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Umfrage

Fahrtauglichkeitsprüfung ab 60: Altersdiskriminierung oder Notwendigkeit?

Wolfgang Stegers
23.06.2013, 09:41 Uhr
Beitrag von Wolfgang Stegers

Eigentlich wussten wird es schon immer. Die Bestätigung hat jetzt das Statistische Bundesamt in seinem Jahresbericht von 2011 geliefert: Senioren fahren besser. Denn vor zwei Jahren wurden 16,4 Prozent aller Unfälle bei denen Personen geschädigt wurden, von jungen Fahrern verursacht.

Bei den älteren Verkehrsteilnehmern ab 65 Jahren hingegen waren es lediglich 9,7 Prozent. Sie hatten schwere Unfälle ausgelöst. Dennoch schält sich bei den Senioren eine Problemgruppe heraus: Die über 75-jährigen hatten an den 9,7 Prozent einen überproportional hohen Anteil von 75 Prozent.

Schwierigkeiten bei komplexen Situationen

Es zeigt sich, dass ältere Menschen Schwierigkeiten haben, auf komplexe Verkehrssituationen adäquat zu reagieren. So seien die meisten Unfälle, wie Professor Wolfgang Fastenmeier festgestellt hat, bei falschem Abbiegen, Wechsel der Fahrspur, Übersehen roter Ampeln und beim Abkommen von der Fahrbahn ausgelöst worden.

Gleichzeitig weist der renommierte Berliner Verkehrspsychologe aber darauf hin, dass gerade die neu entwickelten Assistenzsysteme einen wichtigen Beitrag zu Verkehrssicherheit leisteten. Zu diesen Systemen gehören der „Spurhalte-Assistent“, der „Tote-Winkel-Warner“ und die Warnung vor dem Verlassen der Fahrbahn (Lane-Departure-Warning“).

Auffahrunfälle verhindern

Nahezu die Hälfte (42 Prozent) der Auffahrunfälle könnte mit dem so genannten Notbremsassistenten verhindert werden, heißt es vom Institut für Fahrzeugsystemdaten unter Leitung von Professor Klaus Rompe. Mit unterschiedlichen Warnstufen wird der Fahrer rechtzeitig auf die sich anbahnende Unfallsituation bei Geschwindigkeiten bis zu Tempo 120 km/h aufmerksam gemacht. Sollte er dennoch nicht reagieren, wird automatisch eine Notbremsung ausgelöst. Sie kann zwar nicht mehr en Aufprall gänzlich verhindern, aber mildert ihn deutlich ab.

Anders der City-Notbremsassistent bis Tempo 50 km/h. Hier kann das elektronische System so blitzschnell reagieren, dass Kollisionen mit ins Auto laufenden Fußgängern oder Auffahrunfälle vermieden werden. In beiden Fällen wird bis zum vollständigen Stillstand gebremst.

Aufpreise bei Assistenzsystemen

Diese Systeme sind bereits eingeführt. In der Regel werden sie als aufpreispflichtige Sonderausstattungen angeboten. In einer weiteren Ausbaustufe können dann die Fahrzeuge miteinander kommunizieren und sich gegenseitig warnen. So lässt sich die Zahl der Kreuzzugsunfälle drastisch reduzieren.

Nachschulung Pflicht oder nicht?

Trotz aller Fehler, die älteren Verkehrsteilnehmern unterlaufen, glaubt die Mehrzahl der Verkehrspsychologen nicht, daraus die Pflicht ableiten zu können, regelmäßige Tauglichkeitsprüfungen für ältere Fahrzeuglenker einführen zu müssen. Daher stellt sich immer wieder die Frage nach der Gültigkeit des Führerscheins. Einmal erworben, gilt er in Deutschland lebenslang und ist nicht an ein Alter gebunden.

Eine Studie vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der Technischen Universität Dortmund, kommt zu dem Ergebnis, dass „die Fahrkompetenz“ älterer Autofahrer durch Trainings nachhaltig gesteigert und das Fahrkönnen verbessert werden kann.

Regelmäßige Checks in der Schweiz ab 70 Jahre

Die Schweiz macht es vor und viele Experten in Deutschland fordern es: Regelmäßige Augenuntersuchungen und Reaktionstests müssen sich die Fahrzeuglenker ab einem Alter von 70 alle zwei Jahre unterziehen. Deutschland ist eines der wenigen europäischen Länder, in denen es keine Überprüfung älterer Verkehrsteilnehmer gibt. In den Niederlanden, in Schweden, Dänemark, Finnland, Italien und Großbritannien werden Senioren regelmäßig gecheckt, in Spanien müssen Wagenlenker schon ab 45 Jahren ihr Seh- und Hörvermögen unter Beweis stellen.

Bringt der neue EU-Führerschein die Wende?

Was für das Auto der TÜV ist, sollte auch für Führerscheinbesitzer gelten, sagen die Befürworter. Sie glauben, dass etliche der Geisterfahrerunfälle sich nicht ereignet hätten, wenn fitte Senioren am Steuer gesessen hätten.

Die Befürworter bauen auf den neuen einheitlichen EU-Führerschein. In den Richtlinien steht, dass die Fahrerlaubnis alle 10, spätestens alle 15 Jahre erneuert werden muss. Da könnte es günstig sein, ihn mit einem obligatorischen Check zu verbinden.

Wie denken Sie darüber, wie entscheiden Sie? Sagen Sie uns Ihre Meinung und stimmen Sie ab, was sie von möglichen Einschränkungen beim Besitz des Führerscheins halten.

Sollten Senioren ohne Einschränkungen Autofahren dürfen?

Wer sich nichts zuschulden kommen lässt, darf den Schein behalten.
30.8 %
Regelmäßige Checks sollten Pflicht sein - nicht nur für Ältere.
54.8 %
Ab einem gewissen Alter sollte man gar nicht mehr fahren.
6.7 %
Dazu habe ich keine Meinung.
0 %
Dazu habe ich eine andere Meinung (siehe Kommentare).
7.7 %
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33 Kommentare

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Auf komplexe Verkehrssituationen nicht adäquat reagieren, kann nicht nur so manch 75 jährige. Auch den 20 jährigen Buben und Mädeln fällt nach dem Komasaufen das Autofahren ziemlich schwer. Oder dem nicht alkoholisiertem 30 jährigen Raudi mit seinem Audi, der den anderen einfach zeigen muss wie toll er ist in seiner Kiste ... und und und ...
  • 01.10.2013, 21:30 Uhr
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Als ich noch gesund war,war ich Busfahrerin und habe meinen Beruf geliebt.Aber bei uns in Dresden wird einmal im Jahr innerbetrieblich ein Scheck gemacht und aller drei Jahre geht es zur Tauglichkeitsüberprüfung.Warum können das Menschen ab 60 Jahre nicht tun? Ich finde das nicht schlecht , wenn sich endlich mal der Spreu vom Weizen trennt!!
  • 08.09.2013, 16:49 Uhr
ich bin der gleichen Meinung. Außerdem ist es nicht nur zur Sicherheit der Anderen, sondern auch zur Eigenen
  • 27.09.2013, 20:40 Uhr
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Verkehrssicherheitstraining hätte ich gern mal mitgemacht. Da ich gern mal ein bischen flotter fahre genieße ich es auf der Autobahn mal Tempo 200 dahin zu schweben. Oft muß ich aber auf der Landstrasse hinter einem Bummler mit 70 schleichen, bestimmt ein ängstlicher Fahrer der nur mal ins nächste Dorf fährt zum Einkauf. Ich denke der Verkehr ist bei uns oft überreguliert. Nicht jede Begrenzung ist sinnvoll. Als begann zu fahren gab es auf der Landstrasse noch 90 km/h. Heute wird wegen vielen abbiegenden Landstrasse auch bei freier Sicht 70 km/h ausgeschildert. Wenn dem einzelnen Kraftfahrer mehr Verantwortung gegeben wird, fährt er auch flott und trotzdem sicherer. Ich bin einige Jahre auch im Transportwesen mit Hänger gefahren, noch ohne Tempomat. Da hat man mehr Verantwortung und es geht gezwungener Massen auch mit 80.
Wir sollten auch nicht vergessen das seit unserm Start im Strassenverkehr dieser auch stark zugenommen hat .
  • 14.08.2013, 20:32 Uhr
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Ich bin dafür, dass alle Autofahrer spätestens alle fünf Jahre getestet werden, und das am besten schon ab 30. Ich habe vor knapp zwei Jahren den Taxischein gemacht und muss sowieso alle fünf Jahre zum Test. Dadurch weiß ich dann wenigstens, ob ich noch fahrtauglich bin. Gerade in letzter Zeit musste ich feststellen, dass vor allem alte Männer zum Teil katastrophal fahren (habe ich selbst mehrfach erlebt). Der Rückspiegel wird auch nicht benutzt. Und durch meine Fahrgäste habe ich erfahren, dass es hauptsächlich alte Damen sind, die ihren Führerschein abgeben und sich lieber von einem ihrer Kinder fahren lassen. Die Männer wollen sich nicht eingestehen, dass sie irgendwann nicht mehr fahrtauglich sind. Linienbusfahrer müssen alle zwei Jahre zur ärztlichen Untersuchung, Fernreisebusfahrer sogar jährlich. Also wird es Zeit, dass das doch alle machen lassen.
  • 14.08.2013, 16:15 Uhr
  • 14.02.2014, 11:09 Uhr
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Ich vertrete da noch eine radikalere Meinung. Jeder Führerscheininhaber sollte regelmäßig zu einem Gesundheitstest und er sollte regelmäßig an einem Verkehrssicherheitstraining teilnehmen müssen.
Jeder, auch junge Menschen lernen ihre Defizite kennen. Menschen die das Kraftfahren nicht mehr beherrschen wird das eindrucksvoll vor Augen geführt. Ob die Führerscheinbehörde da mitmischen soll weiß ich nicht.
Es ist erschreckend, dass Autofahrer „jedes“ alters bei 3 cm Schnee hilflos über die Straße rutschen und sobald ein Auto nur ein wenig ausbricht völlig überfordert sind.
Die ganzen elektronischen Spielereien können letztendlich die Physik nicht außer Kraft setzen und funktionieren nur wenn der Fahrer verantwortungsvoll fährt und weiß was er tut.
Ein Auto soll Freude machen. Wir sollten uns aber immer vor Augen halten, dass ein Auto mindestens so gefährlich ist wie das Gewehr oder die Pistole eines Sportschützen.
  • 22.07.2013, 17:38 Uhr
Nein Doris, ich habe keine Fahrschule, aber ich stelle fest dass ein großer Teil der Autofahrer bei einer widrigen Witterung überfordert ist. Die meisten Leute können ihr Auto bewegen, sie sind aber schon bei kleinen außergewöhnlichen Situationen überfordert.
Wenn Du Sommer wie Winter über einen steilen kurvigen Berghang fahren musst hast Du eine ganz andere Fahrpraxis wie die große Menge.
Ein regelmäßiges Sicherheitstraining würde helfen einen guten Teil an Unfällen zu verhindern.
Jeder Unfall ist ein mehr oder weniger großer Volkswirtschaftlicher Schaden, ganz abgesehen von dem Leid das hier entsteht.
Wir alle zahlen diese Schäden über die KFZ-, Kranken- und Rentenversicherung.

Gegen Schusseligkeit und Leichtsinn ist kein Kraut gewachsen, aber in vielen anderen Fällen wären viele Unfälle vermeidbar.
  • 04.10.2013, 23:57 Uhr
hallo Doris, ich freu mich dass ich dir einen Denkanstoß geben konnte.
Das Fahrertraining ist bestimmt eine tolle Sache.
So etwas wäre auch für uns Flachlandtiroler hier am Niederrhein sinnvoll. Schon bei einer vermiedenen Winterbeule ist das Geld doch wieder drin.
Wenn man das Gefühl dafür bekommt wann die Physik versucht das Auto zu übernehmen und man dann immer noch gelassen reagieren kann ist das schon viel wert.
Ich wünsch Dir viel Spaß dabei Achim
  • 05.10.2013, 22:35 Uhr
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Es ist ein alter Hut aber im Alterungsprozess kann die Leistungsfähigkeit aller Sinnesorgane und auch die von Feinmotorik und Motorik nachlassen. Diese Organe altern schließlich auch und je nach Veranlagung oder allgemeinen Gesundheitszustand manchmal schneller als ihr Wirt. Außerdem kann es zu versteckten Schlaganfällen und, oder ersten Anzeichen von Demenz kommen. Nach geltendem Recht ist jeder Fahrzeugführer selbst für seine Fahrtauglichkeit verantwortlich aber gerade alte Menschen überschätzen auf Grund ihrer langjährigen Fahrpraxis oft ihr Leistungsvermögen. Und selbst wenn ältere Menschen vom Arzt eine Diagnose bekommen, die die Fahrtauglichkeit einschränkt, sind viele nicht bereit dauerhaft auf das Fahrzeug zu verzichten. Für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer wäre es vorteilhaft wenn Führerscheininhaber ab dem 60. Lebensjahr regelmäßige Gesundheitschecks machen müßten. Diese sollten nach Alter gestaffelt von allen Krankenkassen getragen werden!
  • 24.06.2013, 19:55 Uhr
PS: Ich bin 56 Jahre und sehe darin keinerlei Diskriminierung!
  • 24.06.2013, 19:58 Uhr
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Bei dem Hörvermögen muss man bedenken, dass auch Gehörlose einen Führerschein erwerben können. In Fällen der Ertaubung wäre es vielleicht notwendig eine spezifische Nachschulung machen zu lassen.
  • 24.06.2013, 17:00 Uhr
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Jeder der Zeitung liest, weiß auch wer die Kapitalunfälle baut. Es sind nicht die "Alten" sondern die "JUNGEN ",die da beinahe jeden Tag, als Unfallverursacher in den Zeitungen stehen. Es ist wie überall in der heutigen Gesellschaft, die "Jungen" fahren die Gesellschaft an die Wand und leben heute noch von dem was die "Alten" geschaffen haben.
  • 23.06.2013, 10:55 Uhr
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In dieser Sache muss alles genau überlegt werden !. Natürlich gibt es ältere Verkehrsteilnehmer die bei einer Nachprüfung Probleme hätten, dies ist jedoch normal da auch im laufe des Alters ( Sehvermögen, Hörvermögen, Reaktionsvermögen ) nachlässt. Jedoch ist dies kein Ergebnis für ein schlechter Verkehrsteilnehmer. Wir können nicht die Rente auf 70. anheben wollen - und mit 60. evtl. den Führerschein abgeben. Was soll dieser Unsinn. Es gibt Menschen die generell aus dem Straßenverkehr entfernt werden sollen, ob jung oder alt, oder LKW-Fahrer.
  • 23.06.2013, 09:00 Uhr
Der Meinung bin ich auch !!
  • 23.06.2013, 10:19 Uhr
Entspricht der vernunft des denkenden Menschen.
  • 23.06.2013, 12:10 Uhr
das kann ich nur unterschreiben !!!!
  • 24.06.2013, 07:34 Uhr
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Als Diabetiker mache ich jedes Jahr einen Sehtest zu meiner Sicherheit und fahre Auto. Wo ist das Problem?
  • 23.06.2013, 07:10 Uhr
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