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Toyota RAV 4: Geschichte eines Erfolgsmodells

Toyota RAV 4: Geschichte eines Erfolgsmodells

Wolfgang Stegers
09.04.2012, 17:19 Uhr
Beitrag von Wolfgang Stegers

 Die Fahrt mit einem Trendsetter aus dem letzten Jahrhundert kann sehr aufschlussreich sein. Nimmt man den jetzt auslaufenden Defender von Landrover, dann lernt man, was Hardcore-Offroad-Fahren ausmacht. Hier hat die Elektronik kaum etwas zu sagen. Die Formen sind kantig und grob, die Verarbeitung mit den genieteten Karosserieblechen aus Aluminium zweckdienlich und die Bedienung von altem Schrot und Korn. Wie der Ausritt mit einem Morgan Sportwagen, so ist auch die Geländetour mit dem Defender immer auch eine Reise in die automobile Vorkriegsgeschichte.

Ein Alltagsauto auf der Höhe seiner Zeit

Davon ist bei dem Toyota RAV4 nun ganz und gar nichts zu spüren. Er ist auf der Höhe der Zeit, als Alltagsauto erfüllt es souverän seinen Zweck und Ausflüge abseits des Asphalts erledigt er unspektakulär. Natürlich erreicht er im Offroadgelände weit früher seine Grenzen, dafür steckt er hohes Autobahntempo klaglos weg und bügelt die Fahrbahn glatt. Beim Morgan-Roadster wird hier der Fahrer schon gefordert, wenn er seinen Wagen offen über die Schnellstraßen scheucht. Die Windgeräusche nehmen Orkanstärke an und mit der Vorderachse tanzt auch die Lenkung.

Zweitürer gestrichen, Heckklappe unpraktisch

Also in den RAV gestiegen, die Sitzheizung aktiviert, auf dem Bildschirm mit Hilfe der Rückfahrkamera das Ausparken erledigt, die Fahrstufe D des Automaten eingelegt und der anfangs nagelnde Diesel kann seine 150 PS und 330 Newtonmeter auf die Antriebswellen schmeißen. Der Toyota RAV4 ist ein 4,36 Meter langer, 1,85 m breiter und 1,72 m hoher Wagen. Er wird mit 4 Türen plus Hecktür angeboten. Diese ist nicht sehr praktisch für unseren Rechtsverkehr, da sie ebenfalls nach rechts zum Bürgersteig öffnet. Früher wurde auch der kurze Zweitürer mit Heckklappe angeboten, hat sich aber kaum verkauft. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt ist er aber mittlerweile gesucht. Praktisch ist das leicht, auch vom Kofferraum aus zu bedienende Sitzsystem und die verschiebbare Rückbank. Das Ladevolumen variiiert von 486 bis zu 1752 Liter, angenehm auch die niedrige Ladekante zum leichten Einstellen schwerer Wasserträger.

150 PS-Diesel sparsam und sauber 

Sparsam und souverän (in der Ruhe liegt die Kraft) fährt sich der RAV mit dem Vierzylinder Turbodiesel mit seinen 150 PS (110 kW), wenn sie auf eine Sechsgangautomatik wirken. Auf die Automatik (Aufpreis 1.800€) kann auch zu Gunsten eines handgeschalteten Sechsganggetriebes verzichtet werden. In der stärksten Dieselvariante mit 177 PS (130 kW) ist diese Option nicht gegeben. Unverständlicherweise wird dieser Motor ausschließlich mit dem Handschaltgetriebe angeboten. Auch ist ein 158 PS starker Benzinmotor im Angebot, der wahlweise mit dem Handschaltgetriebe oder in der Allradversion mit einem Multidrive-Umschlingungsgetriebe bestückt ist. Der Kundenkreis für die Variante dürfte in Europa aber sehr gering sein, zumal SUVs mit Benzinmotoren sowieso nur auf eine begrenzte Liebhaberkundschaft treffen.

Elektronisch geregeltes Fahrwerk

Beeindruckend ist das „Integrated Active DriveSystem (IADS), das mit dem letzten Facelift eingeführt wurde. Es kann auf die aktiven Sicherheits- und Stabilitätssysteme Einfluss nehmen und sie je nach Beschaffenheit der Straße regeln. Nahezu unbemerkt für den Fahrer werden dabei der Allradantrieb, die elektronische Stabilitätskontrolle, gemeinhin als ESP bekannt, bei Toyota VSC geheißen und die elektrische Servolenkung EPS miteinander vernetzt und geregelt. Eingebunden ist die Antriebsschlupfregelung, die sicher über den Fahrzeugzustand Daten in den Fahrwerkscomputer sendet.

Der variable Allradantrieb

Werden Unregelmäßigkeiten beobachtet, die sich dadurch bemerkbar machen, dass zum Beispiel ein Rad nicht die Motorkraft auf die Straße bringen kann und sich eine Instabilität anbahnt, dann reagiert es sofort. Ziel ist es, zur Stabilität zurückzufinden. Der Allrad wird aktiviert. Sanft wird die Motorkraft auch an die Hinterräder gelenkt und die Drehmomente zwischen Vorder- und Hinterachse neu verteilt.

Elektronische Stabilitätskontrolle

Die elektronische Stabilitätskontrolle verhindert ein Ausbrechen des Hecks bei Kurvenfahrten. Durch gezielte Bremseneingriffe an ein einzelne Räder kann die Stabilität wiederhergestellt werden. Dabei muss nicht auf den Allrad verzichtet werden. Denn er bietet bei Kurvenfahrten mit seinen vier angetriebenen Rädern – vor allem auf rutschigem Untergrund – mehr Sicherheitspotential und eine höhere Agilität und, sodass der Bremseneingriff hinausgezögert werden kann.

Antriebsschlupfregelung

Auch die Antriebsschlupfregelung sorgt dafür, dass der Wagen in der Spur bleibt. Drohen die Räder beim Beschleunigen durchzudrehen, drosselt sie automatisch die Motorleistung ab. Es wird nur so viel Kraft zur Verfügung gestellt, wie zum Vorwärtskomen notwendig ist. Natürlich lässt sich dieses System in speziellen Situationen ausschalten, etwa wenn der Wagen sich mit teilweise durchdrehenden Rädern durch Schnee oder Schlamm wühlen muss. Bergan- und Abwärts-Assistent Elektronisch überwacht wird auch das Anfahren am Berg. So kommt man an rutschigen oder sehr steilen Stellen ohne Probleme den Hang hinauf – und mit dem Bergabfahrassistenten auch wieder sicher hinunter. Hier fährt oder kriecht der Wagen mit konstant eingestellter Geschwindigkeit steilste Passagen nach unten. Jedes einzelnes Rad kann selektiv abgebremst werden, um so ein Querstehen zu verhindern. Natürlich ist der Wagen auch mit ABS ausgerüstet – ein Anti Blockier System, dass die Bremskraft für jedes einzelne Rad dosieren kann.

RAV = Recreational Active Vehicle 

Im Jahr 1994 rief Toyota mit dem RAV 4 eine neue Fahrzeugklasse ins Leben. RAV bedeutet Recreational Active Vehicle Allradantrieb und meinte den kompakten SUV. Diese Fahrzeugklasse hat mittlerweile die höchsten Zuwachsraten und trifft im starken Maße die Bedürfnisse der Kunden. Aus Marktuntersuchungen wissen die Firmen, dass Einsteigen, bequem Sitzen, gute Übersicht, nutzvolle Assistenzsysteme und intuitives Bedienen des Fahrzeugs mit zu den entscheidenden Kaufmerkmalen einer älter werden Kundschaft gehören. Wenn dann die Karosserie des Wagens noch ein passendes Lebensgefühl ausstrahlt, ist der Erfolg vorprogrammiert. Downsizing in dieser Klasse: Vom SUV über den kompakten SUV zum Micro SUV Seit dem Jahr 94 sind fast 20 Jahre vergangen und in dem Segment tummelt sich diverse Anbieter. Kein automobiler Massenhersteller kann es sich erlauben, dieses Segment nicht zu bedienen. Selbst die Sportwagenschmiede Porsche wird im nächsten Jahr einen kompakten SUV offerieren. Mercedes und andere Hersteller erproben bereits „Micro-SUVs".

Sonderedition "Travel" deutet auf "Wachablösung" hin

Derzeit wird eine Sonderedition „Travel" zum Preis von 28.850 € des RAV 4 angeboten, bei einem so genannten Kundenvorteil von 1.500 €. Dies ist das untrügliche Zeichen, dass die alte Modellgeneration vor der Ablösung steht. In einem Jahr, Frühsommer 2013, soll der neue RAV an die Erfolge des alten anknüpfen. So wird Bi-Xenon endlich angeboten, die Bordelektronik samt Navigationssystem ebenso auf neuesten Stand gebracht wie die Unterhaltungsangebote für digitale Medien vom iPod bis zum Smartphone. Auch besteht Renovierungsbedarf beim Cockpit, das mittlerweile altbacken wirkt. Natürlich wird auch dieser neue RAV4 in vierter Generation, wenn nicht Alles, so doch einiges anders und auch besser machen. Dagegen steht ein durch und durch ausgereifter RAV 4 Baujahr 2012, der auch in Zukunft noch gut mithalten kann.

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