastung. Es ist eine Art der Depression und es ist grausam, im Kopfkino ständig den baldigen Tod vor Augen zu haben. Ohne wöchentlichen Besuch beim Therapeuten nicht denkbar. Leider gibt es keine entsprechende Gruppen.
Hallo Klaus,
nein einfach ist es gewiss nicht, sonst wäre ja niemand chronisch krank. Doch bin ich der Überzeugung, dass der Ursprung aller psychischen Krankheiten ebenso in unserer Bewertung der Welt liegt und darin, welche Schlüsse wir bewusst oder unbewusst daraus ziehen. Zwar lässt sich eine Veränderung der Neurochemie nachweisen und auch behandeln, aber niemand geht soweit zu sagen, sie sei ursächlich. In vielen Fällen wird sie wohl eher eine Folge der Erkrankung sein. Ich habe den Eindruck, dass du dich allein gelassen fühlst mit deinen Problemen. Wenn es keine geeignete Gruppe für dich gibt, wäre es womöglich eine Idee, wenn du selbst eine ins Leben rufst? Vielleicht sind ja noch mehr Menschen in deiner Nähe deiner Meinung und bedauern, dass es eine solche Gruppe nicht gibt? Was dir fehlt in deinem Leben - sorge dafür, dass du es bekommst...
Danke für den guten Tipp, aber da ich auf dem Lande lebe, leider nicht zu verwirklichen.
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genau so ist es---- Traue ich mir das Leben nicht mehr zu, weil ich Depressionen habe oder habe ich Depressionen, weil ich mir das Leben nicht mehr zutraue? Eines weiß ich sicher: Ich bin mehr als die Depression! Ich finde, es tut gut, sich diese Wahrheit von Zeit zu Zeit einmal wieder vor Augen zu führen...
die meisten Menschen,die ich kenne,leben in dieser Opferrolle,sie nehmen brav ihre Tabletten ein und arbeiten nicht an sich,traurig!!!!
Guten Morgen Renate,als mein Mann starb und ich ihn vorher 10 Jahre pflegte,hatte ich auch ein schwarzes Loch.Der Arzt verschrieb mir auch solche Dinger,aber ich nahm sie nicht,durfte 8 Wochen zur Kur fahren,die Tabl. hatte ich dabei--sie dachten ich nehme sie----und als ich in der Gesprächsrunde hörte,was Patienten alles hatten,ging es mir schlagartig besser,ich liess einfach die Traurigkeit nicht hochkommen --das war 2007 und ich bin ein fröhlicher Mensch---das Leben muss weiter gehen.
Vielleicht ist es ja jetzt an der Zeit, einmal etwas genauer hinzusehen, was dich da tief im Inneren belastet?
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