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Qualifikationen bei Anbietern im Bereich Gesundheit

Beitrag von wize.life-Nutzer

"Es gibt Hilfsarbeiter in allen Berufen" sagte Robert Lembke, und hat Recht. Dennoch sollte man bei Anbietern auf die Qualifikation schauen, denn wer sich die Mühe macht, eine solche zu erwerben, zeigt damit ein Interesse und Bemühen, das bessere Leistungen erwarten lässt.
Außerdem ist dringend zu empfehlen, nach dem Anbieter zu googeln, ob es irgendwo im Netz Bewertungen über ihn gibt.

Doktortitel

Ein Doktortitel ist zweifellos ein Hinweis auf eine Qualifikation, fragt sich nur für was. Dr.med ist nur eine von zahllosen Möglichkeiten, auch wenn Otto Normalverbraucher dabei erst mal an einen Arzt denkt.
Wenn z.B. ein Doktor rer.pol. (rerum politicarum = Doktor der Wirt­schafts- und Sozialwissenschaften) etwas zum Thema Gesundheit anbietet, ist er dazu genauso gut oder schlecht qualifiziert, wie ein x-beliebiger Laie. Der Doktor der Wirtschafts­wissenschaften lässt eher darauf schließen, dass er besonders gut dafür ausgebildet ist, die Leute auszunehmen.
Wenn also ein Anbieter einen Doktortitel heraushängt, schau genau hin, von welchem Fach der Titel ist.

Arzt

Ärzte haben eine umfangreiche Ausbildung, an deren Ende ein staatliches Examen steht, und ihre Tätigkeit unterliegt zahlreichen gesetzlichen und anderen Regelungen. Abgesehen von den in jeder Branche vorhandenen menschlichen Schwächen sind von ihnen gutes Wissen und gute Leistungen zu erwarten.
Dass auch guten Ärzten gelegentlich Fehler unterlaufen liegt einfach an der Komplexität des Fachgebiets. Niemand, auch kein Arzt, ist allwissend oder allmächtig.

Die "menschlichen Schwächen" sind allerdings ein echtes Problem. Es gibt auch unter Ärzten inkompetente Säcke, denen es an Empathie fehlt und/oder die sich auf der Tatsache ausruhen, dass ihnen auf Grund ihres Privilegs der Zulassung die Krankenkassen die Kundschaft zutreiben.
Der Numerus clausus, der auch für das Medizinstudium gilt, bevorzugt leider Bewerber mit den besten Noten. Aber wer am besten Wissen pauken kann, hat in der Regel umso weniger Empathie.

Therapeuten

Bei Therapeuten gibt es zwei Gruppen:

Bei der ersten handelt es sich um geschützte Berufsbezeich­nun­gen. Diese Therapeuten haben eine geregelte Ausbildung mit entspre­chen­den Prüfungen, man könnte sie als "Facharzt light" bezeichnen. Sie können zwar nicht ganz soviel wie ein Arzt, sind aber auf ihrem Fachgebiet genauso vertrauenswürdig.
Zu dieser Gruppe gehören z.B. Psychotherapeuten und Physiothera­peu­ten.

Die Bezeichnungen der zweiten Gruppe sind nicht geschützt. Jeder Scharlatan darf sich so nennen. Man muss also genau hinschauen, welche Ausbildung oder Zertifizierung ein Anbieter nachweisen kann. (Begabte Laien sind allerdings auch möglich.)
Zu dieser Gruppe gehören z.B. Ernährungstherapeuten und Paar­thera­peu­ten.

Heilpraktiker

Heilpraktiker benötigen eine Zulassung (geschützte Berufs­bezeich­nung), der eine Prüfung durch einen Amtsarzt vorausgeht. Die Ausbildung selbst ist nicht geregelt.
Bei der Prüfung wird festgestellt, ob der Heilpraktiker ausreichende Kenntnisse hat und keine Gefahr für seine Patienten ist. Ob das auch nach der Prüfung so bleibt, wird nicht kontrolliert und hängt vom Verantwortungsbewusstsein des einzelnen Heilpraktikers ab. Dass manche nach der Prüfung zu esoterischen Methoden abschwenken, kommt leider nicht selten vor. Man muss sich den Anbieter also individuell anschauen.

Heilpraktiker werden erst interessant für Menschen, die entweder den Glauben an die Ärzte verloren haben, oder im Fall der Psychotherapie in zumutbarer Zeit keinen Therapieplatz bei einem Arzt oder Psychotherapeuten bekommen, oder Leistungen suchen, die die Krankenkasse sowieso nicht zahlt. Ansonsten ist der Arzt die erste Wahl, erstens wegen der Kassenzulassung und zweitens wegen der besseren Ausbildung und damit durchschnittlich besseren Kenntnisse.

Berater

Die Bezeichnungen …-Berater genießen keinen gesetzlichen Schutz. Zur Absicherung einer qualifizierten Beratung muss man also hinschauen, welche Ausbildung oder Zertifizierung ein Anbieter nachweisen kann. (Begabte Laien sind allerdings auch möglich.)
Beispiele für Berater: Ernährungsberater, Psychologische Berater, Paarberatung, …

Coach

Coaches sind praktisch Berater im psychologischen/sozialen Bereich. Auch die Bezeichnung Coach ist nicht gesetzlich geschützt. Zur Absicherung eines qualifizierten Coachings muss man also hinschauen, welche Ausbildung, Zertifizierung oder Erfahrung ein Anbieter nachweisen kann. Begabte Laien sind allerdings auch möglich, schließlich muss jeder mal anfangen.
Auf jeden Fall ähnelt ein seriöses Coaching einer Verhaltens­thera­pie. Esoterische Inhalte sind ein eindeutiger Hinweis auf unseriösen Hokuspokus.

Qualitätskriterium Kosten

Für Heilpraktiker, Berater, Coaches gilt gleichermaßen: Wer als Stundenpreis mehr verlangt, als ein Handwerker, übt die Tätigkeit in der Regel wegen des Geldes aus. Und darunter leidet die Qualität.

Heiler

Finger weg. Wer wirklich heilen kann, kann ohne großen Aufwand einen Heilpraktikerabschluss machen und die offizielle Zulassung bekommen. Wer diesen Aufwand scheut, kann seine Fähigkeit immer noch als Berater oder Coach ausleben.

Der ungeschützte Begriff "Heiler" verspricht Hilfesuchenden eine medizinische Leistung, die von einem solchen Scharlatan nicht erbracht wird.
Manchen Opfern bringt die Hoffnung auf Heilung durch den Placebo-Effekt eine kurze Besserung, die aber nur vorübergehend ist. Der finanzielle Verlust dagegen ist nicht nur vorübergehend.


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