Impotenz - eine Chance?
Impotenz - eine Chance?

Impotenz - eine Chance?

Beitrag von wize.life-Nutzer

Ich bin kein Arzt, sondern nur ein ganz normaler Mann. Und impotent.
Eigentlich geht das niemanden etwas an. Aber verschiedene Beiträge in der letzten Zeit brachten mich dazu, denn doch auf das Thema zuzugehen. "Brauchen Frauen einen Schwanz?", fragte Gabi vor zwei Wochen, und niemand kam eigentlich richtig klar mit dieser Frage. Ich hab' mich da eigentlich rausgehalten, trotzdem hat mich die Beantwortung dieser Frage beschäftigt, denn ich hätte viel dazu sagen können.
Ein weiteres Pinnwandgespräch gab dann heute den Ausschlag.
Meine Impotenz ist nicht psychisch bedingt - das ist ein anderes Thema -, sondern hat ihren Ursprung in einer Strahlentherapie und ist somit eine "Randerscheinung" für mich. Dafür habe ich den Krebs überlebt.
Aber Potenz hatte vorher für mich durchaus eine besondere Bedeutung. Sie hat mir geholfen, mich als Mann zu definieren, und - so merkwürdig das klingt - sie hat mir "Macht" verliehen im Sinne von Sicherheit.
Ich hab' Männer erlebt, die hat der Verlust ihrer Potenz total umgeworfen und sie dazu noch geradezu liebesunfähig gemacht. Dabei ist es im Grunde nur halb so schlimm: Der Verlust der Zeugungsfähigkeit wiegt in unserem Alter eigentlich nicht besonders schwer, und die Erektionsfähigkeit lässt sich kompensieren. Nur muss mann sich halt entscheiden, ob er den harten oder den weichen Weg gehen will - ich hab' mich für den weichen entschieden.
Da war nie ein Gefühl des abgewertet oder "krank" seins, aber es hat mich anfangs belastet, dass ich nicht mehr "konnte", Und es hat mich beschäftigt. Nicht so sehr der Umstand eines Fehls, sondern mehr die Erkenntnis, dass sonst (außer der Erektion) noch alles da war: Ich empfand immer noch erotisch, liebevoll und zärtlich, und ich wollte "Körper" noch genauso wie vorher.
Meiner Freundin fehlte der Sex mit mir überhaupt nicht. Es ging halt nicht und war ihr überhaupt nicht wichtig. Mehr machte ihr zu schaffen, dass sie mich auch sonst nicht so richtig wiederfand - ich traute mich eine zeitlang einfach nicht sie anzufassen, weil ich dachte, ich "müsste" und mir klar war, dass ich nur versagen konnte, weil ich nicht "konnte". Und verletzen wollte ich sie auch nicht.
Es hat gedauert, bis ich mich wieder an sie herantraute. Erst, weil mir ihre Nähe fehlte, dann die gemeinsame Zärtlichkeit. Und ich begann es so zu machen, wie ich es eigentlich schon früher gemacht hatte: Ich benutzte meine Stimme, die Augen, die Hände, den Mund - wie ich es vom "Vorspiel" her kannte. Und das dehnte ich nun aus - nicht, weil es eine Pflicht war, sondern weil ich "geben" konnte damit und es mir Freude machte.
Heute denke ich, es muss keine Frau auf ihren Orgasmus verzichten, nur weil ich impotent bin ...
Die Möglichkeit der kleinen blauen Pillen habe ich noch nie in Anspruch nehmen müssen, obwohl sie möglicherweise eine Chance gewesen wären, Der Witz aber ist, dass diese Pillen scheinbar nur für den Mann von Bedeutung sind. Ich selbst bin bis heute keiner einzigen Frau begegnet, die sich in so einem Fall gewünscht hätte, dass ich die Pille nehme.
Ich selbst hab' mich für Zärtlichkeit entschieden – für liebevollen und sanften Umgang und muss sagen, dass mir das sehr viel mehr gibt, weil ich mehr geben kann. Für frau die Chance, mann neu zu entdecken und zu erfahren. Und für ihn auch.
Frauen brauchen keinen Schwanz

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