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Austausch bequem von zu Hause aus
Austausch bequem von zu Hause ausFoto-Quelle: Demas

Demenz- über Video-Chat mit anderen pflegenden Angehörigen sprechen

Von Demenz anders sehen - Demas - Montag, 10.11.2014 - 17:49 Uhr

Martha und Harald haben schon viel in ihren gemeinsamen Ehejahren gemeistert. Doch nun, wo beide mit über 60 erwartet hatten, einen schönen Lebensabend genießen zu dürfen, steht ihnen die vielleicht größte Herausforderung bevor. Denn Harald leidet seit fünf Jahren an Demenz, einer Erkrankung, die immer noch nicht heilbar ist. Martha muss hilflos mit ansehen, wie Harald das alltägliche Leben zunehmend ohne ihre Hilfe nicht mehr bewältigen kann. Traurig registriert sie, wie Harald immer mehr der gemeinsamen Erinnerungen abhandenkommen. Martha ist in letzter Zeit oft müde, traurig, ängstlich und wütend. Sie fühlt sich oft allein mit ihrer Situation. Ihr Freundeskreis unterstützt sie, wo es nur geht, doch emotional gesehen, fühlt sich Martha einsam. Denn keine Person aus ihrem Umkreis, weiß wie es tatsächlich ist, den eigenen Ehemann an die Demenz zu verlieren. Und keiner von ihnen weiß, wie es ist einen demenzerkrankten Menschen zu pflegen, wie anstrengend das alles sein kann. Wissen tun es nur andere Betroffene. Martha hat nur wenige Male die Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige von Demenzerkrankten besucht, als Haralds Erkrankung noch nicht so fortgeschritten war. Doch da sich die Gruppe in einer entfernten Stadt trifft, Haralds Zustand kritischer wird und Martha durch den Pflegealltag kaum mehr Zeit bleibt, kann sie die Treffen nicht mehr wahrnehmen. Martha bedauert dies sehr, denn der Austausch mit den anderen schenkte ihr sehr viel Mut und mehr noch fühlte sie sich durch das Verständnis der anderen getragen.

In einem Zeitungsartikel stößt Martha eines Tages auf „Demenz anders sehen“, einer internetbasierten Schulungsgruppe für pflegende Angehörige von demenzerkrankten Menschen. Martha beschäftigt sich gerne mit dem Computer und surft ab und an auch im Internet. Das kostenlose Angebot weckt ihr Interesse. Ein riesen Vorteil ist, dass es über das Internet bezogen wird; das heißt, Martha kann es bequem von zu Hause aus in Anspruch nehmen. Sie meldet sich auf der Internetseite www.demenz-anders-sehen.de erst einmal ganz unverbindlich an und erhält daraufhin viele weitere Informationen. Bei „Demenz anders sehen“ kurz Demas, trifft sich Martha dann nach dem festen Entschluss daran teilzunehmen, zehn Wochen lang jeden Mittwoch zur gleichen Zeit mit anderen pflegenden Angehörigen in einem Video-Chat. Es ist eine feste Gruppe, die von einer psychologischen Beraterin begleitet wird. Wie in einer Video-Konferenz funktioniert das Programm. Das Bild- und Tonsignal eines jeden Teilnehmers wird in den Gesprächsraum der Internetseite übertragen. Alles was Martha hierzu benötigte, wie etwa ein Mikrofon und eine kleine Kamera, wurde ihr kostenlos zugeschickt.

Demas schenkt Martha folglich die Möglichkeit sich auf ganz einfachem Wege mit anderen Betroffenen auszutauschen. Ferner gibt die psychologische Beraterin viele hilfreiche Tipps zur Erleichterung des Pflegealltags. Gemeinsam werden viele Themen betrachtet und besprochen, beispielsweise wie man als Pflegeperson mit schwierigen Verhaltensweisen des erkrankten Angehörigen umgehen kann, wie man demenzgerecht kommuniziert oder wie man sich selbst als Pflegeperson im ganzen Pflegestress Gutes tun kann. Es wird viel erzählt in der Gruppe, viele Erfahrungen werden zusammengetragen, welche Marthas Wissen über die Erkrankung ihres Mannes bereichern. Sie bekommt Mut neue Dinge auszuprobieren, die ihr und Harald gut tun könnten. Und das wichtigste: jedes Gruppenmitglied verdeutlicht ihr, dass sie nicht alleine ist mit ihrer Situation. Martha fühlt sich verstanden und gestärkt. Am Ende der zehn Wochen kann Martha die Erkrankung tatsächlich ein klein wenig aus einer anderen Perspektive betrachten und damit den Lebensabend für sich und Harald ein klein wenig aktiver positiv gestalten.

Weitere Informationen finden Sie auf https://www.demenz-anders-sehen.de//

6 Kommentare

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Von wem wird das finanziert?
Demenz anders sehen - Demas
Demas wird vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) finanziert und gefördert.
Das ist sehr interessant.
Ich weiß, wie schwer es bei meiner Schwiegermutter war. Sie als pflegede Person, ließ keine Fremden ins Haus zur Hilfe.
Das erlebe ich sehr oft bei pflegenden Angehörigen. Sie gehen an ihre Grenzen bis zur Selbstaufgabe. Der Umgang mit ihnen ist oft schwieriger als mit den Dementen selbst. Das soll nicht als Kritik verstanden werden...ist nur meine Erfahriung
Demenz anders sehen - Demas
Liebe Susa We,

ja, misstrauisches Verhalten kommt bei Menschen, die an Demenz erkrankt sind, häufig vor. Es bedarf eines behutsamen Umgangs, damit solche Situationen nicht eskalieren. Doch was oftmals in der Pflege hierbei schwerer wiegt als die herausfordernde Situation selbst, ist die emotionale Belastung für die pflegenden Angehörigen. Denn oft ist es so, dass das misstrauische Verhalten des an Demenz Erkrankten den pflegenden Angehörigen verletzt, aufwühlt und überfordert. Hier ist es dann ganz wichtig, dass die pflegenden Angehörigen sich selbst Gutes tun, mitfühlend mit sich selbst umgehen und den Austausch mit anderen Betroffenen suchen.
Demenz anders sehen - Demas
Liebe Olivia Aivilo,

tatsächlich gehen viele pflegenden Angehörigen an ihre Grenzen bis zur Selbstaufgabe. Je weniger sich die Pflegenden Erholungs- und Ruhepausen zugestehen, desto schneller und drastischer sind die eigenen Kraftreserven aufgebraucht und die Pflegenden dementsprechend ausgebrannt. Häufig steckt auch einfach der nachvollziehbare Wunsch bzw. Anspruch dahinter es den liebsten Menschen im Leben recht zu machen. Darüber verliert man dann oft den Blick für sich selbst und seine eigenen menschlichen Bedürfnisse.
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