Inkontinenz: Wenn der Körper ein Eigenleben führt
Inkontinenz: Wenn der Körper ein Eigenleben führtFoto-Quelle: Nemo / pixabay.com

Inkontinenz: Wenn der Körper ein Eigenleben führt

Beitrag von wize.life-Nutzer

Inkontinenz ist ein Thema, mit dem sich in der Regel die älteren Menschen befassen müssen. Mit steigendem Alter führt der menschliche Körper nicht mehr alle Funktionen so aus, wie man es gewöhnt ist. Es gibt aber auch jüngere Menschen, die von Inkontinenz betroffen sind. Mit einer schwachen Blase oder einem Stuhlgang, der ein Eigenleben führt, trauen sich viele Menschen nur noch selten vor die Haustür. Wer sich allerdings gut vorbereitet, kann das Problem Inkontinenz bekämpfen.

Inkontinenz - die Definition des Problems


Weder Patienten noch Ärzte reden gerne über das Thema Inkontinenz. Dabei macht dieses Problem den Betroffenen den Alltag spürbar schwerer. Sie können ihren Urin oder Stuhl nicht mehr kontrolliert zurückhalten. Laut der Deutschen Kontinenz Gesellschaft leiden insgesamt sechs Millionen Menschen unter Harninkontinenz, 4,5 Millionen davon sind Frauen, eine Million Männer und eine halbe Million Kinder.

Obwohl sie unter diesem Problem leiden, schämen sie sich häufig aber, Hilfe bei ihrem Arzt aufzusuchen. Dieser müsste sie an einen Urologen oder Gynäkolegen überweisen. Betroffene wissen auch nicht, dass es nützliche Hilfsmittel gibt, um mit dem Problem umzugehen. Sie nutzen Damenbinden, die für Inkontinenz schlichtweg nicht geschaffen wurden. Wenn der Arzt solche Hilfsmittel anordnet, erwartet Patienten nur eine Zuzahlung.

Die verschiedenen Arten der Inkontinenz


Inkontinenz wird im Grunde in zwei Oberkategorien unterteilt, in denen es weitere Formen und Stadien gibt:

Harninkontinenz


Das Symptom wird umgangssprachlich auch Blasenschwäche genannt. Die Blase ist aber nicht automatisch die Ursache für eine Harninkontinenz. Man unterscheidet zwischen fünf Formen der Harninkontinenz:

1. Belastungsinkontinenz: Auslöser dieser Form, die früher auch Stressinkontinenz genannt wurde, ist körperliche Belastung. Durch das Anheben und Tragen schwerer Gegenstände aber auch durch Lachen, Husten und Niesen wird der Druck im Bauchrauch höher. Dann kommt es bei Betroffenen zu einem ungewollten Urinverlust.
2. Dranginkontinenz: Diese Form macht sich mit dem häufig auftretenden Harndrang, zum Teil mehrmals pro Stunde, obwohl die Blase nicht voll ist.
3. Reflexinkontinenz: Betroffene spüren nicht, wann ihre Blase voll ist. Folglich können sie ihre Entleerung nicht steuern.
4. Überlaufinkontinenz: Sobald die Blase voll ist, fließen kleine Mengen Urin ab. Betroffene spüren häufig auch einen permanenten Harndrang.
5. Extraurethrale Harninkontinenz: Bei dieser Form geht Urin ebenfalls kontinuierlich verloren, ohne dass der Betroffene dies beeinflussen kann. In diesem Fall jedoch nicht über die Harnwege, sondern andere Öffnungen.

Stuhlinkontinenz


Die anderen drei Formen der Inkontinenz liegen im Bereich des Stuhlgangs. Betroffene können weder Darmgase noch Darminhalte willkürlich zurückhalten. Mediziner unterscheiden zwischen folgenden Stadien:

Teilinkontinenz 1. Grades: Äußert sich durch den unkontrollierten Abgang von Darmgasen sowie dem gelegentlichen Stuhlschmieren.
Teilinkontinenz 2. Grades: Stuhl und Darmgase können nicht eingehalten werden.
Teilinkontinenz 3. Grades: Patienten leiden unter einem totalen Kontrollverlust über ihre Darmentleerung.

Je nach Ursache wird auch bei der Stuhlinkontinenz zwischen fünf Formen unterschieden:

- Neural-,
- sensorische,
- muskuläre- oder motorische-,
- reservoirbedingte— und
- psychische Inkontinenz.

Ähnlich wie bei den unter Harninkontinenz Leidenden gibt es Patienten, die den Stuhlgang bemerken, es aber nicht rechtzeitig zur Toilette schaffen. Andere spüren im Analbereich nichts und können folglich ihre Darmentleerung auch nicht steuern.
Inkontinenz-Betroffene: Umgehend zum Arzt

Unabhängig von den Ursachen führt der erste Weg immer zum Arzt. Betroffenen muss es nicht peinlich sein, wenn sie ihren Stuhl oder ihr Urin nicht mehr halten können. Man ist weder der erste noch der letzte Mensch, der unter dieser Erkrankung leidet. Heute gibt es wirksame Hilfen, die Betroffenen das Leben mit der Krankheit vereinfachen. Welche Therapie genau infrage kommt, hängt vom jeweiligen Fall, also der Form der Inkontinenz, ab.

Der Arzt wird zunächst herausfinden, um welche Form der Inkontinenz es sich handelt. Erst dann kann er passende Maßnahmen einleiten.
Kein aussichtsloser Kampf: Inkontinenz bekämpfen

Grundsätzlich hat jeder Betroffene die Möglichkeit, die Inkontinenz selbst zu bekämpfen. Die nachfolgenden Regeln helfen, den Kampf gegen Inkontinenz zu gewinnen:

Hilfsmittel:
Im Internet bei walzvital.de gibt es Vorlagen in verschiedenen Saugstärken, Einmalschlüpfer, Slips und andere Inkontinenzartikel, die den Alltag erleichtern.
Toilettenbesuch:
Wer selten oder zu häufig zur Toilette geht, steigert das Risiko für Inkontinenz. Wer oft entleert, gewöhnt seine Blase an die kleinen Mengen, sodass sie keine großen Mengen mehr halten kann. Geht man dagegen selten zur Toilette, überdehnt damit seine Blasenmuskulatur und riskiert, dass es zu Funktionsstörungen kommt.
Viel trinken:
Inkontinenz lässt sich nicht durch weniges Trinken in den Griff bekommen, ganz in Gegenteil. Die perfekte Zunahme von Flüssigkeiten ist in der Urinfarbe zu sehen, sie muss hellgelb sein.
Ernährung:
Kaffee und scharfe Gewürze können die Blase reizen, sie sind deshalb zu vermeiden. Wer unter Stuhlinkontinenz leidet, sollte auf eine ballaststoffreiche Ernährung achten.
Blasentees:
Pflanzliche Medikamente aus Goldrute oder Kürbis helfen Patienten, die unter Dranginkontinenz leiden.
Autogenes Training:
Wenn Inkontinenz einen seelischen Auslöser hat, können Entspannungsübungen helfen. Ansonsten helfen Beckenbodenübungen, die man praktisch immer ausführen kann, beim Zähneputzen, Fernsehen, und so weiter.

Abseits der oben beschriebenen Möglichkeiten, die Krankheit zu bekämpfen, gibt es folgende Therapien:

Elektrotherapie: Im Gegensatz zum klassischen Beckenbodentraining werden die Beckenmuskeln durch elektrische Impulse, die schmerzlos sind, passiv trainiert.
Toilettentraining: In Absprache mit dem Arzt werden angepasste Trinkmengen eingenommen und feste Toilettenzeiten eingehalten.
Operation: Wenn das Problem mit den nicht-operativen Möglichkeiten nicht behoben werden kann, kann eine Operation infrage kommen. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten:
1. Die extraurethrale Inkontinenz wird operativ behandelt, indem der Fistel verschlossen wird.
2. Die Harnröhre lässt sich mit einem künstlichen Schließmuskel verschließen.
3. Ein Blasenschrittmacher kann eine zu aktive Blase beruhigen oder sie dazu stimulieren, sich zu entleeren, wenn sie dies aus eigener kraft nicht mehr tut.

10115 Berlin auf der Karte anzeigen:
Hier klicken um Karte zu öffnen
Mehr zum Thema