wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?
Elektroautos: Nur langsam nehmen sie Fahrt auf

Elektroautos: Nur langsam nehmen sie Fahrt auf

Wolfgang Stegers
03.09.2017, 18:38 Uhr
Beitrag von Wolfgang Stegers

Die Elektromobilität ist in aller Munde. Im anschwellenden Bocksgesang überfluten immer neue Ideen den Markt der Meinungen. Vorschläge werden in die Diskussion geworfen, deren Realisierung im Reich der Phantasie mündet. Umso interessanter scheint in der allgemeinen Verunsicherung die Position der Mineralölfirmen zu sein. Denn sie sind es schließlich, deren Geschäftsmodell mit dem Handel von Kraftstoffen zunehmend obsolet wird.

Kein abrupter Abschied vom Öl

Das britisch-niederländische Unternehmen, Shell, hat zum Beispiel angekündigt, aus dem Handel mit Mineralölen auszusteigen und, analog zu den Vorschlägen der Britischen Regierung und auch der Französischen Regierung ab 2040 keine Benzin- oder Dieselautos mehr zuzulassen. Man erwarte jedoch keinen abrupten Abschied vom Öl. „Wir müssen uns an die weltweit sinkende Nachfrage anpassen“, sagte van Beurden. Deshalb investiere Shell stark in das weniger klimaschädliche Erdgas, wolle bei erneuerbaren Energien mit dabei sein und am Elektroauto verdienen.

Batterie-Autos bleiben eine Nische

„Wir bei Aral gehen zwar von einer wachsenden Elektrifizierung des Bestandes aus“, so der Aral-Forschungschef Peter Sauermann, doch wie stark diese ausfällt, lasse sich gegenwärtig ebenso wenig seriös prognostizieren wie auch deren zeitlicher Verlauf. Rein batterie-elektrisch betriebene Fahrzeuge blieben aber vorerst ein Nischenprodukt.

Deutschland: 45,6 Millionen Pkw

Am 1. Januar 2917 waren 34.022 reine Batterie-Pkw in Deutschland unterwegs – bei einem Gesamtbestand 45,8 Millionen Personenwagen. Hybridfahrzeuge sind mit 165.405 Exemplaren schon stärker vertreten. So wird neben dem steigenden Anteil verbrauchsärmerer Fahrzeuge mit Otto- oder Dieselmotor der Kraftstoffabsatz in Deutschland mittel- und langfristig sinken.

Spritverkauf: 36 Millionen Tonnen Benzin und Diesel

Im vergangenen Jahr jedoch, so Sauermann, sorgten das positive Konsumklima und die niedrigen Kraftstoffpreise für einen leichten Anstieg um 1,1 Prozent auf 35,9 Millionen Tonnen. Dabei wurde erstmals deutschlandweit mit 18 Mio Tonnen (+2,3%) mehr Dieselsprit als Benzin (minus 0,1% auf17,9 Mio) verkauft. Diese Zahlen werden sich aber aufgrund der Dieseldiskussion im speziellen und der Umweltbelastung durch den Verkehr im allgemeinen so nicht wiederholen, sind sich Fachleute für 2018 einig.

Otto und Diesel bleiben noch Jahrzehnte erhalten

Daraus zieht die Aral-Forschung den Schluss: Konventionelle Verbrennungsmotoren bleiben bis auf weiteres das Fundament eines „ausbalancierten Zukunftsszenarios“. Dafür spricht allein die Tatsache, dass der Austausch des Fahrzeugbestandes selbst unter optimalen Rahmenbedingungen noch Jahrzehnte dauern wird. Auch sei der Beitrag der verbrauchsärmeren Motoren für die Reduzierung der Treibhaus-Emissionen „kaum hoch genug zu bewerten“. Abgesehene davon, dass im Schwerlastverkehr und noch drastischer im Flugverkehr Alternativen nicht vorhanden sind. Das Statement von Aral: „Wir glauben an eine zusätzliche Elektrifizierung des Bestandes und an effiziente konventionelle Otto-und Diesel-Motoren.“

Von der Tankstelle zum Supermarkt und umgekehrt

Sorgen um die Tankstellen muss man sich wohl keine machen. Denn sie leben längst vom Verkauf von belegten Brötchen, Lebensmitteln und fungieren als Getränkemarkt. Benzin und Diesel spielen da kaum eine Rolle mehr. Kein Wunder auch, wenn umgekehrt jetzt der Lebensmitteldiskounter Aldi verstärkt ins Mineralölgeschäft einsteigt und verstärkt Benzin und Diesel an eigenen Zapfstellen verkaufen will – so wie Österreichs Aldi, Hofer, schon etliche Jahre lang.

Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.