Arzneimittelfälschungen in Apotheken verhindern
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Arzneimittelfälschungen in Apotheken verhindern

Beitrag von wize.life-Nutzer

Zwar müht sich der Zoll in Frankfurt redlich ab, doch über die offenen Grenzen nach Polen und zum Baltikum kommen ungeheuere Mengen an gefälschten Medikamenten nach Deutschland, die über das Internet bestellt werden. Für alle diese Wirkstoffe - meist hochpreisliche, nachgemachte oder gar wirkungslose Pillen, müsste der Zusatz heissen: nicht wie vorgeschrieben: "und fragen sie Ihren Arzt oder Apotheker", sondern "fragen sie ihren Briefträger".

Aus irgendwelchen ideologischen Gründen tun die Regierungsparteien zu wenig und nehmen damit die Gefährdung der Gesundheit der Bürger in Kauf. Doch mittlerweile bahnt sich eine weitere noch ernsthaftere Gefahr an, die auf die Freihandelspolitik der EU und die Wirtschaftskrise in Italien zurück geht. Gefährliche Medikamente gelangen auch über den Re-Import und die Apotheken in den Handel. Sie sind nämlich gesetzlich verpflichtet mindestens 7 Prozent der verkauften Arzneimittel aus dem Ausland über den Verkaufstisch zu reichen. Die Brüsseler Eurokraten wollen damit den Wettbewerb stärken. An den unsäglichen bürokratischen Aufwand haben sie nicht gedacht. Ebenso wenig an die Folgen. Denn vielfach gibt es im Ausland die notwendigen Mittel gar nicht.

So kauft etwa der Großhändler in Sizilien beim deutschen Hersteller große Mengen ein, verpackt sie neu und schon ist für Brüssel ein Exportgut entstanden. Doch bei dieser Umpackerei und der nötigen kriminellen Energie kann man auch bevorzugt in indischen Hinterhöfen zusammen gebrauten Schrott reinschmuggeln; das bringt schönes Geld. Deshalb fordern Deutschlands Apotheker mehr Transparenz in der Lieferkette von Medikamenten und größere Entscheidungsspielräume in der Offizin, damit die Arzneimittelversorgung auch in Zukunft sicher bleibt.

Zu Beginn des Deutschen Apothekertages 2014, der in dieser Woche in München stattfindet, sagte der Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Friedemann Schmidt: „Wir wollen verhindern, dass gefälschte Arzneimittel über die Apotheke in die Hände von Patienten gelangen können. Dazu schlagen wir konkrete Maßnahmen vor. Erstens: Wir wollen, dass der Graumarkt für Arzneimittel eingedämmt wird und Schwachstellen im legalen Vertriebsweg zwischen Hersteller und Patient beseitigt werden. Dazu leisten wir mit dem Projekt ‚securPharm‘ auch einen eigenen Beitrag. Zweitens: Der Apotheker soll mehr Entscheidungsspielraum bei der Abgabe eines Arzneimittels bekommen. Dazu sollte der Gesetzgeber die verpflichtende Importquote in der GKV-Versorgung streichen. Und drittens: Wir wollen Hersteller, Großhändler, Parallel- und Reimporteure gerne stärker in die Pflicht nehmen, was die Transparenz der Lieferwege und ihre Verantwortung für die Integrität des Arzneimittels angeht. Es wäre sinnvoll, wenn sie auf Nachfrage der Apotheke einen Herkunftsnachweis vorlegen und importierte Arzneimittel immer einer umfänglichen Laborprüfung unterziehen müssten.“

Der Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK), Dr. Andreas Kiefer, unterstrich die hohe Sicherheit der heutigen Arzneimittelversorgung, begründete aber zugleich, warum in Zukunft verstärkte Anstrengungen im Kampf gegen Fälschungen nötig werden: "Wir haben in der jüngsten Vergangenheit eine Reihe von Einzelfällen erlebt, bei denen Fälschungen in Apotheken gelangt sind. Spätestens dort werden sie heute in der Regel erkannt, gemeldet und aus dem Verkehr gezogen. Jeder Verdachtsfall belegt im Grunde erst einmal, dass das derzeitige Überwachungssystem funktioniert. Aber in einer Situation, in der die Fälschungen immer professioneller werden, müssen wir uns natürlich Gedanken darüber machen, wie wir das in Zukunft weiterhin gewährleisten können.“

Der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), Fritz Becker, wies besonders auf Probleme in der Vertriebskette hin: „Die Vertriebswege, über die Medikamente bewegt werden, sind oft sehr lang und haben viele Zwischenstationen. Je unübersichtlicher der Vertriebsweg und je häufiger die Grenzübertritte von Arzneimitteln, desto eher wird das Einschleusen von Fälschungen möglich." Gerade in diesem Kontext, so Becker weiter, sei es falsch, dass Apotheken eine Importquote erfüllen müssten: „Der Apotheker hat heute zu wenig Spielraum, sich im Rahmen von pharmazeutischen Sicherheitserwägungen im Einzelfall gegen ein Importarzneimittel zu entscheiden. Die Importquote zwingt ihn, mindestens fünf Prozent seines Umsatzes mit importierten Arzneimitteln zu machen. Damit können wir als verantwortliche Berufsgruppe für Arzneimittelsicherheit nicht zufrieden sein. Deswegen beraten wir auf dem Apothekertag einen Appell an den Gesetzgeber, die Quote zu streichen.“