Grausam inszeniert: Der Tatort eines Tollwut-Infizierten im Tatort
Grausam inszeniert: Der Tatort eines Tollwut-Infizierten im TatortFoto-Quelle: ARD

Tollwut greift im "Tatort" um sich! Was ihr über das Todes-Virus wissen müsst

News Team
Beitrag von News Team

Die Tollwut greift um sich - das gilt für den Tatort an diesem Sonntag. Ein Gefängnisinsasse stirbt Schaum spuckend an dem Virus. Bald stirbt ein weiterer Häftling ähnlich dramatisch. War es Gift oder der Erreger? Ein JVA-Arzt teilt dem Ermittler-Team mit, er sei ebenso infiziert.


Tollwut? Ist die Zeit der im Wald ausgelegten Köder nicht vorbei? Gilt die Krankheit nicht als besiegt? Gibt es keine Chance zu intervenieren, wenn eine Infektion erfolgt ist? Ist der Ausgang immer tödlich?

Das Robert-Koch-Institut beantwortet auf seine Seiten Fragen rund um das Virus.


Was ist Tollwut?


Tollwut ist eine durch Tiere übertragene Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), die durch verschiedene Lyssaviren ausgelöst wird, darunter Rabiesvirus (klassisches Tollwutvirus) und verschiedene Fledermaus-Tollwutviren. Die Erkrankung kann – auch noch nach einer Infektion mit dem Virus – durch eine Impfung verhindert werden. Sobald jedoch typische Krankheitszeichen wie Lähmungen oder Krämpfe, Lichtscheu und Abneigung gegen Wasser aufgetreten sind, verläuft sie in der Regel tödlich. Eine heilende Therapie gibt es bisher nicht.

Von welchen Tieren geht eine Tollwutgefahr aus?


Verschiedene Säugetiere können Tollwutviren in sich tragen und teilweise übertragen, darunter in erster Linie Hunde, Füchse und Fledermäuse Weltweit gehen die meisten Todesfälle beim Menschen auf Bisse durch infizierte Hunde in Ländern zurück, in denen die Tollwut regulär vorkommt, also endemisch ist.

Wie viele andere europäische Staaten gilt Deutschland als frei von der terrestrischen Tollwut. In der Vergangenheit waren hierzulande Füchse das Hauptreservoir für klassische Tollwutviren. Durch systematische Bekämpfungsmaßnahmen, insbesondere durch den Einsatz von Impfködern, wurde der Erreger bei Füchsen ausgerottet. Der letzte identifizierte Tollwutfall bei einem Fuchs in Deutschland trat im Februar 2006 auf. Der illegale Import von Haustieren (Hunde und Katzen) aus Regionen, die als nicht tollwutfrei gelten, stellt jedoch weiterhin ein Risiko dar.

Kann Tollwut von Mensch zu Mensch übertragen werden?


Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich. Vereinzelt wurden Ansteckungen durch Organtransplantationen bekannt. Andere Formen der Mensch-zu-Mensch-Übertragung, z.B. durch Bisse einer bereits erkrankten Person, sind theoretisch denkbar, wurden aber bisher nicht beschrieben.

Ab wann sind Infizierte ansteckend?


Es wird davon ausgegangen, dass mit Tollwuterregern infizierte Tiere bereits bis zu 10 Tage vor Auftreten der Symptome infektiös sind. Tollwut-infizierte Menschen sind mit Beginn der Krankheitssymptome ansteckend.

Wie viele Fälle gibt es?


Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation sterben weltweit jährlich rund 59.000 Menschen an Tollwut, wobei von einer erheblichen Dunkelziffer insbesondere in Afrika und Asien ausgegangen wird.

In Deutschland sind seit dem Jahr 2001 insgesamt 6 Tollwuterkrankungen an das RKI übermittelt worden. Zuletzt verstarb im Jahr 2007 ein Mann an der Krankheit, nachdem er von einem streunenden Hund in Marokko gebissen worden war. 2005 erkrankten drei Organempfänger durch die Organe einer infizierten Spenderin und starben. 2004 erkrankte und verstarb ein Patient, der sich höchstwahrscheinlich in Indien infiziert hatte.

Wer soll sich impfen lassen?


Die Ständige Impfkommission (www.stiko.de) empfiehlt eine Impfung gegen Tollwut für Personen mit beruflichem oder sonstigem engen Kontakt zu Fledermäusen sowie für Personen, die in Laboratorien mit Tollwutviren arbeiten. Auch bei Reisen in Tollwut-Endemiegebiete wird eine Tollwutimpfung empfohlen. Eine Impfung von Tierärzten, Jägern, Forstpersonal usw., die nicht mit Fledermäusen arbeiten, ist derzeit in Deutschland nicht erforderlich.

So äußert sich Tollwut nach ihrem Ausbruch


1. Prodromalstadium:

Es bestehen uncharakteristische Beschwerden, z.B. Kopfschmerzen und Appetitlosigkeit. Fieber ist nicht immer anzutreffen. Weiterhin werden Brennen, Jucken und vermehrte Schmerzempfindlichkeit im Bereich der Bisswunde angegeben.

2. Akute neurologische Phase:

Bei der enzephalitischen Form, die überwiegend durch zerebrale Funktionsausfälle gekennzeichnet ist, kommt es meist zu einer ausgeprägten Hydrophobie. Bereits die optische oder akustische Wahrnehmung von Wasser löst eine erhebliche Angst vor dem Trinken aus und führt zu Unruhe und Krämpfen u.a. der Schlundmuskulatur. Als Folge der dadurch bedingten Schluckstörungen kommt es zum Ausfließen von Speichel aus dem Mund. Die Krämpfe können sich auf die gesamte Muskulatur erstrecken (inkl. Opisthotonus). Weitere Symptome sind vermehrte Speichelbildung (Hypersalivation) oder auch Angst vor Zugluft (Aerophobie). Der Gemütszustand wechselt zwischen aggressiver und depressiver Verstimmung

Bei der paralytischen Form mit überwiegenden Veränderungen an den Nerven des Rückenmarks und peripheren Nerven stellen sich zunehmend Parästhesien, hypothonische Muskelschwächen und absteigende Lähmungen ein, die u. a. zu Schwierigkeiten beim Schlucken und Lähmung der Atemmuskulatur führen können. Diese Manifestationsform ist oftmals schwer gegenüber dem Guillain-Barré-Syndrom abzugrenzen.

3. Koma:

Der Tod tritt in der Regel im Koma und unter den Zeichen der Atemlähmung bzw. oder auch Lähmung der Herzmuskulatur ein. Zwischen dem Auftreten der ersten Symptome und dem Tod liegen meist nur wenige Tage.