Hoffnung für Alzheimer-Patienten: Diabetes-Medikament könnte helfen
Hoffnung für Alzheimer-Patienten: Diabetes-Medikament könnte helfen

Hoffnung für Alzheimer-Patienten: Diabetes-Medikament könnte helfen

News Team
Beitrag von News Team

1,6 Millionen Deutsche sind von Demenz betroffen, zwei Drittel leiden an Alzheimer. Tendenz steigend. Der schleichende Tod trifft vor allem Menschen ab dem 60. Lebensjahr. Nach und nach gehen Gedächtnis, Orientierung und Sprache verloren. Die Patienten werden hilflos, verändern ihr Persönlichkeit.

Bislang gibt es zwar Medikamente, die die Symptome über einen gewissen Zeitraum lindern können. Ein Fortschreiten der Erkrankung oder gar eine Heilung gibt es jedoch nicht. Selbst die großen Pharmakonzerne konnten in den vergangenen 15 Jahren keinen Durchbruch erreichen. Bis jetzt.

Seit einigen Tagen sorgt ein deutscher Forscher für neue Hoffnung. Wie Fachzeitschriften berichtet, soll er ein Medikament gefunden haben, das Gedächtnisverlust rückgängig machen kann: Ein Diabetes-Medikament!

Parallelen zwischen Alzheimer und Diabetes


In der "Bild am Sonntag" berichtet Professor Christian Hölscher über die spektakulären Erkenntnisse seiner Forschung in der englischen Kleinstadt Lancaster.

Die neue Studie ist ganz schön eingeschlagen, Anfragen aus aller Welt.

Der Wirkstoff heißt Tripel-Receptor-Agonist und ist ein künstliches Hormon, das unter anderem Insulin regelt und eigentlich für die Diabetes-Therapie entwickelt wurde.

Da Hölscher aber schon vor gut zehn Jahren feststellte, dass TypII-Diabetiker besonders häufig an Alzheimer erkranken, forschte er weiter und fand heraus, dass es mehr Parallelen zwischen beiden Krankheiten gibt. Er glaubt, dass beide Erkrankungen vielleicht auch ähnlich behandelt werden können. So spiele Insulin bei beiden Erkrankungen eine große Rolle:

Die Nervenzellen in unserem Kopf müssen ein Leben lang halten. Bekommen sie zu wenig Signale von Wachstumsfaktoren wie Insulin, sind sie wie ein Schiff ohne Kapitän und gehen irgendwann zugrunde. Sie brauchen jemanden, der ihnen sagt: ,Auf geht’s, werft den Motor wieder an, repariert, was kaputtgegangen ist.‘ Genau das tun die Wirkstoffe aus der Diabetes-Therapie.

Tierversuch waren bereits erfolgreich


Bei Tierversuchen hat Hölscher Theorie bereits funktioniert. Mäuse, die typische Alzheimer-Symptome zeigen, wurden mit dem neuen Wirkstoff behandelt. Bei einem Gedächtnistest, einer Art Wasserlabyrinth, schnitten die Tiere nach der Behandlung ähnlich gut ab wie gesunde Mäuse. Unbehandelte erkrankte Mäuse suchten dagegen fast doppelt so lange nach dem Ziel.

Hölscher betont, dass im Zuge der Behandlung auch charakteristische Entzündungen und Ablagerungen im Gehirn der kranken Mäuse zurückgingen und Nervenzellwachstum angeregt wurde.

Der Münchner Alzeheimer-Experte Timo Grimmer bremste in der "BamS" verfrühte Euphorie:

Gute Ergebnisse im Tierversuch wurden schon bei vielen Medikamenten beobachtet.

Er fügte aber auch an:

Diese hier sind aber sicher spannend.

Erste Tests mit Patienten


In Dänemark gab es bereits einen Test an Menschen, bei dem 14 Alzheimer-Patienten mit Diabetes-Medikamenten behandelt wurden. Die Ergebnisse seien vielversprechend.

So wurde die Gehirnaktivität der Betroffenen im Laufe der Zeit nicht schwächer. Im Gegenteil. In einigen Arealen nahm sie wieder zu. Hölscher ist sich sicher:

Wenn man so etwas sieht, bedeutet das etwas.

Aktuell werden in einer weiteren Studie in London 200 Alzheimer-Patienten mit einem ähnlichen Wirkstoff behandelt, der auch bei Hölschers Tierversuchen eingesetzt wurde. Die Studie läuft noch bis 2019. Sollten sich hier erste Erkenntnisse bestätigen, könnte es mit der Entwicklung schnell gehen. Denn Diabetes-Medikamente wurden ja bereits auf ihre Sicherheit getestet. Hölscher glaubt:

Eine große Pharmafirma könnte die Marktreife dann in vielleicht drei Jahren schaffen.

Auch Alzheimer-Experte Grimmer macht Hoffnung:

Es gibt noch weitere vielversprechende Wirkstoffe in der klinischen Erprobung. Vor allem zwei Antikörper, die die für Alzheimer typischen Ablagerungen direkt angreifen. Die kommenden ein, zwei Jahre werden zeigen, ob wir bald erstmals Therapien haben werden, die Alzheimer bremsen.

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