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Sieht schön aus, doch was weniger schön ist: In deutschen Flüssen und Seen wurden multiresistente Keime nachgewiesenFoto-Quelle: Pixabay

Greenpeace: Multiresistente Keime belasten Gewässer in Deutschland - und gefährden unsere Gesundheit

News Team
Beitrag von News Team

Das Ergebnis einer aktuellen Greenpeace-Untersuchung ist alarmierend: In deutschen Gewässern breiten sich demnach antibiotikaresistente Keime weiter unkontrolliert aus. Zu diesem Fazit kommt die Umweltschutzorganisation nach der Auswertung von Wasserproben, die zwischen Mai und September bei einer Messtour durch 21 Städte sowie in Seen, Flüssen und Bächen erfasst wurden.

In 25 von 66 der untersuchten Wasserproben (38 Prozent) wurden multiresistente Erreger vom Typ ESBL entdeckt, heißt es in dem jetzt veröffentlichten Bericht "Keime außer Kontrolle". Dies zeige, "wie weit multiresistente Keime in der
Umwelt verbreitet sind", heißt es in dem Bericht.

Multiresistente Keime schadeten nicht nur der Umwelt, sondern seien auch ein Gesundheitsrisiko für Menschen, erklärt Dirk Zimmermann von Greenpeace: "Wenn sich diese Keime ausbreiten, wächst die Gefahr, dass immer mehr Antibiotika als wichtigste Waffe gegen Infektionskrankheiten ihre Wirksamkeit verlieren", so der Landwirtschaftsexperte. "Jeder antibiotikaresistente Erreger in der Umwelt ist einer zu viel."

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Wie die Keime in die Flüsse und Seen gelangen, ist unklar. Sicher ist laut Greenpeace: "Die massenhaft in der Landwirtschaft ausgebrachte Gülle hat daran einen Anteil."

Keime in Gülle nachgewiesen

Dass etwa Schweinegülle mit multiresistenten Keimen belastet ist, ergab eine Untersuchung der Umweltschutzorganisation im vorigen Jahr: Damals wurden die Keime in 13 von 19 untersuchten Proben nachgewiesen. Über die mit Gülle gedüngten Felder gelangten die Keime in Bäche, Flüsse und Meere.

Was kann man gegen das Problem tun? Eine Lösung liegt nach Ansicht von Greenpeace in artgerechter Tierhaltung. "Das würde den Einsatz von Antibiotika reduzieren", sagt Dirk Zimmermann. "Damit würden aus unseren Ställen weniger Antibiotikaresistenzen verbreitet."

Überdüngung ist auch die Ursache für ein weiteres Problem

Greenpeace fordert außerdem ein bundesweites, einheitliches und umfassendes Monitoring für
resistente Keime und Antibiotika in der Umwelt.

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Überdüngung ist laut Greenpeace auch der Grund für ein weiteres Problem: Die Belastung der Gewässer durch Nitrat.

"Als Trinkwasser nicht geeignet"

In 60 Prozent der von Greenpeace genommenen und untersuchten Wasserproben lagen die Werte über dem gesetzlich vorgegebenen Jahresmittelwert für gute Wasserqualität.

Daneben haben die Experten auch die Brunnenwasser-Proben von Besuchern der Greenpeace-Messtour untersucht. Ergebnis: 13 Prozent (31 von 237 Proben) waren über dem Grenzwert für Trinkwasser mit Nitrat belastet. "Derart belastetes Wasser ist als Trinkwasser nicht geeignet", heißt es in dem Bericht.

Für Deutschland könnte das Problem teuer werden

Die hohe Nitratbelastung des Grundwassers brachte im Juni auch den Europäischen Gerichtshof (EuGH) auf den Plan: Das Gericht verurteilte Deutschland, weil die Bundesregierung über Jahre zu wenig gegen die hohe Nitratbelastung des Grundwassers unternommen habe. Die EU-Richtlinie schreibt bei hoher Nitratbelastung ein Aktionsprogramm vor.

Für Deutschland könnte dieser Verstoß teuer werden: Wird gegen die hohe Nitratbelastung nichts unternommen, drohen Strafzahlungen in Milliardenhöhe.

Der Bauernverband sieht Deutschland zu unrecht an den Pranger gestellt: „Deutschland hat gehandelt und neue weitreichende Anforderungen an die Düngung im Sinne des Gewässerschutzes geschaffen, die derzeit von den Landwirten bereits umgesetzt werden", so reagierte Bauernverband-Generalsekretär Bernhard Krüsken im Juni auf das Urteil des EuGH.

Dieses basiere auf einer "alten Rechtsgrundlage", so Krüsken, und berücksichtige nicht die seit Anfang 2018 geltende Düngeverordnung. In der Vergangenheit hatte er beim Thema Nitrate im Grundwasser von „Panikmache und ungerechtfertigter Verunsicherung der Verbraucher“ gesprochen.