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Ihre Darmflora – ein Multitalent

Ihre Darmflora – ein Multitalent

Von wize.life Gesundheitstipp - Dienstag, 09.06.2015 - 16:31 Uhr

Der Darm ist weit mehr als nur ein Verdauungsorgan, denn er erfüllt wichtige Funktionen im menschlichen Körper. Er kann deutlich zu unserem Wohlbefinden oder Unwohlsein beitragen.

Doch was ist die Darmflora?


Unter der Darmflora versteht man die Gesamtheit aller Mikroorganismen (Bakterien und Pilze), die in unserem Verdauungssystem leben. Für unsere Gesundheit ist sie unentbehrlich. Die Erstausstattung der Darmflora erhält ein Säugling bei der Geburt. Sie entwickelt sich im Laufe der ersten drei Lebensjahre weiter, indem nach und nach mehrere Tausend verschiedene Bakterienarten aus unserer Umwelt den Verdauungstrakt besiedeln.¹

Diese Bakterien, von denen wir Schätzungen zufolge hundertmal mehr in uns tragen als Körperzellen, spielen eine wichtige Rolle für die reibungslose Funktion unseres Organismus. Als Gegenleistung für ihr Bleiberecht und die Versorgung mit Nahrung, helfen sie uns beim Verdauen bestimmter Nahrungsmittel, bei der Herstellung von Vitaminen oder auch bei der Verteidigung gegen Infektionen.

Die Aufgaben der Darmflora für Ihre Gesundheit


Eine gesunde Darmflora ist extrem wichtig, denn ihre Funktionen sind vielfältig. Zu den nützlichen Hauptfunktionen zählen die Schutz- und Stoffwechselfunktion. Aber auch die ernährungsbezogene und die immunologische Funktion stellen wichtige Aufgabenbereiche der Darmflora dar.

  • Schutzfunktion: Die im Darm lebenden Bakterien schützen unseren Organismus vor Eindringlingen, zum Beispiel möglichen Krankheitserregern. Durch diese Barrierefunktion wird verhindert, dass sich Fremdkeime im Darm ansiedeln. Wie das funktioniert? Natürlich im Darm vorkommende Bakterien haften stark an der Darmoberfläche und erschweren damit Fremdkeimen die Anhaftung an die Darmwand. Manche Bakterien der Darmflora sind außerdem in der Lage, Stoffe zu produzieren, die Krankheitserreger unschädlich machen oder sogar abtöten.
  • Stoffwechselfunktion: Indem sie die Verdauung von Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen unterstützt, erzeugt die Darmflora gesundheitsfördernde Substanzen wie zum Beispiel kurzkettige Fettsäuren, die in verschiedenen Organen wie Darm, Leber, Muskeln und Gehirn verarbeitet werden können.² Außerdem sind die Bakterien der Darmflora eine Vitaminquelle³: Einige produzieren Vitamin K und mehrere B-Vitamine.⁴ Vitamin K unterstützt zum Beispiel die Blutgerinnung und den Knochenaufbau. Der Bedarf an Vitamin K wird überwiegend über die Ernährung (zum Beispiel grünes Gemüse, Milch und Käse) und über die Erzeugung in der Darmflora gedeckt. Es ist wahrscheinlich, dass die Darmbakterien darüber hinaus noch andere Vitamine herstellen – schließlich ist die Darmflora noch längst nicht vollständig erforscht.
  • Ernährungsbezogene Funktion: Die ernährungsbezogene Funktion umfasst die Neubildung und Entwicklung von Darmwandzellen. In den letzten Beiträgen haben Sie schon viel über eine darmfreundliche und ausgewogene Ernährung erfahren. Eine darmfreundliche Ernährung kann dabei helfen, unsere natürliche Darmflora im Gleichgewicht zu halten. Diese zeichnet sich vor allem durch viele Ballaststoffe aus. Aber auch Milchsäurebakterien helfen dabei, die Darmflora gesund zu halten, da sie den pH-Wert im Darm senken. Milchsäurebakterien sind zum Beispiel in Joghurt, Frischkäse und Sauermilch, aber auch in Sauerkraut enthalten. Weitere besonders schonende Lebensmittel für Ihren Darm sind Möhren, Fenchel, Kartoffeln und Bananen. Möhren sind reich an Vitaminen, gut verdaulich und enthalten viele Ballaststoffe. Die ätherischen Öle des Fenchels regen die Durchblutung an, wirken wohltuend auf die Darmflora und töten sogar schädliche Bakterien ab. Bananen sind nicht nur reich an Magnesium, sondern schützen die Magenschleimhaut vor der Magensäure. Kartoffeln zählen zu den basischen Lebensmitteln, die auch die Schleimhäute schützen können.
  • Immunologische Funktion: Wussten Sie, dass die Darmschleimhaut die Hauptschnittstelle zwischen dem Immunsystem und der äußeren Umgebung ist? 70% der Zellen, mit denen sich unser Immunsystem gegen Angriffe von Mikroorganismen zur Wehr setzt, befinden sich auf der Darmschleimhaut und stehen damit in sehr engem Kontakt mit unserer Darmflora. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Kinder, die frühzeitig mit einer großen Vielfalt an Mikroorganismen in Berührung kommen, wie beispielsweise auf dem Land, weniger Allergien entwickeln als Kinder, die im keimfreier gehaltenen Stadtmilieu aufwachsen. Da Allergien mit dem Immunsystem in Zusammenhang stehen, nimmt man an, dass die frühe Auseinandersetzung mit komplexen Mikroorganismen die Ausbildung eines widerstandsfähigeren Immunsystems begünstigt.⁵

Was kann den Darmaufbau zusätzlich beeinflussen?


Normalerweise herrscht in einer gesunden Darmflora ein dynamisches Gleichgewicht zwischen den unterschiedlichen Darmbakterien. Nach der Geburt braucht die Darmflora etwa zwei bis drei Jahre, bis sie ihre endgültige Zusammensetzung erreicht hat⁶, je nachdem, wie schnell sich die Ernährung der eines Erwachsenen angleicht. Sie ist ideal an die Umgebung und Ernährung jedes Einzelnen angepasst, obwohl es hierbei auf der Welt große Unterschiede gibt. Deshalb können beispielsweise Japaner Sushirollen besser verdauen als Europäer: Weil sie schon viel länger an dieses Nahrungsmittel gewöhnt sind, enthält ihre Darmflora ein spezielles Bakterium, das ihnen die Verdauung der Porphyra-Alge ('Nori') ermöglicht, in die der Reis eingewickelt wird.⁷

Bestimmte Medikamente, wie zum Beispiel Antibiotika, Schadstoffe in der Nahrung oder eine unausgewogene Ernährung und auch Stress können die Darmflora aus der Balance bringen.
Der Einsatz von Antibiotika ist eine der häufigsten Ursachen für eine Veränderung der Darmflora. Wenn Antibiotika gegen eine Infektion gegeben werden, eliminieren sie in erster Linie die Bakterien, die für die Infektion verantwortlich sind. Gleichzeitig hemmen und dezimieren sie aber auch viele der natürlich im Darm vorkommenden Mikroorganismen. Oft kommt es dann zu unerwünschten Nebenwirkungen.

Auch das Alter steht in Zusammenhang mit der Darmgesundheit, da sich mit zunehmenden Jahren die Zusammensetzung der Darmflora ändert. Ursachen dafür können altersbedingte Veränderungen im Magen-Darm-Trakt oder der Leistungsfähigkeit des Immunsystems sein, aber auch Veränderungen des Ess- und Trinkverhaltens, die Sie aktiv beeinflussen können.

Eine intakte Darmflora ist eine wertvolle Hilfe für Ihren Körper, die über Wohlbefinden oder Unwohlsein entscheiden kann. Achten Sie daher auf sich und halten Sie Ihre Darmflora mit unseren Tipps im Gleichgewicht.
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1) P. Bourlioux, Actualité du microbiote intestinal, Annales Pharmaceutiques Françaises, Volume 72, Issue 1, January 2014, Pages 15-21, ISSN 0003-4509


2) A. Bernalier-Donadille, Activités métaboliques du microbiote intestinal humain, Gastroentérologie Clinique et Biologique, Volume 34, Issue 4, Supplement 1, September 2010, Pages 17-23, ISSN 0399-8320


3) G. Corthier Bonnes bactéries et bonne santé Éd. Quae INRA, Versailles (2011)


4) Pr Pierre BOURLIOUX « COMPOSITION ET ROLES DE LA FLORE INTESTINALE » objectif nutrition n°41


5) P. Bourlioux, Actualité du microbiote intestinal, Annales Pharmaceutiques Françaises, Volume 72, Issue 1, January 2014, Pages 15-21, ISSN 0003-4509, http://dx.doi.org/10.1016/j.pharma.2013.09.001


6) Bourlioux, Actualité du microbiote intestinal, Annales Pharmaceutiques Françaises, Volume 72, Issue 1, January 2014, Pages 15-21, ISSN 0003-4509


7) Jan-Hendrik, Hehemann et al. »Transfer of carbohydrate-active enzymes from marine bacteria to Japanese gut microbiota »Nature 464, 908-912 (8 April 2010) doi:10.1038/nature08937

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4 Kommentare

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habe vor vielen Jahren mal gehört,
dass Eigenurintrinken für die Darmflora gut sein soll,
hat jemand mehr Info da drüber ???
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sehr nützliche Info, leider aber mit einem leichten Hang zur Werbung....
muss halt jeder selber lesen was er damit anfängt.
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danke für den informativen beitrag!
lg, barbara
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Ich bin sicher, das ist ein sehr interessanter Kommentar, und ein gute Beschreibung des Themas, ist mir aber viel zu viel Information an einem Stück. LG von Doris
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