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Gefährlicher als Alkohol: Sekundenschlaf am Steuer (II)

Gefährlicher als Alkohol: Sekundenschlaf am Steuer (II)

Wolfgang Stegers
09.11.2017, 12:28 Uhr
Beitrag von Wolfgang Stegers

Schläfrigkeit ist häufiger für tödliche Unfälle verantwortlich als Trunkenheit. Jeder Fünfte ist schon mal am Lenkrad eingeschlafen. Können Tricks helfen?

Wie viele Stunden Schlaf braucht man eigentlich? Eine schwierige Frage, meint auch Dr. Hans-Günter Weeß vom Interdisziplinären Schlafzentrum des Pfalzklinikums in Klingenmünster. Pauschal könne man dies nicht beantworten. Die Chronobiologie des Körpers, die innere Uhr, regelt dies automatisch. Aber nur dann, wenn man tagsüber wach, emotional ausgeglichen und leistungsfähig ist, dann müsse der Schlaf auch ausreichend gewesen sein.

Schlaf ist gesund

Die Schlafdauer beeinflusst auch die Lebenserwartung. Sowohl zu viel als auch zu wenig Schlaf wirke sich lebensverkürzend aus, weiß Dr Weeß. Folgen von Schlafmangel seien zum Beispiel Herzkreislauf- und Stoffwechselerkrankungen. „Schlaf ist gesund, wie unsere Eltern und Großeltern immer gesagt haben – das stimmt“. Die volkswirtschaftlichen Kosten von Schlafstörungen in Deutschland seien immens. Schläfrigkeit sei häufiger für tödliche Unfälle verantwortlich als Alkohol.

Vorsicht Sekundenschlaf

Hier ist es vor allem der Sekundenschlaf, das kurze Wegnicken, das den abwesenden Fahrer wie auch die anderen Verkehrsteilnehmer in allergrößte Gefahren bringt. Mit der Kampagne „Vorsicht Sekundenschlaf“ versucht der Deutsche Verkehrssicherheitsrat auf die Gefahren aufmerksam zu machen. Denn jeder fünfte Autofahrer ist schon einmal am Steuer eingeschlafen, Männer etwa doppelt so häufig wie Frauen.

Geisterbilder

Dies ist das Ergebnis der begleitenden DVR-Umfrage. Und jeder kennt die Anzeichen der Übermüdung: kneifende Augen, häufigerer Lidschlag, nachlassende Konzentration. Wenn es vor allem nachts ganz schlimm wird, glaubt man unter nicht vorhandene Brücken zu fahren, neblige Geisterbilder erscheinen auf der Straße, das Licht der Entgegenkommenden brennt in den Augen. Dies sind bereits sehr starke Erscheinungen des einsetzenden Sekundenschlafs.

Falsche Tricks

Und immer wieder überschätzen Fahrer ihre Fähigkeiten: Sie glauben, Müdigkeit durch ihre Erfahrung ausgleichen zu können, ignorieren die Müdigkeit und fahren mit großen Anstrengungen weiter. Zusätzlich setzen sie auf falsche „Tricks“, wie hereinströmende kalte Frischluft bei geöffnetem Fenster; das Trinken koffeinhaltiger Getränke oder Hören von lauter Musik. Das alles hilft nicht. Was wirklich hilft, ist eine Pause. Aber die wird meistens zu spät eingelegt.

Die gefährdeten 75-jährigen

Im Alter verzichten immer mehr Autofahrer auf Fahrten bei Nacht. Die Anstrengungen sind zu hoch, die Sehkraft bei Dunkelheit hat nachgelassen und so gehen schlaue Senioren dem Risiko aus dem Weg, weil sie sich selbst unsicher fühlen. Man bekommt ein Gefühl dafür, wenn die eigenen kognitiven Fähigkeiten nachlassen – nicht nur bei Nachtfahrten.

Reizüberflutung

Aus den vielen hereinflutenden Reizen des Verkehrsgeschehens die Informationen zu filtern und dann gleichzeitig mehrere Entscheidungen zu treffen und die automatisierten Entscheidungsabläufe zu treffen, ist das Problem der über 75-jährigen im Straßenverkehr. „Sie treten häufiger als Hauptverursacher eines Unfalls in Erscheinung“, weiß Dr. Manfred Gogol von der Klinik für Geriatrie in Cloppenbrügge zu berichten. Gleichzeitig erhöhe sich das Unfallrisiko durch die geringe jährliche Fahrleistung.

Aber so Gogol als Resümee: „Ältere sind überwiegend keine Gefahr im Straßenverkehr, aber die, die es sein könnten, sind schwierig zu identifizieren und die Defizite nur aufwändig auszugleichen.“

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