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Der Meisterbock: Wie  Audi seine Qualität sichert

Der Meisterbock: Wie Audi seine Qualität sichert

Wolfgang Stegers
29.11.2017, 15:46 Uhr
Beitrag von Wolfgang Stegers

Wenn der Meisterbock meckert, herrscht bei der Audi-Qualitätssicherung Alarm. Produktionsfehler können Millionenschäden verursachen. Daher: Fehler schnell finden und beheben. Besser: nicht aufkommen lassen

Was macht eigentlich die besondere Qualität eines Autos aus? Eine einfache Frage, schwierig zu beantworten. Denn das Besondere ist zugleich auch das Außergewöhnliche. Sicher nach A und B zu fahren, keine Pannen erleben zu müssen, von Reparaturen verschont zu bleiben, 200 000 Kilometer und mehr erzielt zu haben und auch nach über zehn Jahren nicht in der Schrottpresse gelandet zu sein, ist sicherlich nicht besonders. Dafür werden keine Lorbeerkränze geflochten.

Tesla verspricht: 1,6 Millionen Kilometer pannenfrei


Aber es ist schon interessant, dass früher der elektronische Kilometerzähler bei BMW bei 299.999,9 das Zählen einstellte und nur von einer Werkstatt wieder genullt werden konnte. Noch früher bekamen Kilometerfresser hinter dem Mercedes-Lenkrad, hatten sie die Millionenmarke auf ihrem Daimler erreicht, einen Bonus und der Wagen eine Plakette. Während heute Elektropionier Tesla verspricht, seine Elektro-Lkws werden 2019 eine Million Meilen, 1,6 Millionen Kilometer, pannenfrei fahren können.

Jetzt ist die Laufleistung hochbelasteter Sportwagen auf 150.000 Kilometer ausgelegt, und schon bieten smarte Autoverkäufer nach Ablauf der zwei- oder dreijährigen Garantie eine Reparaturversicherung an, um für eventuell auftretende Motor- oder Getriebeschäden aufzukommen. Kaum 4 Jahre alt, darf man sich gegen Motorschäden zum Preis von 1.800 Euro versichern lassen.

Höchste Ansprüche bei Luxusfahrzeugen


Da fragt man sich, welches Vertrauen haben die Verkäufer in ihre Produkte? Oder ist es vielleicht so, dass die Luxusfahrzeuge so selten die Werkstatt sehen, dass nur mit dem Verkauf von Versicherungsprämien Umsätze generiert werden?

Eine Zuverlässigkeit wie „und läuft und läuft und läuft...“ ist sicherlich ein nicht zu unterschätzendes Verkaufsargument. Jeder Leser kennt sicherlich einen Autofahrer, der nach drei, vier Jahren darüber nachdenkt seinen „alten“ in Zahlung zu geben, um sich einen fabrikneuen Wagen zu kaufen, weil er Reparaturen fürchtet. Die Furcht der Fahre, liegenzubleiben manifestiert sich wohl am stärksten bei den Vorbehalten gegen Elektroautos.

Jedenfalls, seitdem „Billigheimer“ auch standfest sind, müssen sich die Luxuskarossen immer häufiger rechtfertigen, warum das Luxuriöse das Besondere und das Besondere das Teuere ist.

Modernste Prüfmethoden


Um das Besondere aufzuspüren hat Audi in Ingolstadt seine strenggeheimen Testlabors einen Tag geöffnet und dem Besucher einige Beispiele gezeigt, wie mit dem Einsatz von Hightech und besten Prüfmethoden Materialien unter die Lupe des Rasterelektronenmikroskops genommen oder von Laserstrahlen vermessen werden. Allerhöchste Präzision bei der Verarbeitung im Mikrometerbereich und größtmögliche Güte der eingesetzten Materialien müssen auch am laufenden Fließband gewährleistet sein - und vor allem selbst bei über hunderttausend produzierten Fahrzeugen eingehalten werden.

Eine Autokarosserie besteht heutzutage aus einem intelligenten Mix verschiedener Materialien. Stahl- und Aluminiumbleche, Kunststoffe und Karbon erfüllen ihren speziellen Zwecke und bilden eine Einheit. Extreme Passgenauigkeit ist ebenso unabdingbar wie eine harmonische Linie. So folgt die Trennfuge an der Tür eines Audi A8 bewusst nicht in allen Sektionen der exakten Geometrie. Sie ist nicht gleich schmal. Je nach Verlauf und Lichteinfall kann das Spaltmaß im Mikrometerbereich variieren. Damit gibt es dem menschlichen Auge ein harmonisches Bild und gewährleistet guten Schattenfall.

Laufende Kontrolle am Urmeter


Die laufende Kontrolle bei Abmessungen, Fugenbreite und Passgenauigkeit orientiert sich an dem Meisterbock. Er steht im Gebäude der Qualitätsabsicherung und ist das Urmeter eines jeden Karosseriemodells, das in den benachbarten Werkhallen gepresst, geschweißt, geklebt und zur Rohkarosserie wächst. Auf den Mikrometer austariert, müssen alle folgenden Karosserien dem Meisterbock folgen. Ausreden gelten hier nicht. Und beileibe wird nichts mehr am Band mit dem Hammer passend gemacht, wenn es nicht passt. Wenn einer der 2800 Mitarbeiter einen Fehler erkannt hat, werden diese sofort abgestellt, auch wenn das laufende Band gestoppt werden muss.

Denn erfahrene Qualitätsprüfer, wie Werner Zimmermann als Leiter der Abteilung, kennen die „Rule of ten“. Die Regel besagt, die Kosten zur Fehlerbeseitigung wachsen von einer Fertigungsstufe zur nächsten um den Faktor 10 an. Je früher der Fehler erkannt wird, umso kostengünstiger seine Beseitigung.

Die digitale Produktion überprüft sich selbst


Immer mehr hilft dabei der digitale Prozeß. Überwacht wird die Produktion von Sensoren und virtuellen Prüfern, die Fehler der Leitzentrale melden. Ganz ist der Mensch hierbei aus der Fabrik nicht verschwunden. Noch ordnen Experten die Daten und werten sie aus. Aber über das Prüfen hinaus kann nachgesteuert werden, um

Fehler nicht ausbrechen zu lassen


Ist ein Meisterbock für die Rohkarosserie die Meßlatte, so ist ein zweiter für die äußere Karosserie mit den diversen Anbauteilen vom Außenspiegel bis zur Zierleiste die Richtschnur. Der dritte Bock bildet das Urmodell für das Innere. Er ist auf Sollmaß hergestellt und weist keine Abweichungen auf. Das ist unbedingt notwendig, denn Einbauteile, wie Blenden, Verkleidung oder komplette Funktionsteile müssen passgenau montiert werden können – so verschraubt, geclipst, geklebt oder eingepasst, dass während der Fahrt kein Knistern, Knarzen, Klappern hörbar ist.

OLED – das neue Licht - Qualitätsabsicherung Teil 2

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