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EU: Ewige Sommerzeit ab 2019? - Biologe warnt: „Wir werden dicker, dümmer und grantiger“

News Team
Beitrag von News Team

Die EU-Kommission hat am Mittwoch einen Gesetztesvorschlag zur Abschaffung der Zeitumstellung in Europa vorgelegt. 2019 sollen die einzelnen EU-Länder entscheiden dürfen, ob sie im März bei der Winterzeit bleiben oder die Uhr ein letztes Mal eine Stunde vorstellen. Schon jetzt warnen die Forscher vor den Folgen einer „ewigen Sommerzeit“.

IM VIDEO | Zeitumstellung: Wissenschaftler warnen vor ewiger "Sommerzeit"


Stelle man die Uhren ganzjährig auf die Sommerzeit um, werde es „riesige Probleme geben“, warnt Till Roenneberg vom Institut für Psychologie der Universität München. „Man erhöht die Wahrscheinlichkeit für Diabetes, Depressionen, Schlaf- und Lernprobleme - das heißt, wir Europäer werden dicker, dümmer und grantiger.“

Als Grund für seine etwas düstere Prognose nennt der Chronobiologe unter anderem den Mangel an Schlaf, der mit einer „ewigen Sommerzeit“ auftreten würde. Insbesondere für Schüler könnte dies katastrophale Folgen haben. Denn Schlaf ist notwendig, um Gelerntes zu verarbeiten. „Jedes Land, das das [die Einführung der Sommerzeit] nicht macht, wird uns akademisch überholen.“

Forscher lehnen „ewige Sommerzeit“ ab

Für eine dauerhafte „Normalzeit“ spricht sich auch die Deutsche Gesellschaft für Schlafstörung und Schlafmedizin (DGSM) aus. „Die bisherige Winterzeit entspricht den Verhältnissen, die unter Berücksichtigung der natürlichen Lichteinflüsse für unseren Schlaf-Wach-Rhythmus am günstigsten ist“, sagte DGSM-Vorsitzender Alfred Winter gegenüber „sat.1“.

Licht und Dunkelheit bestimmen unsere innere Uhr. Das hießt: Die Lichtverhältnisse sind dafür verantwortlich, wann wir wach und wann wir müde werden. Während der Sommerzeit setzt die Produktion des Schlafbotenstoffs Melatonin wegen der längeren Tage erst später ein. Dies führt dazu, dass die meisten Menschen länger wach bleiben - und am Morgen noch müde sind.

Soziales Leben bestimmt den Tagesablauf

Problematisch ist außerdem ein weiteres Phänomen, das Roenneberg „sozialen Jetlag“ nennt. Nur die wenigsten unter uns können ihr Leben nach dem natürlichen Rhythmus von Hell und Dunkel richten. Denn was unseren Tagesablauf bestimmt, ist bei den meisten das soziale Leben: Beginn des Schulunterrichts am Morgen, Arbeitszeiten, Treffen mit Freunden am Abend.

Helfen würden unter anderem flexiblere Arbeitszeiten. Die üblichen Bürozeiten zwischen 9 und 17 Uhr seien heutzutage nur noch in den wenigsten Branchen nötig, so Roenneberg. Eine Änderung hier wäre „viel wichtiger als dieser Schnellschuss, ganzjährig die Sommerzeit einzuführen.“

Wie dem auch immer sei: Am 28. Oktober findet die nächste Zeitumstellung statt. Dann werden die Uhren um eine Stunde von der Sommer- auf die Winterzeit zurückgestellt.

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